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Deutschland / Welt Abgang eines Unbequemen
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13:02 12.02.2014
Von Michael B. Berger
Sebastian Edathy hat sein Bundestagsmandat niedergelegt. Quelle: dpa (Archiv)
Schaumburg/Berlin

Er war in Berlin eine Ausnahmeerscheinung, galt jahrelang als „großes Talent“ der SPD. Als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum Terror des NSU erlangte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy auch bundesweit Prominenz. Am Wochenende erklärte er in einer Dreisatzmeldung seinen Rückzug aus dem Bundestag – und lässt seine Parteifreunde rätseln, warum.

„Ich habe mich aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden, mein Bundestagsmandat niederzulegen. Über diese Entscheidung habe ich am Freitag, ­
7. Februar 2014, den Bundestagspräsidenten informiert. Der Mandatsverzicht ist damit wirksam geworden“, teilte der 44-jährige Edathy am Sonnabend mit. Was heißt gesundheitliche Gründe? Selbst Parteifreunden erklärte der im Städtchen Rehburg-Loccum allein lebende Politiker nicht, warum er so urplötzlich von der politischen Bühne Berlins abtritt, auf der er seit 1998 heimisch war. So herrscht Rätselraten. Hat der Politiker einen neuen Job, fragen sich manche. Ist er frustriert, weil bei der Regierungsneubildung alle möglichen Niedersachsen an ihm vorbeizogen, obwohl er doch als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses eine gute Figur gemacht habe? „Das reißt für unseren Wahlkreis eine Riesenlücke“, sagt Grant Hendrik Tonne, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion und im benachbarten Landkreis Nienburg ein enger Mitstreiter des ehemaligen Schaumburger Abgeordneten: „Wir wünschen ihm nur alles erdenklich Gute – sein Rückzug hat uns total überrascht.“

Allerdings hat Edathy bereits auf 
Facebook am 17. Januar eine merkwürdige Mitteilung hinterlassen, einen Ausschnitt aus einem ärztlichen Attest, nach dem er bis zum 28. Februar krankgeschrieben sei. Gründe? Keine wurden genannt. „So ein Bundestagsmandat einfach abzugeben, nachdem man fünfmal den Wahlkreis direkt gewonnen hat, ist gewiss nicht einfach. Ich bedauere das sehr“, sagt der frühere niedersächsische Innenminister Heiner Bartling, langjähriger Vorsitzender der Schaumburger SPD.

In dieser ländlich geprägten Region war der elegante und eloquente Edathy schon äußerlich eine Ausnahmeerscheinung – als Sohn eines indischen protestantischen Pastors und einer Deutschen. Auf Schützenfesten fühlte er sich sichtlich unwohl, bei Trauerversammlungen konnte er schon mal in einem weißen Anzug erscheinen und soll ungehalten gewesen sein, wenn man ihn darauf ansprach. „Er passte eher in die Stadt“, sagt ein Parteifreund. Der hochintelligente Politiker konnte auch mit verletzender Schärfe argumentieren – wie nicht nur die Christdemokraten mitbekamen, denen Edathy im August 2008 in einem Interview bescheinigte, Vorstellungen von „Biologismus und völkischer Ideologie“ zu vertreten. Damals ging es um die Reform des Staatsbürgerschaftsrechtes. Auch Mitgliedern der Facebook-Gemeinde, die Edathy kräftig und auch nach Kräften bediente, bekamen schon mal zu hören, dass sie ihn nervten. „Sie können mich kreuzweise“, beschied er einem nervenden Nachfrager. 
In der SPD herrscht jetzt überwiegend Bedauern über den Abgang. Landesvorsitzender Stephan Weil erklärte gestern knapp: „Sebastian Edathy hat sich als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses in der Aufklärung der NSU-Morde verdient gemacht. Für seinen weiteren Lebensweg wünsche ich ihm alles Gute.“

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