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Politik Türkei schickt Soldaten nach Nordsyrien
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08:25 24.12.2018
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Quelle: AP
Ankara

Die Türkei zieht trotz einer entgegengesetzten Ankündigung Truppen in der Nähe einer nordsyrischen Stadt zusammen. Das berichteten Kriegsbeobachter und türkische Medien am Sonntag. Die Stadt Manbidsch wird von Kurden kontrolliert, welche von den USA unterstützt und von der türkischen Regierung als Feinde angesehen werden. Ankara hatte zuvor mitgeteilt, eine geplante Offensive gegen die kurdischen Kämpfer werde sich wegen der Entscheidung der USA, ihre Truppen aus Syrien abzuziehen, verzögern.

US-Präsident Trump twitterte am Sonntag, er habe ein „langes und produktives“ Telefongespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan gehabt. Es sei um den „langsamen und hochkoordinierten“ Abzug der US-Truppen gegangen. Erdogan hatte die Ankündigung der USA, die etwa 2000 Soldaten aus Syrien abzuziehen, begrüßt. Laut Ankara haben Trump und Erdogan sich darauf geeinigt, es nicht zu einem „Autoritätsvakuum“ kommen zu lassen.

Die USA hatten sich 2014 mit den syrisch-kurdischen Kämpfern zusammengetan, um gemeinsam die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Das hat die Zusammenarbeit zwischen Ankara und Washington beeinträchtigt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte geschworen, die kurdischen Kämpfer zu vertreiben. Er sieht sie als Erweiterung des Aufstands in seinem Land an.

„Wir ergreifen die nötigen Mittel um uns zu verteidigen, sollten wir angegriffen werden“

Um die Befürchtungen der Türkei angesichts der kurdisch-amerikanischen Zusammenarbeit zu zerstreuen, sollten US- und türkische Truppen laut einem Abkommen vom Juni gemeinsam in der Gegend um Manbidsch patrouillieren. Ankara wirft den USA und Kurden jedoch vor, ihren Teil des Abkommens nicht eingehalten zu haben. Ankara hat bereits Truppen im Nordwesten Syriens und unterstützte dort syrische Kämpfer, um Städte und Dörfer von IS-Kämpfern und kurdischen Kämpfern zu räumen.

Die türkische Nachrichtenagentur IHA berichtete am Sonntag, dass ein Konvoi türkischer Truppen über Nacht nach Syrien geschickt worden sei. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden sie an die Frontlinie bei Manbidsch geschickt, wo US-Truppen stationiert waren. Demnach hätten 50 Fahrzeuge mit Soldaten und Ausrüstung die Grenze überquert. Ein türkischer Militärbeamter, der anonym bleiben wollte, bestätigte, dass die von der Türkei verwalteten Gebiete im Norden Syriens verstärkt wurden.

Der Sprecher des kurdisch geführten Militärrates von Manbidsch, Sharfan Darwish, erklärte ebenfalls, türkische Truppen seien eingetroffen. „Wir ergreifen die nötigen Mittel um uns zu verteidigen, sollten wir angegriffen werden.“

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sagte am Sonntag, der Abzug der US-Truppen gefährde kurdische Kämpfer, die maßgeblich an der von den USA geführten Koalition beteiligt waren. „Wir sollten nicht vergessen, was wir denen schuldig sind, die im Kampf gegen den Terrorismus gestorben sind“, sagte Macron mit Bezug auf die Demokratischen Kräfte Syriens (DKS). Kurdische Beamte hatten bei einem Treffen mit einem Berater des Präsidenten am Freitag darum gebeten, dass Frankreich seine Arbeit in Syrien ausbauen sollte.

Von mueller.antje