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Deutschland / Welt Verbraucher genervt von „Verpackungsflut“
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17:43 22.12.2017
Verbraucherschützer sagen: „Die Verpackungsflut bei Lebensmitteln ist symptomatisch für eine bedenkliche Entwicklung“ Quelle: dpa
Berlin

Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vorliegt, sind sie deutlich umweltbewusster als vielfach angenommen. Fast alle Befragten – 97 Prozent – sind überzeugt, dass Lebensmittel im Handel häufig unnötig viel verpackt sind.

87 Prozent wünschen sich ein größeres Angebot an unverpackten Lebensmitteln. Drei von vier Verbrauchern wollen Obst und Gemüse lieber lose kaufen. Bei Produkten zum sofortigen Verzehr wie etwa Kaffee im To-go-Becher oder fertig zubereiteten Gerichten sprechen sich 63 Prozent der Befragten für weniger Verpackungen oder umweltfreundlichere Alternativen aus.

In Deutschland fällt deutlich mehr Müll an als anderswo. 45 Millionen Tonnen Haushaltsmüll sind es pro Jahr. Die Verbraucherzentrale fordert nun rasche Gegenmaßnahmen. „Die Verpackungsflut bei Lebensmitteln ist symptomatisch für eine bedenkliche Entwicklung. Zwar ist Deutschland spitze beim Recyceln, aber leider auch spitze beim Müllproduzieren“, sagte VZBV-Chef Klaus Müller dem RND. „Hersteller und Händler müssen alles tun, um weniger Verpackungsmüll zu produzieren. Und auch eine bessere Aufklärung von Verbraucherinnen und Verbrauchern kann viel bewirken.“

„Hersteller haben größten Einfluss“

Aus Konsumentensicht haben die Hersteller von Lebensmitteln den größten Einfluss, was eine Verringerung des Verpackungsmülls angeht: 93 Prozent der Verbraucher sind davon jedenfalls überzeugt. 76 Prozent glauben, dass Handel und Geschäfte „eher“ oder „sehr großen“ Einfluss haben. Die Befragten sehen aber auch bei der Politik (73 Prozent) und den Verbrauchern selbst (68 Prozent) Handlungsspielraum.

Doch nach Einschätzung von Experten gibt es für Lebensmittelverpackungen keine ausreichenden Vorgaben. So fordert der Bundesverband der Verbraucherzentralen, dass die Recyclingfähigkeit schon bei der Entwicklung von Produkten und Verpackungen berücksichtigt werden müsse. Verbindliche Mindeststandards sollten regeln, ab wann ein Produkt als übermäßig verpackt gilt.

Verbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) machen bereits seit Längerem Front unter anderem gegen Wegwerfkaffeebecher. Diese würden in Deutschland „milliardenweise“ über die Theken gehen und seien schon nach wenigen Minuten Müll. Seit einiger Zeit gibt es unter anderem in Freiburg, Tübingen und Hamburg Modellversuche mit Mehrwegsystemen, die laut DUH sehr gut angenommen werden.

Die Verbraucherzentralen sollte bei aufwendig verpackten Produkten, auch bei To-go-Kaffee, an der Preisschraube gedreht werden. „Ein erhöhtes Lizenzentgelt für materialintensive Verpackungen ist ein geeignetes Instrument, um ressourcenschonendes Verhalten zu fördern“, sagte Verbandschef Müller. „Verbraucher, die auf vergleichsweise günstigere umweltfreundliche Verpackungen zurückgreifen, würden belohnt.“

Recyclingquote soll bis 2022 auf 63 Prozent steigen

Von 2019 an gilt in Deutschland ein neues Verpackungsgesetz. Damit soll die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen bis zum Jahr 2022 auf 63 Prozent gesteigert werden. Bei der Gestaltung von Verpackungen muss laut Bundesumweltministerium die Recyclingfähigkeit künftig stärker berücksichtigt werden. Die Lizenzentgelte der dualen Systeme, die flächendeckend die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen organisieren, müssen hierzu entsprechende Anreize geben. Je recyclingfähiger eine Verpackung, desto geringer das Entgelt, erläuterte ein Sprecher des Ministeriums. Verbraucher oder andere Akteure zur Vermeidung von Müll zu „zwingen“ sei weder praktikabel noch verhältnismäßig.

Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nimmt insbesondere die großen Supermarktketten in die Pflicht. „Gegen den Verpackungswahnsinn kann vor allem der Einzelhandel etwas tun“, sagte sie. „Obst und Gemüse muss zum Beispiel nicht extra verschweißt werden wie bei der Gurke. Momentan prüft eine große Lebensmittelkette, wie sie auch auf die kleinen durchsichtigen Plastiktütchen verzichten kann.“ Das seien „richtige Schritte“, sagte Hendricks. Nach Erkenntnissen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung wurden 2015 von den in Deutschland in Verkehr gebrachten Verpackungen rund 78 Prozent recycelt, bei Kunststoffverpackungen 49 Prozent.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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