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Politik Mossul ist befreit – doch dem Irak droht der Zerfall
Mehr Welt Politik Mossul ist befreit – doch dem Irak droht der Zerfall
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16:15 10.07.2017
Feiern ihren Sieg: Irakische Spezialeinheiten am Ufer des Tigris in Mossul – noch sind die Kämpfe jedoch nicht ganz vorbei. Quelle: AP
Mossul

Iraks Regierung feiert ihre Truppen. Nach rund neun Monaten haben die Armee und ihre Verbündeten die IS-Hochburg Mossul fast vollständig eingenommen. Doch dieser Sieg ist, wenn überhaupt, nur ein erster Schritt in Richtung einer besseren Zukunft dieses geschundenen Landes. Der Irak steht vor massiven Problemen. Es droht ein weiterer Zerfall des ohnehin schwachen Staates.

Problem 1: Der „Islamische Staat“

Die Extremisten sind noch lange nicht besiegt. Iraks Regierungskräfte müssen noch die Städte Tel Afar und Hawidscha einnehmen, auch an der Grenze zu Syrien stehen weiterhin IS-Kämpfer. Die verbliebenen Dschihadisten dürften untertauchen und auf eine Guerilla-Taktik setzen. Zu Terroranschlägen sind sie ebenfalls weiterhin in der Lage.

Problem 2: Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten

Die Schiiten stellen nicht nur die Bevölkerungsmehrheit, sondern dominieren auch die Regierung und die Ressourcen des ölreichen Landes. Die Sunniten – unter dem Diktator Saddam Hussein an der Macht – beklagen sich seit langem, dass sie an den Rand gedrängt werden. Solange die Sunniten nicht stärker eingebunden werden und es keinen Ausgleich zwischen den beiden größten Konfessionen gibt, wird der sunnitische IS Sympathien in der Bevölkerung finden.

Problem 3: Die schiitischen Milizen

Sie sind neben der Armee die militärisch mächtigste Gruppe im Land und haben starken Einfluss auf die Politik. Offiziell sind sie in die Sicherheitsstrukturen der Regierung eingebunden, tatsächlich aber führen sie ein Eigenleben, das vom großen Nachbarn, dem schiitischen Iran, finanziert und damit auch stark bestimmt wird. Regierungschef Haidar al-Abadi muss es gelingen, ihre Macht zu beschneiden.

Problem 4: Der Wiederaufbau und die Hilfe für Vertriebene

Im Kampf gegen den IS sind große Regionen des Landes verwüstet worden. Der Wiederaufbau dürfte Milliarden kosten. Mehr als drei Millionen Menschen sind zudem mittlerweile im Irak vertrieben und brauchen dringend Unterstützung.

Problem 5: Die Korruption

Kritiker werfen Vertretern der Regierung und des Staates schon seit langem vor, sie sähen ihre Hauptaufgabe darin, die eigenen Taschen zu füllen. Im Korruptionsindex von Transparency International steht der Irak auf Rang 166 von 176 Plätzen.

Problem 6: Die umstrittenen Gebiete

Im Norden des Iraks gibt es große Regionen, um die sich die Zentralregierung in Bagdad und die Regierung der kurdischen Autonomiegebiete in Erbil streiten. Kurdische Peschmerga-Kämpfer konnten mehrere Gebiete unter Kontrolle bringen, darunter die ölreiche Stadt Kirkuk. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Kurden wieder abrücken. Bislang haben beide Seiten den Streit bis auf die Zeit nach der Einnahme Mossuls vertagt.

Problem 7: Das Unabhängigkeitsstreben der Kurden

Im September sollen die Kurden über die Unabhängigkeit in einem Referendum abstimmen. Zwar dürfte es für einen eigenen kurdischen Staat kaum internationale Anerkennung geben, doch würde ein Ja bei der Abstimmung die Fliehkräfte im Irak stärken.

Von Jan Kuhlmann

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