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Welt Schaulaufen für die Oscars: In Venedig beginnen die Filmfestspiele
Mehr Welt Schaulaufen für die Oscars: In Venedig beginnen die Filmfestspiele
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13:48 28.08.2018
Neil Armstrong (Ryan Gosling) in dem Film „Aufbruch zum Mond“. Er eröffnet das Filmfestival Venedig. Quelle: Universal
Venedig

Ach, was war das für ein Gezeter im Mai, als sich das Filmfestival in Cannes und der Streamingdienst Netflix beharkten. Am Ende wurde Netflix ausgeladen, vor allem deshalb, weil der Festivalleitung die einflussreichen französischen Kinobetreiber im Nacken saßen. Sie wollten keine Filme akzeptieren, die keinen garantierten Kinostart in Frankreich haben. Cannes, der Branchenprimus, hatte sich in die Bredouille manövriert.

In Venedig nimmt man die Kooperation mit den Streamingdiensten offenbar lockerer – und schwuppdiwupp: Der Mexikaner Alfonso Cuarón („Gravity“) mit der Familiengeschichte „Roma“, das US-Brüderpaar Joel und Ethan Coen mit dem ursprünglich als Serie geplanten Western „Ballad of Buster Scruggs“ und der Brite Paul Greengrass mit „22 July“ über das norwegische Utøya-Massaker treten im Wettbewerb an. Sie alle haben bei Netflix angeheuert.

Der Film „22 July“ handelt von dem Massaker in Utoya. Quelle: Weltkino

Auch die vom Streamingdienst restaurierte Fassung des letzten Films von Orson Welles, „The Other Side of the Wind“, ist nun als besonderer Leckerbissen für das 75. Venedig-Festival gemeldet, das am Mittwoch, beginnt. Ob diese Werke später auch auf der großen Leinwand zu sehen sein werden, steht allerdings in den Sternen. Die Frage bleibt erst einmal offen, ob sich Venedig ganz einfach mit den neuen Gegebenheiten im Filmgeschäft arrangiert hat - oder doch dabei ist, die Exklusivität des Kinos zu verraten.

Die Anziehungskraft des Festivals wächst jedes Jahr

Jedenfalls scheint die Anziehungskraft des italienischen Festivals mit jedem Jahr zu wachsen. Venedig hat etwas zu bieten, was der Konkurrenz - erst recht jener in Berlin – fehlt: Es liefert die perfekte PR-Plattform für die Oscar-Saison – siehe in den Vorjahren „Gravity“, „Birdman“, „Spotlight“, „La La Land“ oder zuletzt „The Shape of Water“.

Schon der Eröffnungsfilm dürfte die Konkurrenz neidisch machen: Regisseur Damien Chazelle ist nach seinem Erfolgsmusical „La La Land“ zurück mit seinem Historiendrama „Aufbruch zum Mond“, in dem Ryan Gosling als Raumfahrer Neil Armstrong einen großen Schritt für die Menschheit unternimmt.

In dem zumindest nach der Papierform hochkarätigen Wettbewerb feiert der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck sein Comeback: Mit seinem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ gewann er 2007 den Oscar, der Nachfolgefilm „The Tourist“ war 2010 eine herbe Enttäuschung. Nun zeigt er „Werk ohne Autor“, eine Künstlergeschichte mit Sebastian Koch, Tom Schilling und Paula Beer, in der viel deutsche Geschichte steckt.

Die Konkurrenz für Donnersmarck ist hart. Im Wettbewerb sind vertreten: die Franzosen Jacques Audiard und Olivier Assayas (beide bislang ebenfalls gern gesehene Cannes-Gänger), der Grieche Yorgos Lanthimos, der Brite Mike Leigh, der Ungar László Nemes (bekannt geworden mit dem umstrittenen Holocaust-Drama „Son of Saul“), der Israeli Amos Gitai, der US-Amerikaner Julian Schnabel, nicht zu vergessen der Italiener Luca Guadagnino (gerühmt für seine Liebesgeschichte „Call Me By Your Name“) - um nur mal ein paar zu nennen.

Verfolgungsjagden auf dem Canal Grande

Die Stars dürften sich mit den Fotografen wieder aparte Verfolgungsjagden auf dem Canal Grande liefern. Zu rechnen ist mit James Franco, Liam Neeson, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Juliette Binoche, Mel Gibson, Vince Vaughn. Unter besonderer Beobachtung dürfte Regiedebütant Bradley Cooper stehen. Er hat für sein Musical „A Star is Born“ Lady Gaga begeistern können. Die britische Schauspielerin Vanessa Redgrave („Blow Up“), 81 Jahre alt und jüngst mit dem Flüchtlingsfilm „Sea Sorrow“ (2017) auf die Regieseite gewechselt, erhält den Goldenen Löwen.

Zumindest in einem Punkt schwächelt Venedig noch mehr als Cannes: Die Australierin Jennifer Kent ist die einzige Frau zwischen 20 Männern im Wettbewerb. Macho-Cannes hatte immerhin drei Regisseurinnen im Aufgebot. Nun ja.

Von Stefan Stosch/RND

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