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Welt Neues von Rod Stewart – Bandbreite, Baby!
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17:57 28.09.2018
Ihm geht es gut: Rod Stewart hat ein neues Album gemacht – musikalisch deckt es seine ganze Bandbreite ab: Blues, Rock’n’Roll, Disco und (viele) Balladen. Quelle: Universal Music
London

Ein einsamer Tiger sei er nun, singt Rod Stewart zu Albumbeginn. Die Liebste hat ihn verlassen, eingetauscht gegen einen dynamischen Russen. Davon scheint der Schotte nächtens albzuträumen. Denn in Wahrheit steht alles bestens in der nun schon 19 währenden Liebe zu Ehefrau Penny. Zwei kleine Söhne – Alastair und Alden (11 und 7) - halten den 73-Jährigen überdies auf Trab. Und so ist „Hole in my Heart“ auch kein sanfter Afterlovesong sondern eine Discorock-Lock, ein kleines Brüderchen von „Da Ya Think I’m Sexy“, seinem Überhit von 1978.

Stewart verabschiedet auf „Blood Red Roses“ einen alten Freund

Die Stewartsche Butterraspel ist weicher denn je, die Melodien fließen wieder, nachdem er zwischen 2002 und 2012 nur Swingstandards, Rock- und Soul-Oldies und Weihnachtslieder aufgenommen hatte. Stewart lehnt sich klangmäßig vor allem am Sound seines Achtzigerjahre-Outputs. Polierter Pop mit Schmirgelstimme drüber.

Nicht immer kommt man dabei anhand des Temperaments des jeweiligen Liedes gleich hinter die Botschaft des Songs. Das wonnige Midtempostück „Farewell“ etwa erzählt eine traurige Geschichte von einem verstorbenen Freund aus Jugendtagen, mit dem es lange durch dick und dünn ging, ehe man sich in den Neunzigerjahren aus den Augen verlor.

Der Titelsong ist keltischer Folkpop mit einigem Druck, das darauffolgende „Grace“ eine schmalzige Ballade. Derlei Süßigkeiten gibt’s zuhauf, zu viele: „Honey Gold“, „Julia“, „Didn’t I?“, „Who Designed the Snowflake?“. „Give Me Love“ ist dann wieder so ein „Sexy“-Ding mit Phillystreichern und Soulgebläse. Auch hier unterstreicht der funkige Klang nicht, das der Typ im Song in „Kummer versinkt“, dass er „keine Hoffnung, kein Zuhause, nur Schande“ kennt. Wieso auch aus dem eigenen Dasein singen?

Rod Stewart nennt seinen Nachbarn Donald Trump „not presidential“

Rod the Mod, der Ende der Sechzigerjahre mit den Faces berühmt wurde, lebt reich. In Palm Beach, Florida, wohnt er mit dem amtierenden US-Präsidenten in derselben Straße, hat bei ihm auch mal Silvester gefeiert, nennt ihn in einem Video der „Daily Mail“ zugleich „Freund“ und zaghaft kritisch „not presidential“. Politisch wird Rod Stewart vielleicht auch deshalb nicht auf seinem neuen Album. Man wirft keine Steine in den Garten nebenan.

Mit „Rollin‘ and Tumblin‘“ geht er lieber zu seinen Anfängen als Bluessänger zurück. Der Song der streitbaren Blueslegende Hambone Willie Newbern kracht wie eine Axt ins Ohr, gerade als das Album einzuschlafen drohte. Die Gitarre bäumt sich auf, schlittert unter des Sängers veritabler Röhre hinweg. Im „Vegas Shuffle“ rockt er vom „heading down the Highway“ wie das schon Steppenwolf in „Born to Be Wild“ taten. Und das Honkytonk Piano holpert hinterdrein. Man sieht im Geiste, wie Stewart seine alten „hot legs“ dazu schwingt. Und muss grinsen.

Eine richtige Notwendigkeit für dieses Album besteht nicht. Aufgenommen wurde es unter Regie von Stewarts altem Weggefährten Kevin Savigar im Verfahren eines zeitsparenden, transatlantischen, digitalen Dateienschubsens. Die Dramaturgie scheint eher beliebig, ein tagelanges Tüfteln, welcher Song wo am besten mit welchem harmoniert, scheint nicht stattgefunden zu haben. Egal. Es geht eher darum, zu zeigen: Mich gibt’s noch. Ich bin vielseitig. Ich kann shaken und schmusen. Und nehm’s in Sachen Party mit jedem Russen auf. Bandbreite, Baby!

Rod Stewart: „Blood Red Roses“ (Universal)

Von Matthias Halbig / RND

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