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22:00 15.09.2017
US-Präsident Donald Trump. Quelle: dpa
Washington

Dass der Quereinsteiger kurz vor dem Wochenende auf Twitter kräftig die Backen aufbläst und den harten Hund gibt, der sich am liebsten über die ungeschriebenen Gesetze des politischen Betriebs hinweggesetzen will, kommt nicht von ungefähr. Die Kurznachrichtenplattform ist der bevorzugte Kanal, über den Trump mit seiner Anhängerschaft kommuniziert – und gerade bei denen gibt es einige Irritationen.

Der vermeintliche Rebell, der mit seinem Anti-Kurs im vergangenen Jahr so viele Amerikaner ansprach, die von Washington enttäuscht waren, versucht sich in einer neuen Rolle: als Regierungschef, der endlich seinen Job macht. Zur Überraschung von Freund und Feind zeigt der Chef des Weißen Hauses keine Berührungsängste mit der Opposition, um im Haushaltsstreit eine Lösung zu erzwingen.

Was von diesen präsidialen Ambitionen zu halten ist, bleibt abzuwarten

Trotz aller parteiinterner Proteste einigte er sich in der vergangenen Woche mit Fraktionschef Chuck Schumer auf eine neue Schuldenobergrenze, um nach den verheerenden Hurrikans handlungsfähig zu bleiben. Und in dieser Woche legt Trump nach und bringt in bester demokratischer Tradition gleich drei Mal in 24 Stunden führende Demokraten und Republikaner an einem Tisch zusammen, um in entspannter Runde und jenseits der Scheinwerfer über die Reform der Einwanderungsgesetze zu verhandeln. Ein unterschriftsreifes Papier mag noch in weiter Ferne liegen. Aber der Mann, der sich selbst so gern als „Dealmaker“ beschreibt, ringt um ein Ergebnis - und sei es auch noch so klein.

Tatsächlich flaut die Empörung über den unorthodoxen 71-Jährigen in diesen Tagen in Washington ab, da er sich allem Anschein nach zumindest um ein vernünftiges Krisenmanagement in den Katastrophengebieten von Florida, Louisiana und Texas bemüht. Dem „Commander in Chief“ kommt eine ungewöhnliche Konstellation zugute: Die früheren Offiziere, die in hoher Zahl zurzeit auf Regierungsebene tätig sind, erscheinen angesichts der logistischen Herausforderungen als passende Besetzung, um den Notleidenden nach den Hurrikans schnell und unbürokratisch zu helfen.

Was von diesen erstmals präsidialen Ambitionen zu halten ist, bleibt abzuwarten. Schon am Dienstag steht Trump in der Pflicht, sich nicht nur um regionale Angelegenheiten zu kümmern, sondern seiner Aufgabe auf einer ganz anderen, höheren Ebene gerecht zu werden: Als Repräsentant der freien Welt hat er in New York den Staats- und Regierungschefs seine Vorstellungen zu erklären, wie die Vereinten Nationen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts reformiert werden könnten. Wenn der US-Präsident ans Rednerpult tritt und in der „General Assembly Hall“ in die erwartungsvollen Gesichter blickt, ahnt er vielleicht, wie klein und ängstlich sein Credo „America First“ im Angesicht der Völkergemeinschaft erscheint.

Von Stefan Koch

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