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Politik Kretschmann stimmt Endlagersuche in Baden-Württemberg zu
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21:21 25.04.2011
Winfried Kretschmann Quelle: dpa

Baden-Württembergs designierter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat der seit Jahren völlig verfahrenen Debatte um eine Alternative zu einem Atommüllendlager im niedersächsischen Gorleben eine überraschende Wende gegeben: Kretschmann hält ausdrücklich auch ein Endlager in Baden-Württemberg für möglich. Auf die Frage von „Bild am Sonntag“, ob er bereit sei, die Tonschichten seines Landes daraufhin untersuchen zu lassen, sagte er: „Selbstverständlich. Alles, was geeignet ist für atomare Endlager, muss untersucht werden. Da ist niemand ausgenommen.“

Kretschmann ist damit der erste Regierungschef eines Bundeslandes außerhalb Niedersachsens, der Alternativen zu Gorleben erkunden lassen will. Zweifel an der Eignung des Salzstocks Gorleben für hochradioaktiven Atommüll gibt es schon seit Anfang der achtziger Jahre, da Grundwasser eindringen könnte. Geologen hatten daher Alternativen in Ton- oder Granitformationen angeregt, – die in Süddeutschland liegen.

Kretschmann, der am 12. Mai von Deutschlands erster grün-roter Koalition zum Regierungschef gewählt werden soll, machte einen schnellen Atomausstieg zur Bedingung für eine erfolgreiche Endlagersuche. „Vor nichts haben die Menschen so viel Angst wie vor atomarer Strahlung. Erst wenn die Gewissheit besteht, dass Deutschland aus dieser hochriskanten Technologie ausgestiegen ist, kann man Verständnis dafür erwarten, dass der Müll, der schon da ist, irgendwo hin muss.“ Werde dagegen weiter Strahlenmüll produziert, würden die Menschen nie ein Endlager akzeptieren.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Baden-Württemberg stützte umgehend den Vorstoß. Das Land könne sich seiner Verantwortung nicht entziehen, so Landeschefin Brigitte Dahlbender. Wenn man wie der BUND eine ergebnisoffene Suche nach Lagerstätten fordere, müsse man auch in Baden-Württemberg, dem Land mit vier Atommeilern, suchen.

Berlin reagierte vorsichtig auf die Ankündigung des grünen Spitzenpolitikers. Man nehme sie zur Kenntnis, im Moment hätten die Sicherheitsüberprüfungen der Atomkraftwerke aber Vorrang, hieß es aus dem Bundesumweltministerium.

In Niedersachsen hingegen erhielt Kretschmann viel Beifall. „Ein guter Vorschlag“, lobte Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) im Gespräch mit dieser Zeitung. Wichtig wäre nun, „dass Baden-Württemberg auch zwei bis drei Standorte vorschlagen würde, so wie es damals Niedersachsen getan hat, bevor Gorleben ausgesucht wurde“. Ministerpräsident David McAllister (CDU) erinnerte daran, dass er Kretschmann bereits in seiner Landtagsrede vom 14. April aufgefordert hatte, Alternativstandorte zu benennen.

Stefan Wenzel, Fraktionschef der Grünen im Landtag, sprach gegenüber dieser Zeitung von einem „immens wichtigen Signal“. Diese Äußerung sei eine Botschaft für alle Bundesländer, dass die Zeit für eine bundesweite Endlagersuche endgültig gekommen sei und „sich nun niemand mehr in die Büsche schlagen kann“.

Alexander Dahl

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