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Deutschland / Welt Verbrechen gegen LGBT-Menschen angestiegen
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11:43 27.11.2017
Vor der russischen Botschaft in Berlin wird eine Regenbogenfahne geschwenkt. Quelle: dpa
St. Petersburg

Bei 200 der rund 250 untersuchten Verbrechen handelt es sich laut dem Zentrum für Unabhängige Soziologische Forschung in St. Petersburg um Mordfälle. Wie Experten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters berichten, sei die Zunahme vor allem dem Verbot der «Homosexuellenpropaganda» zuzuschreiben, das 2013 in Kraft getreten ist.

Die Zahl der Verurteilungen für Verbrechen gegen LGBT-Menschen sei von 18 in 2010 auf 65 in 2015 gestiegen, sagten die Experten und verwiesen auf die Gerichtsakten des russischen Rechtsinformationssystems RosPravosudie. Eine Mehrheit der Opfer seien schwule Männer.

«Die Täterschaft ist aggressiver und weniger ängstlich geworden», sagte Swetlana Sacharowa, Vorstandsmitglied des «Russian LGBT Network». Sie habe einen ähnlichen Trend beobachtet. «Es scheint, als unterstütze die Regierung ihr Handeln. Viele Täter sprechen offen über ihre Verbrechen und bezeichnen sie als noble Taten.»

Putin streitet Diskriminierung der LGBT-Gesellschaft ab

Das Verbot der «Homosexuellenpropaganda» wurde vom russischen Parlament im Juni 2013 erlassen und noch im selben Monat von Präsident Wladimir Putin verabschiedet. Personen und Organisationen werden demzufolge strafrechtlich verfolgt, wenn sie Minderjährige mit einer homosexuellen Thematik konfrontieren. Darunter kann beispielsweise das Hissen einer Regenbogenfahne fallen, die Aufklärung über Homosexualität oder ein Kuss zwischen einem gleichgeschlechtlichen Paar, sofern er in der Öffentlichkeit erfolgt.

Die Organisation ILGA, die die 49 Länder Europas jährlich auf ihre Akzeptanz und Rechtslage von LGBT-Menschen untersucht, bewertete Russland mit dem zweitletzten Platz vor Aserbaidschan.

Putin selbst sagte 2015 in einem Interview mit US-amerikanischen Fernsehsender CBS, dass Schwule und Lesben in Russland nicht diskriminiert seien.

Pofalla: „Auch die russische Gesellschaft kann sich verändern.“

Bezüglich des Auftritts der früheren Eurovision-Siegerin Conchita Wurst beim LGBTI-Filmfestival am Samstag in Sankt Petersburg outeten russische Medien die bärtige Sängerin als hetero. In den Fake-News gaben unter anderen die regierungsnahe Nachrichtenagentur „Regnum“ an, Wurst sei in Wirklichkeit mit einer Frau verheiratet und habe zwei Kinder, die in einem kleinen Dorf in der Nähe von Wien lebten. Conchita Wurst, mit bürgerlichem Namen Tom Neuwirth, lebt seit Jahren mit einem Mann zusammen. Seit 2011 tritt Neuwirth in der Öffentlichkeit als Conchita Wurst auf.

Erst in der vergangenen Woche ordnete Ronald Pofalla, Leiter des Petersburger Dialogs, das Thema Homosexualität in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland als wichtigen Punkt ein, mahnte aber zugleich ein, nicht oberlehrerhaft aufzutreten: „Ich glaube, dass Annäherung durch Dialog möglich ist. Wir dürfen nur nicht arrogant sein. Auch bei uns wurden Menschen noch bis Ende der 1960er wegen Homosexualität von Strafen bedroht. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich finde es falsch, was in Russland an offiziellen Meinungen zur Homosexualität vertreten wird. Aber auch die russische Gesellschaft kann und wird sich verändern.“

Von RND/krö

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