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18:09 18.07.2010
Ole von Beust Quelle: dpa

Beinahe hätte Ole von Beust den Rekord geschafft. Er hätte seine normale Amtszeit nicht mal bis zur nächsten Wahl Anfang 2012 vollenden müssen. Es hätte gereicht, wenn er bis Dezember 2011 geblieben wäre. Dann hätte sich der 55-Jährige der am längsten regierende Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg nennen dürfen - noch vor dem sozialdemokratischen Urgestein Max Brauer. So jedoch bleibt es mit seinem Rückzug zum 25. August 2010 bei einer knapp neunjährigen Amtszeit - was für einen CDU-Politiker in Hamburg immer noch ziemlich lang ist, wenn man bedenkt, dass die Hansestadt mehr als vier Jahrzehnte von der SPD meist allein regiert worden ist.

Ole von Beust, seit dem 31. Oktober 2001 Regierungschef, fing schon früh an mit der Politik - zum Leidwesen der Verwandtschaft. Der Vater etwa bescheinigt „Ole“, als dieser gerade mal 16-jährig stolz wie Bolle mit dem CDU-Parteibuch nach Hause kommt: „Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank. Mach erst mal Abitur.“ Genützt hat des Vaters Mahnung vor der Politik nichts. Im Gegenteil: Im Alter von 53 Jahren gelingt es Beust als erstem Regierungschef in Deutschland, auf Landesebene eine schwarz-grüne Koalition zu schmieden.

„Ich war schon immer viel mehr Christdemokrat als Konservativer“, sagt Beust über sich. An erster Stelle stünden für ihn Freiheit und Eigenverantwortung. Außerdem sei es in der heutigen Zeit unabdingbar, die „argumentativen Schützengräben“ der Vergangenheit zu verlassen. Dies bewies er sowohl bei der Wahl des grünen Koalitionspartners als auch zuletzt bei der Schulreform. In beiden Fällen wandte er sich gegen die eigene Partei, indem er erst die „grünen Schmuddelkinder“ von einst in die Regierung holte und dann auch noch ihre Ideen vom längeren gemeinsamen Lernen zumindest zum Teil übernahm.

Beust hat eine steile Karriere hingelegt. Mit 23 Jahren wurde er jüngster Abgeordneter der Bürgerschaft, mit 38 Fraktionschef, mit 46 erstmals Bürgermeister. „Ich habe die Hamburger CDU bald länger geprägt, als Helmut Kohl die Union auf Bundesebene“, stellte er einmal fest. Im politischen Alltag machte er dennoch nie viele Worte, überließ es meist seinen Senatoren, in der Bürgerschaft Attacken der Opposition zu parieren. Beust gab sich lieber freundlich präsidial. Nicht nur deshalb ist er sowohl in der CDU als auch bei den Bürgern sehr beliebt. Selbst politische Gegner mögen seine hanseatische Art.

Dabei kann der als „Sonnyboy“ betitelte blonde Hamburger durchaus ruppig werden. So feuerte er 2003 ohne große Vorrede seinen schwierigen Innensenator Ronald Schill und ließ die Mitte-Rechts- Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP platzen. Er fühlte sich von Schill erpresst, der ihn quasi gezwungen hatte, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen, die er als „Privatsache“ behandelt wissen wollte. Das Ende der Koalition, die Beust mit den Worten „und jetzt ist finito“ abschloss, brachten ihm bei den Hamburgern ungeahnte Sympathien ein. Sie dankten es ihm bei der Bürgerschaftswahl 2004 mit der absoluten Mehrheit für seine CDU.

Beust ist durch und durch Landespolitiker. Bundespolitische Ereignisse bleiben von ihm in der Regel unkommentiert. Nur nach den gegenseitigen „Gurkentruppen“- und „Wildsau“-Beschimpfungen in der schwarz-gelben Koalition in Berlin platzte ihm dann doch einmal der Kragen. In der Politik müsse man „auch mal auf den Tisch hauen“, sagte er in Richtung Kanzlerin Angela Merkel. „Wenn ein Minister illoyal ist, wäre es klug, ihn rauszuschmeißen. Dann muss die Kanzlerin sagen: „Ich bin der Kapitän an Bord. Ich habe jetzt dreimal gemahnt, nun fliegst du raus.““

dpa

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