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Deutschland / Welt Selbst im Gefängnis frei
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19:07 11.02.2015
Von Stefan Koch
Foto: Wurde vor zwei Jahren in Syrien verschleppt: Die US-Amerikanerin Kayla Mueller. Quelle: dpa
Washington

Mit ihren letzten Zeilen an ihre Eltern dürfte sich die Amerikanerin bei ihren Landsleuten verewigt haben: "Selbst im Gefängnis kann man frei sein." Auf Wunsch der Eltern drucken unzählige US-Medien den handgeschriebenen Brief in diesen Tagen nach - und stoßen damit eine neue Debatte über den Umgang mit den Milizen des selbsternannten "Islamischen Staates" (IS) an. "Ich breche nicht zusammen und ich werde nicht aufgeben, egal wie lange es dauert", schreibt Mueller.  Kraft gebe ihr das tägliche Gebet. "Ich bin dankbar. Ich habe erkannt, dass es in jeder Situation etwas Gutes gibt, manchmal müssen wir nur Ausschau danach halten."

Mueller ist bereits die sechste amerikanische Geisel, die in den Händen der IS-Kämpfer stirbt. Aber ihre Worte hallen nach: "Niemand von uns konnte wissen, dass es so lange dauern wird, aber glaubt mir, dass ich auch von meiner Seite aus und in der Weise, in der es mir möglich ist, kämpfe und ich habe noch eine Menge Kampfbereitschaft in mir. Ich breche nicht zusammen und ich werde nicht aufgeben, wie lange es auch dauern wird."  Kayla Muellers demonstrative Zuversicht rührt viele Amerikaner, mehrere Kirchengemeinden und Schulen kündigen an, sich mit dem Brief intensiv auseinanderzusetzen.

Auch Barack Obama meldet sich zu Wort: "Die Nachricht von ihrem Tod hat mir das Herz gebrochen." Der Präsident versichert, dass seine Regierung eine Menge Hebel in Gang gesetzt hätte, um die Entwicklungshelferin aus den Fängen der Geiselnehmer zu befreien. Wie am Mittwoch in Washington bekannt wurde, soll das Pentagon sogar ein Spezialkommando nach Syrien geschickt haben, um Mueller und ihre Mitgefangenen zu befreien. "Es war ein Operation mit erheblichen Risiko. Vermutlich haben wir sie um ein oder zwei Tage verpasst", sagt Obama. Zugleich verteidigt der Chef des Weißen Hauses den Grundsatz der US-Regierung, bei Geiselnahmen grundsätzlich kein Lösegeld zu zahlen. "Es gehört wohl zu den schwierigsten Aufgaben meines Amtes, den Angehörigen diese Strategie mitzuteilen." Obwohl die Aufständischen offenbar noch zwei weitere Amerikaner in ihrer Gewalt halten, will Washington an diesem Vorsatz weiterhin festhalten.

Wie örtliche Zeitungen aus Muellers Heimatbundesstaat Arizona schreiben, habe sich die junge Frau schon frühzeitig als Helferin engagiert. Als Schülerin soll sie sich an lokalen Umweltschutzprojekten und bei der Betreuung von inhaftierten Frauen beteiligt haben. Als Studentin sei sie nach Indien, Israel und in die Palästinensergebiete gereist, um notleidenden Kindern zu helfen und gegen die anhaltende Gewalt zu protestieren. Um sich auf ihren Einsatz in Aleppo vorzubereiten, ging sie nach Paris zum Französischunterricht - wohlwissend, dass die Sprache der früheren Kolonialmacht noch immer in Teilen der syrischen Bevölkerung verstanden wird. "Kayla widmete ihr gesamtes junges Leben dem Helfen derjenigen, die Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden benötigen", sagen ihre Eltern, Carl und Marsha Mueller. "Sie wusste, worauf sie sich einlässt. Aber sie fühlte sich verpflichtet, den Menschen in ärgster Not zu helfen."

Bereits Ende 2012 reiste Mueller offenbar gemeinsam mit ihrem Freund ins türkisch-syrische Grenzgebiet, um in Flüchtlingscamps erste Hilfe zu leisten. Es folgten mehrere Touren in die umkämpften Regionen Nordsyriens. In Aleppo verlieren sich schließlich ihre Spuren.  

Spekuliert wird zurzeit über die genaue Todesursache. Die IS-Kämpfer hatten zunächst angegeben, dass Mueller bei einem Angriff der jordanischen Luftwaffe auf die Milizenhochburg Al-Rakka ums Leben kam. Dagegen hebt das Pentagon hervor, die Geisel sei bereits vor dem Militäreinsatz umgekommen. Genaue Details nannte das US-Verteidigungsministerium allerdings nicht.

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