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Deutschland / Welt Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA
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19:41 18.04.2011
Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Quelle: dpa (Archiv)

Warnschuss für die hochverschuldeten USA: Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten infrage gestellt. Sie werde deren Bonität zwar weiter mit der Bestnote „AAA“ bewerten, teilte S&P am Montag mit. Allerdings senke sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung von „stabil“ auf „negativ“. Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - laut Mitteilung mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent. Weltweit brachen die Aktienkurse ein, der Goldpreis stieg deutlich - dafür sanken die Ölpreise.

Grund für die Beurteilung seien die im Vergleich zu anderen mit „AAA“ bewerteten Ländern „sehr hohen“ Haushaltsdefizite, teilte S&P mit. Außerdem sei unklar, wie die steigende Staatsverschuldung abgebaut werden solle.

„Wir glauben, es gibt ein grundlegendes Risiko, dass die US-Politiker keine Einigung darüber erzielen werden, wie sie die mittel- und langfristigen finanziellen Herausforderungen bis 2013 angehen sollen“, heißt es in der Analyse. Dies lasse die USA „wesentlich schwächer“ dastehen als andere „AAA“-Länder.

„Das könnte der Auftakt sein für eine „Schuldenkrise USA“, in jedem Fall ist es aber ein deutlicher Warnschuss“, sagte ein Börsenhändler der Agentur dpa-AFX. Dass eine US-Ratingagentur den Ausblick der Vereinigten Staaten derart kritisch einstufe, sei bemerkenswert.

Ein schlechteres Rating kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Die US-Börsen reagierten zunächst mit herben Kursverlusten zwischen 1,6 und knapp 2,1 Prozent. Auch an den Deutschen Aktienmärkten weiteten sich die Verluste nach Bekanntwerden der S&P-Analyse aus: Der Dax rutschte tief ins Minus und verlor 2,11 Prozent auf 7026,85 Punkte. Dies war der größte Tagesverlust seit dem 15. März, als er wegen der Atomkatastrophe in Japan mehr als drei Prozent verloren hatte. Auch der EuroStoxx 50 gab um 2,44 Prozent auf 2847,96 Punkte nach. Die Leitindizes in Paris und London schlossen gleichfalls im Minus.

Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA trieben den Goldpreis fast auf die Marke von 1500 Dollar. Nach Einschätzung von Händlern löste die Beurteilung eine erneute Flucht in das als sicher geltende Edelmetall aus. Die Feinunze Gold (rund 31 Gramm) kostete am Montag in der Spitze bis zu 1497,20 Dollar. Für die Ölpreise ging es derweil kräftig abwärts - ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni kostete am frühen Abend 121,12 Dollar und damit rund zwei Dollar weniger als im frühen Handel. Für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai mussten Anleger zuletzt 106,76 Dollar bezahlen, ebenfalls deutlich weniger als am Morgen.

Die vergangenen Wochen waren in der US-Politik von einer erbitterten Etatschlacht zwischen den Demokraten von US-Präsident Barack Obama und den Republikanern geprägt. Die Opposition will tiefe Einschnitte vor allem im Sozialwesen durchsetzen, um die Zunahme der Staatsverschuldung zu bremsen. In den kommenden zehn Jahren sollen die Defizite um 5,8 Billionen Dollar (4 Billionen Euro) sinken. Obama wandte sich entschieden gegen die Sparpläne der Konservativen und beharrt auf seinen Plan, der Kürzungen von 4 Billionen vorsieht.

Allein im laufenden Haushaltsjahr häufen die USA bis zu 1,65 Billionen Dollar neue Schulden an, rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Gesamtverschuldung beträgt derzeit mehr als 14,2 Billionen Dollar. Das ist an der Wirtschaftsleistung gemessen das dickste Minus in der Staatskasse der größten Volkswirtschaft seit fünf Jahrzehnten.

Bis spätestens Juli muss der Kongress die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Allerdings ist die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Kongress wegen des Parteienstreits noch nicht in trockenen Tüchern.

US-Finanzminister Timothy Geithner warnte deswegen bereits vor „katastrophalen ökonomischen Konsequenzen, die über Jahrzehnte zu spüren wären“. Am Sonntag sagte er jedoch in mehreren Interviews im US-Fernsehen, die Republikaner hätten in einem Gespräch mit Obama im Weißen Haus bereits der Erhöhung der Schuldengrenze zugestimmt. Der führende Budgetpolitiker der Opposition im Kongress, Paul Ryan, widersprach Geithners Darstellung allerdings.

dpa

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