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Politik Terrorzelle in Meldorf: „Wir dachten, hier ist heile Welt“
Mehr Welt Politik Terrorzelle in Meldorf: „Wir dachten, hier ist heile Welt“
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13:46 31.01.2019
Die Polizei nahm am Dienstagmorgen drei Terrorverdächtige in Meldorf fest. Quelle: Marks/dpa
Meldorf

Nach einem Ort, an dem drei Männer eine lebensgefährliche Straftat planten, bei der sie laut BKA-Chef Holger Münch „möglichst viele Menschen töten“ wollten, sieht der Wohnblock am Ende des Nanny-Peters-Wegs nicht aus. In der Nachbarschaft stehen Einfamilienhäuser und alte Reihenhäuser. Die Straße ist ruhig, viele ältere Meldorfer leben hier.

Vor der Wohnung, in der um 6 Uhr die Polizei die Terrorverdächtigen überraschte, steht noch ein Wäscheständer mit einer Camouflage-Hose. Daneben hängen ein paar Unterhosen und ein grünes Handtuch. Das Fenster neben der Tür ist mit einem roten Betttuch abgehängt.

Laut Nachbarn sollen in dieser Ecke der Wohnanlage häufig die Mieter gewechselt haben. Einst wurde das rotgeklinkerte Haus als Seniorenresidenz gebaut, heute sei die Mieterschaft in den etwa 20 Quadratmeter großen Wohnungen durchmischt. „Das Amt steckt da alles rein“, so eine Anwohnerin. Wie die meisten Nachbarn will sie aus Angst ihren Namen nicht nennen.

Nachbarin: "Die haben einen anständigen Eindruck gemacht."

„Ich hätte nicht gedacht, dass hier so jemand wohnt“, sagt eine Frau, die im unteren Stockwerk des Hauses wohnt. Die jungen Männer seien ihr ab und zu begegnet. „Die haben eigentlich einen ganz anständigen Eindruck gemacht.“ Sie hätten auch ein bisschen Deutsch gesprochen und meist gegrüßt. Die Polizei habe sie nicht befragt, nur nach den Kellerräumen hätten sich die Beamten erkundigt.

Eine andere Nachbarin berichtet: „Die vermummten Polizisten haben weiße Beutel und kleine Päckchen herausgetragen.“ Die ältere Dame war erst spät aufgestanden und überrascht, als sie die Wiese hinter dem Haus voller Polizeiwagen stehen sah. „Die jungen Männer sollen ja mit Sprengstoff experimentiert haben. Da hätten wir ja alle in die Luft gehen können.“

Männer mit Arm voller Silvesterraketen

Ann-Christin Thau hat in den Medien von dem Einsatz erfahren. Erst als sie zweimal hinschaute, erkannte sie auf den Bildern, dass die Polizei bei ihrer Großmutter um die Ecke Terrorverdächtige festgenommen hat. „Da macht man sich sofort Gedanken um die Familie“, sagt die 31-Jährige, die nun bei ihrer Oma am Esstisch sitzt. „Das ist hier ja Ausnahmezustand.“ Gerechnet habe damit sicher niemand.

Erst im Nachhinein kommt ihrer Großmutter nun eine Beobachtung verdächtig vor: Ende Dezember seien zwei Männer bepackt mit einer Kiste und Feuerwerksraketen vorbeigelaufen. „Ich habe mir nichts dabei gedacht, es war ja kurz vor Silvester. Aber das Komische war, da wurde dann gar nicht geknallert.“

Meldorfer: "Jetzt ist es auch hier, es kommt immer dichter“

Wolfgang Scholl, der am Marktplatz ein Fotogeschäft betreibt, erzählt, dass jeder Kunde den Großeinsatz anspricht. „Das erste Gefühl war: Jetzt ist es auch hier, es kommt immer dichter“, sagt der 59-Jährige.

Alexandra Pedak, die gerade mit ihrer Tochter unterwegs ist, war sprachlos, als sie die Nachricht hörte. „Als Mutter von zwei Kindern macht das einem schon Angst. Man denkt ja hier auf dem Land, da ist man vor so etwas sicher, aber das ist man wohl nirgendwo.“

Bürgermeisterin: Gefährder sind absolute Minderheit unter den Flüchtlingen

Auch Bürgermeisterin Anke Cornelius-Heide ist erschüttert. Eigentlich sei Meldorf ein perfekter Ort zur Integration von Flüchtlingen. „Es ist hier klein genug, um schnell persönlichen Kontakt zu finden, aber auch groß genug, um sich in der Freizeit beschäftigen zu können.“ Es gebe einen Runden Tisch Integration und viele engagierte Bürger, die als Sprachpaten oder im interkulturellen Café mit Einwanderern zusammen seien. Umso erschreckender sei es, dass der allgemeine Trend zur Radikalisierung auch vor Meldorf keinen Halt mache.

Angst, dass die Stimmung in der Stadt kippt, hat Cornelius-Heide nicht. „Hier wird es Menschen geben, die Migranten kritisch sehen und die sich jetzt in ihrer Auffassung bestätigt sehen.“ Aber Polarisierung bringe keinen weiter. Es sei wichtig, sich klar zu machen, dass es sich bei Gefährdern um eine absolute Minderheit handele. „Die Mehrheit der Flüchtlinge wünscht sich nichts sehnlicher, als hier friedlich leben zu können.“

Von Anne Holbach/RND

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