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Deutschland / Welt Unheil im Advent
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08:35 20.12.2016
Blumen am Breitscheidplatz gedenken der Terroropfer von Berlin. Quelle: Julian Stähle
Hannover

Die Deutschen haben sich in diesem Jahr besonders gefreut auf Weihnachten. Mehr denn je, das zeigen Umfragen, wollten sie diesmal für Geschenke ausgeben. Zugleich registrierten Spendensammler in diesen Tagen eine unerwartete Großzügigkeit.

Fast scheint es, als habe mancher etwas geahnt vom Unheil, das in der Luft liegt. War dies der Versuch, es sich und anderen noch mal richtig schön zu machen zu Weihnachten, diesem Fest der Liebe, diesem Fest des Zusammenrückens?

Die Wahrheit ist: Weihnachten 2016 wird nun anders sein als die Weihnachtsfeste zuvor. Selbstverständlichkeiten werden jetzt zum Sicherheitsthema, uralte Traditionen werfen jetzt neue Fragen auf. Ausgerechnet das Zusammenrücken, das ist das Bedrückende, erscheint jetzt riskant: Wer einen Weihnachtsmarkt besucht, wer in der Innenstadt Geschenke kauft, wer zu einem Gottesdienst geht, begibt sich in eine angreifbare Zone.

Was trieb den Täter zu dieser Tat?

Noch weiß niemand, was in Berlin die Täter trieb. Wollten sie, wie viele Attentäter vor ihnen, „Ungläubige“ bestrafen? Waren es Nachahmer, die sich durch den Anschlag von Nizza motiviert fanden? Wollten Verrückte ein „Zeichen setzen“ für was auch immer? Die deutsche Zivilgesellschaft hat es in der Hand: Sie sollte versuchen, nachdem sie im Laufe dieses Sommers schon diverse andere Prüfungen bestanden hat, etwa beim Amoklauf von München, auch in diesem Fall Besonnenheit zu bewahren – und damit den Effekt des gewollten Schreckens zu minimieren, so gut es geht.

Die Polizei gab den Berlinern einen Tipp: „Bleiben Sie zu Hause und verbreiten Sie keine Gerüchte.“ Wir alle müssen jetzt in der Tat die Nerven bewahren. Dazu gehört, dass man im Rechtsstaat Ermittlungen, Schuldsprüche und Strafen den zuständigen Behörden überlässt.

Die Rechtstreuen müssen einander die Hand reichen

In vielen Teilen der Welt gelingt dies nicht. Wutentbrannt stürmen da viele auf die Straße und versuchen, Dinge zu vergelten, die noch gar nicht aufgeklärt sind. Genau hier liegt ein erhebliches zivilisatorisches Risiko. Würden in modernen multikulturellen Metropolen wie Berlin Menschen beginnen, etwa entlang von religiösen oder ethnischen Trennlinien aufeinander einzuschlagen, hätte der Terror sein Ziel erreicht.

Genau dies muss jetzt verhindert werden. Die Rechtstreuen, egal woher sie kommen, müssen einander die Hand reichen. Gegen das Misstrauen müssen Signale des Miteinanders gesetzt werden. In Paris, wo im November vorigen Jahres sehr viel mehr Tote zu beklagen waren, ist dies gelungen. Die Gewalttaten, das ist wahr, hören nicht auf. Aber vielleicht wächst ja nach und nach auch das Rettende: das Bewusstsein, dass nach Momenten des Entsetzens auf lange Sicht eben doch nur im Zusammenrücken die Zukunft liegt.

Von RND/Matthias Koch

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