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Welt Romy Schneider: Die unglückliche Prinzessin
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09:28 22.09.2018
Romy Schneider feiert 1959 mit Curd Jürgens in den Kostümen zu dem Film "Katja – die ungekrönte Kaiserin" ihren 21. Geburtstag. Quelle: picture-alliance / dpa
Paris

Diese Frau fasziniert noch immer. Erst im vorigen Jahr zog Romy Schneider das deutsche Publikum wieder in ihren Bann – nicht als naiv-kokette Kaiserin „Sissi“ in der soundsovielten TV-Wiederholung, sondern auf der Kinoleinwand und als menschliches Wrack, zugedröhnt mit Tabletten und Alkohol, verzweifelnd an ihrer Einsamkeit.

Der Spielfilm „3 Tage in Quiberon“ zeigte Schneider so, wie sie ihr Leben damals selbst wahrnahm - und Marie Bäumers Verwandlung in Romy Schneider war dabei geradezu beängstigend perfekt. Der Film beruhte auf einem zeithistorischen Dokument: auf Schneiders letztem großen Interview, das sie bei einer Entziehungskur in der Bretagne gegeben hatte, ein einziger Seelenstriptease. Der „Stern“ druckte das legendäre Gespräch ab unter der Überschrift: „Im Moment bin ich ganz kaputt.“

Ein gutes Jahr später war Romy Schneider tot, gestorben an einem Herzinfarkt am 29. Mai 1982 am Schreibtisch in ihrer Pariser Wohnung. Sie wurde gerade einmal 43 Jahre alt.

Romy Schneider – in Frankreich „La Schneider“ bitte

Am Sonntag wäre Romy Schneider 80 geworden. Als alte Frau kann man sie sich kaum vorstellen. Für das deutsche Publikum blieb sie immer die Märchenprinzessin, die über österreichische Wiesen tollte. Ihre Flucht aus dem goldenen „Sissi“-Käfig 1959 in die Arme des für seinen Frauenverschleiß berüchtigten französischen Stars Alain Delon fassten damals viele als Verrat auf.

Am 23. September wäre Romy Schneider 80 Jahre alt geworden. So sah ihr Leben im Rampenlicht aus.

In einem Gespräch mit Alice Schwarzer hatte Schneider bereits im Dezember 1976 in Köln bekannt: „Wo ich mich wohlfühle? Wo hat man mich mit offenen Armen empfangen? In Frankreich.“ In Deutschland dagegen habe man sie „angespuckt. Und warum? Weil ich in einen Mann verliebt war.“

Im französischen, nicht im deutschen Kino avancierte Schneider zur Charakterdarstellerin. Immer wieder drehte sie mit ihrem Lieblingsregisseur Claude Sautet, genauso aber auch mit Luchino Visconti und Orson Welles. Mit ihrem Ex-Freund Alain Delon räkelte sie sich freizügig im Krimi „Swimmingpool“. Die Franzosen nannten sie „La Schneider“.

Ihre letzte Rolle spielte sie in „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ in ihrem Todesjahr: eine von den Nationalsozialisten verfolgte Animierdame in einem Pariser Cabaret. Rainer Werner Fassbinder wollte sie für die Hauptrolle in „Die Ehe der Maria Braun“, aber Schneiders Gagenforderungen waren ihm zu hoch - Hanna Schygulla bekam den Part.

Vom Internat vor die Kamera

Dieser glanzvollen Karriere im europäischen Kino gegenüber stand das private Unglück: Da war die besitzergreifende Mutter Magda Schneider, die ihre Tochter aus dem Internat vor die Kamera zerrte. Der Vater Wolf Albach-Retty war nie zu Hause und wurde von Romy schmerzlich vermisst. Da waren die unglücklichen Ehen erst mit dem Regisseur Hans Meyen und dann mit ihrem Privatsekretär Daniel Biasini – gefolgt von noch unglücklicheren Trennungen.

Meyen erhängte sich 1979 in Hamburg. Schneider lebte fortan mit dem Schuldgefühl, sich nicht um ihn gekümmert zu haben. Als Mutter ihrer zwei Kinder fühlte Schneider sich als Versagerin. Und dann spießte sich ihr 14-jähriger Sohn im Sommer 1981 bei einem Unfall auf einer Zaunspitze auf und starb.

Sexuelle Gewalt – zu Lebzeiten von Romy Schneider ein Tabuthema

Alice Schwarzer schrieb in ihrer erst lange nach dem Tod Romy Schneiders erschienenen Biografie von der „Ausbeutung durch die Männer“. Vor all den anderen tauchte da der Stiefvater Hans Herbert Blatzheim auf. Originalton Schwarzer: „Sie hat zu mir gesagt: ‚Er hat versucht, mit mir zu schlafen. Und das nicht nur einmal.‘“ Von sexueller Gewalt wagte zu Schneiders Lebzeiten noch kaum jemand zu sprechen.

Dass Schneider den Mut hatte, für die Sache aller Frauen einzustehen, bewies sie 1971: Sie beteiligte sich an der von Alice Schwarzer initiierten Medien-Aktion „Wir haben abgetrieben!“, zu der sich 374 Frauen bekannten.

„Es ist besser, kurz und schön als lange und in Maßen zu leben“, hat Romy Schneider mal gesagt. Kurz war ihr Leben auf jeden Fall.

Von Stefan Stosch / RND

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