Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt Wulff blickt nach vorn
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt Wulff blickt nach vorn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:30 01.07.2010
Bundespräsident Wulff: „Ich musste mich immer erst im Amt beweisen.“ Quelle: dpa

„Ich musste mich immer erst im Amt beweisen“, sagte Wulff am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Was nun?“. „Ich hatte nie so wahnsinnig viele Vorschusslorbeeren.“

Das Wahlprozedere müsse man „positiv verstehen“, sagte Wulff weiter. Die Wahl in der Bundesversammlung sei nun mal eine freie und geheime Wahl gewesen und habe in jedem Wahlgang ein etwas anderes Ergebnis erbracht. Am Ende habe er eine absolute Mehrheit erhalten. Niemand könne an der Fairness des Verfahrens zweifeln. „Es war eine Lehrstunde in Demokratie.“

Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident hatte sich erst im dritten Wahlgang gegen den rot-grünen Bewerber Joachim Gauck durchgesetzt. In den ersten beiden Wahlgängen versagten Wulff bis zu 44 Wahlleute aus dem eigenen Lager die Stimme. Wulff begründete am Donnerstag die fehlenden Stimmen damit, dass es diesmal „zwei bürgerliche, zwei konservative Kandidaten“ gegeben habe. Bei Union und FDP seien viele wegen der Lebensleistung des ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers Gauck in „innere Konflikte“ gekommen.

Wulff sagte, es sei müßig, über andere Gründe für die Stimmenverweigerung zu spekulieren, Motivforschung zu betreiben und mit Schuldzuweisungen zu hantieren. Genau dies aber betrieben am Donnerstag Union und FDP. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe verlangte mehr Teamgeist von Union und FDP. Das Mannschaftsspiel müsse besser werden, sagte er dieser Zeitung. Die Union wies Vorwürfe von FDP-Generalsekretär Christian Lindner zurück, die Abweichler seien vorwiegend aus dem CDU/CSU-Lager gekommen.

Zu Streitigkeiten kam es auch zwischen SPD und Grünen auf der einen Seite und der Linkspartei auf der anderen. Die Linke hatten sich geweigert, Gauck im dritten Wahlgang zu unterstützen, obwohl ihre Kandidatin Luc Jochimsen schon nicht mehr angetreten war. Vertreter von SPD und Grünen sagten, die Linkspartei habe das Scheitern Gaucks zu verantworten; sie habe damit eine historische Chance vertan. Die Linken-Spitze konterte, SPD-Chef Sigmar Gabriel sei ein „unberechenbarer Krawallmacher“. Er habe Gauck „verheizt“.

Wulff will auf seinen ersten Auslandsreisen als Bundespräsident nach eigenen Angaben das Europaparlament und die EU-Kommission in Brüssel besuchen sowie nach Frankreich und Polen fahren. Für Oktober ist eine viertägige Reise in die Türkei geplant. Den Integrationsgedanken betonte Wulff, indem er formulierte, er wolle ein Bundespräsident „für alle in Deutschland lebenden Menschen“ sein.

Reinhard Urschel und Michael Grüter

Mehr zum Thema

Schwarz-Gelb sieht offiziell keinen Makel nach der Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten. Doch nach der Marathon-Kür werden die Rufe nach mehr Teamgeist und Führung lauter. SPD, Grüne und Linke streiten derweil über die Folgen ihres Verhaltens bei der Wahl.

01.07.2010

Das Drama in Berlin: Drei Akte und ein kurioses Ende. Neun Stunden und 34 Minuten benötigt die Bundesversammlung für die Präsidentenwahl. Das Protokoll einer Zitterpartie.

30.06.2010

Der Niedersachse Christian Wulff ist am Mittwochabend zum neuen deutschen Staatsoberhaupt gewählt worden – nach einem unerwartet langwierigen und für Schwarz-Gelb streckenweise peinlichen Abstimmungsprozess: Obwohl Union und FDP über eine klare rechnerische Mehrheit in der Bundesversammlung verfügen, verfehlte Wulff in den ersten beiden Wahlgängen die absolute Mehrheit der Stimmen.

01.07.2010

Die Neue Influenza, oder vielmehr Schweinegrippe, ist in Vergessenheit geraten – für die Gesundheitsminister der Länder ist das Kapitel dagegen noch lange nicht beendet. Bei ihrer Konferenz in Hannover forderten sie am Donnerstag die Bundesregierung auf, sich endlich an den Kosten für den Ankauf des Impfstoffes zu beteiligen, der nie zum Einsatz kam.

Gabi Stief 01.07.2010

Das finnische Parlament in Helsinki hat am Donnerstag für das auch innerhalb der Regierungskoalition umstrittene Bauprojekt gestimmt: Damit ist der Weg zum Bau zweier neuer Atomreaktoren in Finnland frei.

01.07.2010

Nach heftiger Kritik über seinen Hitler-Stalin-Vergleich hat sich der Linke-Politiker Dieter Dehm beim neuen Bundespräsidenten Christian Wulff und dem unterlegenen Kandidaten Joachim Gauck entschuldigt.

01.07.2010