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Welt Sack und Asche
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21:31 23.09.2018
Die Kartoffel ist nicht die dekorativste aller Balkonpflanzen, aber immerhin macht sie satt. Wenn der Balkon groß genug ist. Quelle: Fotolia
Hannover

Die Latzhosenfrau verlangte alle Aufmerksamkeit und pflanzte einen neuen Gedanken. Anbauen könne man die Kartoffeln auf dem Balkon in einem Sack, der kein Kartoffelsack ist, den man mit Erde und Kompost befüllen müsste, bisschen hegen und pflegen und irgendwann könne man dann ernten.

Klar, es macht schon was her, sich in der Stadt unabhängig vom Supermarkt oder vom regionalen Kartoffelbauern zu machen. Und es spart Geld, daher der Begriff “Sack und Asche“. Gut, das, was oben rausguckt aus dem Sack, ist nicht gerade orchideal, sondern eher zweckgrünlich.

Frauen- und Männerkartoffeln

Aber je hässlicher es aussieht, desto größer die Vorfreude auf die nahende Ernte. Und das große Festmahl, zu dem man seine Kartoffelfreunde schließlich einlädt. Es gibt Kartoffelsuppe, Kartoffelsalat mit Pommes, als Hauptgang Kartoffelbrei mit Ofenkartoffel und hinterher Kartoffelpudding.

Und später, bei ’ner Tüte Eigenbauchips und einem Glas Kartoffelschnaps, angeregte Diskussionen über die Frage, warum die meisten Kartoffelsorten wie Frauen aus den Sechzigerjahren heißen und die wenigen Männerkartoffelsorten wie zu Recht gescheiterte Pornodarsteller: Blauer Schwede, Imperator, Bamberger Hörnchen, Huckleberry Gold, Serum Star, Präsident Krüger oder Rambo.

Säcke, dicht an dicht

Das Problem an diesem Abend ist die Kartoffelmenge. Ein Sack, ein Essen mit kleinen Portionen. Wenn die Kartoffeln so gut schmecken, dass einer noch einen Nachschlag will, muss man ihn auf das nächste Jahr vertrösten. Dementsprechend.

Im nächsten Jahr zieht man dann seine Lehren aus dem Fehler und kauft mehr Säcke. Stühle, Tisch, Sonnenschirm – alles Kann-Möbel auf dem Balkon. Stattdessen: Säcke, dicht an dicht, mit einer schmalen Sackgasse zum Geländer. Außen am Geländer: Kartoffelsack-Kästen. An der Wand: Sackampeln.

Zwischendurch lohnt ein Blick auf die Maximalbelastung des Balkons, damit er vor lauter Säcken nicht absackt. Dann können die Gäste kommen. Und Hunger mitbringen. Sie können sogar Kartoffeln mitnehmen. In Säcken. Es sind genug da.

Von Uwe Janssen

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