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Politik Gauck soll neuer Bundespräsident werden
Mehr Welt Politik Gauck soll neuer Bundespräsident werden
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09:15 20.02.2012
Von Klaus Wallbaum
Nach anfänglicher Ablehnung steht nun auch die Union hinter Gauck. Quelle: dpa
Berlin

Der Rostocker Theologe und frühere Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, dürfte der elfte deutsche Bundespräsident werden. Darauf haben sich die Spitzenpolitiker von CDU/CSU und FDP auf der einen, SPD und Grünen auf der anderen Seite am Sonntagabend verständigt.

Bis zum Abend hatte es in der Union noch Vorbehalte gegen den 72-Jährigen gegeben, der 2010 als rot-grüner Bewerber für das höchste Staatsamt angetreten war, aber in der Bundesversammlung gegen Christian Wulff unterlag.

Den ganzen Sonntag über hatten die Führungsgremien der Bundestagsparteien über die Nachfolge von Wulff beraten. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte zunächst erklärt, „selbstverständlich“ bleibe Gauck auch jetzt der Bewerber von Rot-Grün, man wolle ihn aber nicht um jeden Preis durchsetzen.

Am späten Nachmittag hatte dann die FDP-Führung signalisiert, sie befürworte den von SPD und Grünen aufgestellten Gauck. Auf keinen Fall wolle sie andere Bewerber akzeptieren, die zunächst aus der Union genannt worden waren, aber für schwarz-grüne Gedankenspiele geeignet erschienen – etwa den früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer oder die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Als durchsickerte, dass die Christdemokraten dem Vorschlag Gauck vermutlich keine ungeteilte Zustimmung entgegenbringen würden, war schon von einer drohenden Koalitionskrise die Rede.

Bevor dann ein Gespräch der Koalition mit der rot-grünen Opposition am späten Abend begann, gab die Union ihre Vorbehalte auf. In einer Telefonschaltkonferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel der CDU-Führung mitgeteilt, dass es auf Gauck hinauslaufe. Das Führungsgremium der Union segnete diese Linie ab. Die FDP-Spitze lehnte in einer Schaltkonferenz ihrerseits sowohl Töpfer, als auch den früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, ab.

Kurz vor 22 Uhr erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel, dies sei „ein großartiger Tag für Deutschland“. Gauck sei ein „kantiger Mann“, der auch „Kontroversen auslösen“ könne. Dies sei aber durchaus gewollt. Gauck war am Sonntag zunächst zu einem Vortrag in Wien unterwegs, wurde dann aber am Abend nach Berlin geflogen, wo er mit den Parteiführern zusammentraf. Auf Journalistenfragen am Flughafen sagte er, das Wichtigste sei, den Bürgern zu vermitteln, „dass sie in einem guten Land leben, dass sie lieben können“.

Die Bundesrepublik gebe ihnen die wunderbare Möglichkeit, in Freiheit zu leben. Die Menschen müssten wieder Vertrauen gewinnen, dass sie Kräfte hätten, die sie sich manchmal nicht mehr zutrauten. Er könne „in der Verwirrung meiner Gefühle keine Grundsatzrede“ halten, sagte Gauck. Der Präsidentschaftskandidat bat, in seinem künftigen Amt „die ersten Fehler gütig zu verzeihen und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann bin“. Man könne auch gute Dinge tun, wenn man nicht von Engeln, sondern von Menschen umgeben.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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