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00:23 13.09.2014
„Ich habe mich auf die gesegnete Reise gemacht“: Der Terrornachwuchs schließt sich dem „Islamischen Staat“ an – und paradiert schwer bewaffnet und unbehelligt durch die Straßen Syriens. Quelle: rtr
Bangkok

Er gibt sich gern stark. Wenn Ayman al-Zawahiri steif vor einer Kamera sitzt und per Videobotschaft Anweisungen an seine Gefolgsleute in aller Welt gibt, dann kann es einen schon erschaudern: „Versucht so viele Ausländer wie möglich, vor allem Amerikaner, zu entführen, um sie gegen unsere gefangenen Kameraden auszutauschen.“  Dann höhnt der alte Mann des Terrors: „Wer ist denn stark? Doch nicht diejenigen, die aus dem Irak abgezogen sind und nun Afghanistan verlassen!“

Zawahiris Problem ist nur: Auch seine einst so deutungsmächtige Terrortruppe strotzt nicht gerade vor Vitalität. Im Mai 2011 erschoss eine US-Spezialeinheit Terrorchef Osama bin Laden in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad. Die amerikanischen Drohnenangriffe im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet haben die Führungsriege des Terrornetzwerks in den vergangenen Jahren deutlich dezimiert. Von diesen Rückschlägen hat sich die Organisation unter Führung von bin ladens Nachfolger Zawahiri bisher nicht erholen können. Wie ein Sektenführer rührt der Mann, der einst eine Arztpraxis in Ägypten führte, seit Monaten die Werbetrommel im Internet. Ab und zu scheint die Sucht nach Schlagzeilen so groß, dass er Telefonanrufe wagt – wohl wissend, dass diese Plaudereien abgehört werden und helfen können, ihn zu finden. Das Spendengeld, das einst so reichlich an Al Qaida floss, versiegt mehr und mehr.

Die Anschläge haben die Welt verändert

Die meisten der rund 2000 Mitstreiter, die sich mit Zawahiri in Pakistans Bergen und in Afghanistan verstecken, haben längst Familien gegründet. Experten in Afghanistan glauben, dass viele von ihnen heute im Hintergrund der von Mullah Omar, dem Führer der Gläubigen, befehligten afghanischen Talibanmiliz agieren.

Es ist einsam um Zawahiri geworden.  Seine Untergrundkarriere hat er einst bei der ägyptischen Muslimbruderschaft gestartet, bevor er sich Al Qaida, der „Basis“, anschloss.

Am 11. September 2001, heute vor 13 Jahren, haben die Anschläge auf New York und Washington die Welt verändert. Und Al Qaida war eine Macht. Das Konzept, regionale, weitgehend selbstständige Ableger zu vernetzen, ging auf. In Somalia ist Al Shabaab aktiv. In Nigeria macht Boko Haram Schlagzeilen. Selbst der „Islamische Staat“ im Nahen Osten gehörte zum Al-Qaida-Verbund, bevor Zawahiri sich vor einigen Monaten endgültig von den fanatischen Kämpfern distanzierte. Angeblich lehnte die Al-Qaida-Führung die übermäßige Gewalt ab, mit der die IS-Kämpfer gegen Andersgläubige und vor allem auch gegen andere Muslime vorgehen. Die extreme Brutalität könne dem Image der Terrorgruppe schaden, hieß es bereits 2011 in einem Papier.

Offenbar ist es genau jene ungeheure Gewalt aber, die auf junge Kämpfer zurzeit weltweit anziehend wirkt. Heute droht die größte Gefahr für den Bestand der ausgebluteten Al Qaida nicht mehr von Spezialtruppen westlicher Armeen, sondern von den eigenen Gesinnungsgenossen. Sie wenden sich ab von Zawahiri und seinen Leuten, besonders im asiatisch-pazifischen Raum, in dem 62 Prozent der weltweit knapp zwei Milliarden Moslems leben. Drastisch gesagt: Al Qaida geht der Nachwuchs aus. Das ist paradoxerweise keine gute Nachricht. 

„Der Islamische Staat beflügelt die Fantasie junger Extremisten“, sagt Sidney Jones vom „Institute for Policy Analysis of Conflict“ in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. „Sie glauben, der Kampf in Sham, in Großsyrien, ist die letzte, entscheidende Schlacht um die Kontrolle der Welt vor dem Ende der Welt.“

IS bietet mit dem Führer Abu Bakr al-Baghdadi, den makabren Videos von öffentlichen Hinrichtungen und dem religiösen Puritanismus kriegshungriger Extremisten Inspiration. Der gealterte Zawahiri und der ikonenhafte Osama bin Laden wirken dagegen ziemlich verstaubt. Der 63-jährige Al-Qaida-Boss klang fast wehleidig, als er vor ein paar Tagen die Gründung einer neuen Terrorzelle in Indien und Pakistan verkündete: „Wir müssen die Lehren von Scheich Osama bin Laden bewahren.“
Wofür? IS ist auch nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden heute  die „personell, finanziell und militärisch stärkste Terrorrganisation weltweit“.

Selbst Überzeugungstäter wie der 76-jährige Terrorist Abu Bakar Bashir verabschieden sich ungerührt von Al Qaida. Aus seiner Zelle im Pasir-Putith -Gefängnis, dem indonesischen Alcatraz auf der Insel Nusakambangam, erklärte der freundlich lächelnde ältere Herr mit grauem Kinnbärtchen vor einer schwarzen Fahne: „Wir unterstützen nun den Kampf des Islamischen Staats.“

IS streckt Fühler nach Indien aus

Im Jahr 2002 spielte Bashir noch den spirituellen Führer des südostasiatischen Qaida-Ablegers Jemaah Islamiyah, dem auf der Ferieninsel Bali bei einem Blutbad mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen – darunter viele ausländische Touristen. Nun ist er für den „Islamischen Staat“ aktiv. Absolventen von Bashirs Koranschule in der Stadt Solo gehörten zu den ersten Asiaten, die beim „Heiligen Krieg im Nahen Osten“ starben.

100 Indonesier, glaubt die Extremismusexpertin Sidney Jones, fanden schon  den Weg nach Irak und Syrien. 100 Fanatiker machten sich auch aus Malaysia auf den Weg. Auf den Philippinen schlossen sich dem IS die „Bangsamoro Islamic Freedom Fighters“ an, die einen Friedensvertrag anderer sogenannter Befreiungsorganisationen mit Manila auf der Insel Mindanao ablehnen.

Indien verstärkte nach Zawahiris Ausrufung des Qaida-Ablegers Qaedat al-Jihad für Südasien die Sicherheitsmaßnahmen. „Wir kennen Asim Umar, den Chef der Zelle, schon lange“, heißt es in Delhis Anti-Terror-Kreisen. „Er versucht seit Jahren, indische Dschihadisten anzuwerben.“ Indiens 150 Millionen Muslime galten Extremisten lange als begehrenswerte, aber nicht zu mobilisierende Mitkämpfer.

Und doch hat IS auf dem Subkontinent Fakten geschaffen – lange bevor die Al-Qaida-Terrortruppe jetzt Propagandavideos in lokalen Sprachen verbreitete und den Norden des Subkontinents als ihr Einflussgebiet beanspruchte. Der 22-jährige Arif Majeed zum Beispiel, Sohn eines Arztes und angehender Ingenieur aus der Nähe der Finanzmetropole Mumbai, hat bereits seinen Abschiedsbrief hinterlassen. „Ich habe mich auf die gesegnete Reise gemacht“, so der letzte Gruß an seine erschütterte Familie in dem Ort Kalyan, „weil ich nicht mehr in diesem Land der Sünde leben möchte.“ Der junge Mann gehört zu der Gruppe von insgesamt 18 jungen Indern, die in den Krieg im Nahen Osten gezogen sind. Er starb wenige Tage nach seiner Ankunft im Kugelhagel.

Den Märtyrertod in Syrien und im Irak suchen offenbar auch Talibankämpfer in der Qaida-Wahlheimat Pakistan. Jedenfalls schockierten Extremisten die an Terror gewöhnten Bewohner der Stadt Peshawar, als sie kürzlich Flugblätter vom „Islamischen Staat“ verteilten. Ob sie in den Nahen Osten ziehen wollen, um dort in Syrien oder im Irak mitzukämpfen, ist unklar. Manche Experten fürchten, dass die afghanischen IS-Kämpfer gar nicht reisen wollen. Demnach könnte Al Qaida nach dem Abzug westlicher Kampftruppen vom Hindukusch durch eine bislang noch nicht bestehende Terrortruppe „IS-Hindukusch“ verdrängt werden, die das Zepter im Kampf um Kabul übernehmen könnte. Für Terrorbekämpfer ist das eine Horrorvorstellung. „Bei Al Qaida“, stöhnt ein Militär, „wissen wir wenigstens, wie sie ticken.“

Von Willi Germund

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