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Deutschland / Welt Stuttgart 21-Opfer akzeptieren Entschädigung
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12:41 27.12.2016
Dietrich Wagner (Mitte) leidet noch heute unter den Folgen der Wasserwerfer-Attacke: Der 72-Jährige ist nahezu blind. Quelle: dpa
Stuttgart

Nach jahrelangem Streit nehmen Opfer des Wasserwerfereinsatzes gegen Stuttgart-21-Demonstranten die Entschädigung des Landes Baden-Württemberg an.

Dietrich Wagner, der seit September 2010 nach Druckstößen aus einem Wasserwerfer gegen seinen Kopf nahezu blind ist, sagte am Dienstag in Stuttgart: „Es ist schön, wenn das Ganze mal befriedet und vorbei ist.“ Der 72-Jährige erhält 120.000 Euro. Ein Foto, wie er am „Schwarzen Donnerstag“ gestützt auf Helfer und aus den Augen blutend den Stuttgarter Schlossgarten verlässt, ging um die Welt.

Der selbstständige Sänger und Schlagzeuger Daniel Kartmann hat infolge der Wasserstöße am „Schwarzen Donnerstag“ eine schwere Augenoperation wegen Netzhautablösung hinter sich. Er erhält 14.000 Euro. Es sei ihm nicht um das Geld gegangen, sondern um die Entschuldigung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor einem Jahr, sagte der Familienvater.

Die beiden Männer hatten schwere Verletzungen erlitten, als sie dagegen protestierten, dass auf dem Baufeld für das Bahnprojekt Stuttgart 21 die ersten großen Bäume gefällt werden sollten. Vor rund einem Jahr entschied das Verwaltungsgericht Stuttgart, dass der Polizeieinsatz rechtswidrig war.

„Schwarzer Donnerstag“ von S21

  • Am „Schwarzen Donnerstag“ ist der Konflikt um das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 eskaliert. Polizisten traktierten am 30. September 2010 Demonstranten gegen das Bauvorhaben mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Wasserwerfer schossen auf Menschen.
  • Bei der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens neben dem Hauptbahnhof wurden laut Innenministerium weit mehr als 160 Menschen verletzt, einige schwer. Vor allem das Bild des Rentners Dietrich Wagner mit blutenden Augen ging um die Welt.
  • Der eskalierte Polizeieinsatz führte zu Untersuchungsausschüssen im Landtag und beschäftigte Gerichte.
  • Das Verwaltungsgericht Stuttgart erklärte den Einsatz im November 2015 für rechtswidrig. Beim Protest gegen die Baumrodungen im Schlossgarten habe es sich um eine vom Grundgesetz geschützte Versammlung gehandelt. Die Polizei habe „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) entschuldigte sich darauf bei den Opfern, von denen einige Entschädigungen zugesprochen bekamen.

Von dpa/RND/zys