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16:40 20.11.2017
Das griechische Parlament in Athen Quelle: dpa
Athen

„Das demokratische Lager fasst wieder Hoffnung“: Mit dieser Titelschlagzeile vermeldete Griechenlands größte Zeitung „Ta Nea“ am Montag die Wahl von Fofi Gennimata zur Vorsitzenden der neuen Partei der linken Mitte. Sie will sich als dritte politische Kraft zwischen dem regierenden Linksbündnis Syriza und der konservativen Nea Dimokratia (ND) aufstellen.

Noch hat die im Entstehen begriffene Gruppierung keinen Namen und kein Programm, aber jetzt hat sie wenigstens eine Vorsitzende. Die 53-jährige Gennimata konnte sich in der Stichwahl am Sonntag, an der rund 156 000 Bürger teilnahmen, mit 57 Prozent gegen ihren Konkurrenten Nikos Androulakis durchsetzen. Beide kommen aus der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok). Schon das zeigt: Die neue Partei steht in der Tradition der Pasok, die in den 1980er und 90er Jahren Griechenlands dominierende politische Kraft war. Gennimata ist eine Tochter des 1994 verstorbenen Pasok-Urgesteins Giorgos Gennimatas. Er gehörte 1974 mit Andreas Papandreou zu den Gründern der Partei.

2015 stürzte die Pasok ab

Die Latte für seine Tochter liegt also hoch. 2009 erzielte die Pasok unter Giorgos Papandreou, einem Sohn des Gründers, mit 44 Prozent einen ihrer größten Wahlsiege. Bittere Ironie: Ausgerechnet unter Papandreou Junior stürzte die Pasok von einer Volks- zur Splitterpartei ab. Bei der Wahl vom Januar 2015 kam sie gerade mal auf 4,7 Prozent. Das war die Quittung der Wähler für den Sparkurs, den Papandreou auf Geheiß der internationalen Kreditgeber steuern musste. In Scharen liefen die Pasok-Wähler damals zu Alexis Tsipras und dessen Syriza über.

Die Enttäuschung über Tsipras könnte der neuen Partei helfen

Die noch namenlose Mitte-Links-Partei will versuchen, möglichst viele dieser abtrünnigen Wähler zu heimzuhohlen. Das erscheint nicht ganz aussichtslos, denn viele Griechen sind von Tsipras enttäuscht. Einen wirklichen Neubeginn verkörpert Gennimata aber nicht. Dazu ist sie zu sehr eine Repräsentantin der „alten“ Pasok. Das zeigt auch ein genauerer Blick auf die Urwahl. Von den Wählern, die sich an der ersten Abstimmungsrunde beteiligten, gehörten nur elf Prozent zur Altersgruppe der 17- bis 34-Jährigen; dagegen kamen 25 Prozent der Stimmen von 55- 64-Jährigen, und 37 Prozent der Wähler waren älter als 65 Jahre. Bei den jüngeren Griechinnen und Griechen findet die neue Gruppierung also sehr wenig Resonanz.

Leicht wird es für die neue Pasok unter Fofi Gennimata nicht

Überdies läuft die neue Partei Gefahr, zwischen Syriza und ND zerrieben zu werden, denn beide Parteien öffnen sich zur politischen Mitte. Tsipras mutiert vom Rebell zum Reformer und steuert sein Linksbündnis in Richtung Sozialdemokratie. Gleichzeitig versucht ND-Chef Mitsotakis, das liberale Profil seiner Partei zu schärfen. Hoffnungen, an die Erfolge der Pasok in den 80er Jahren anzuknüpfen, kann sich die neue Partei nicht machen. Eine aktuelle Meinungsumfrage sieht sie bei etwa 14 Prozent. Zum Regieren reicht das nicht, aber vielleicht zum Mitregieren: Die Mitte-Links-Partei könnte nach der nächsten Wahl eine Rolle als Koalitionspartner spielen. Umfragen lassen einen Sieg der konservativen ND erwarten. Dass es für Mitsotakis zu einer absoluten Mehrheit reicht, ist aber unwahrscheinlich. Sicher kein Zufall: Der ND-Chef war einer der ersten, der Fofi Gennimata am Sonntagabend per Twitter zur Wahl gratulierte. Er hoffe mit Gennimata auf „eine aufrichtige Verständigung über die wichtigen Fragen des Landes“, twitterte Mitsotakis.

Von Gerd Höhler/RND

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