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Politik Weiteres angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht
Mehr Welt Politik Weiteres angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht
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11:21 16.04.2017
Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund nach dem Anschlag. Quelle: nordphoto
Berlin

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund vom Dienstag ist ein drittes angebliches Bekennerschreiben aufgetaucht. Die Mail mit rechtsextremistischem Duktus ging am Donnerstagabend beim Berliner „Tagesspiegel“ ein. Das Schreiben wird nun von der Bundesanwaltschaft (GBA) in Karlsruhe auf seine Echtheit überprüft. GBA-Sprecherin Frauke Köhler bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am späten Freitagabend, ihre Behörde habe das Schreiben von der Zeitung erhalten. Eine Bewertung wollte sie nicht abgeben.

Adolf Hitler und Hetze gegen „Multi Kulti“

Der anonyme Verfasser bezieht sich laut „Tagesspiegel“ auf Adolf Hitler, hetzt gegen „Multi Kulti“ und droht mit einem weiteren Angriff. Nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen wird ausdrücklich die Asyl- und Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert. Am 22. April werde „buntes Blut fließen“. Die Drohung zielt nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen vermutlich auf die zu erwartenden linken Demonstranten gegen den an diesem Tag in Köln stattfindenden AfD-Bundesparteitag.

Der „Tagesspiegel“ zitierte Sicherheitskreise mit den Worten, es müsse alles ernst genommen werden, „da wir keine Spur zum Täter von Dortmund haben“. Die neue Bekennermail könne mit der Dortmunder Tat zu tun haben, „es könnte aber auch ein Trittbrettfahrer sein“. Nach dpa-Informationen wird die Skepsis in den Sicherheitsbehörden auch mit dem Verweis begründet, es sei ungewöhnlich, dass ein Attentäter einen Anschlag ankündige und sich so der Entdeckung aussetze. Zudem handele es sich um einen anderen Duktus als bei den am Tatort gefundenen Schreiben.

Zweifel an islamistischen Hintergrund des Anschlags

Direkt nach dem Anschlag waren am Tatort drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischen Bezügen entdeckt worden. Es wird aber bezweifelt, dass diese Schreiben tatsächlich von Islamisten stammen. Ermittelt wird auch in Richtung von Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fußballfans und Allgemein-Kriminellen. Bei einem dritten angeblichen Bekennerschreiben, in dem ein linksextremistischer Hintergrund behauptet wurde, bestehen nach GBA-Einschätzung erhebliche Zweifel an der Echtheit.

Sicherheitskreisen halten es inzwischen auch für möglich, hinter dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund stecke ein ausländischer Nachrichtendienst, schreibt der „Tagesspiegel“. „Stutzig macht, dass bei dem Anschlag militärische Zünder zum Einsatz kamen“, hieß es in einem Bericht der Zeitung. Solche Zünder seien in Deutschland nicht leicht zu beschaffen, zitiert der „Tagesspiegel“.

Von RND/dpa