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Deutschland / Welt Schulz schießt sich auf die Kanzlerin ein
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18:27 25.06.2017
Kämpferisch: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will zur Aufholjagd auf die Union ansetzen. Quelle: Foto: imago
Dortmund

Nach fast einer Stunde Redezeit zieht Martin Schulz seine Anzugjacke aus. „Pah“, sagt er und verfällt in jenen Bergarbeitersprech, der seine Aachener Heimatregion mit dem Ruhrgebiet verbindet. „Is dat heiß hier.“

Der Kanzlerkandidat und SPD-Chef hat sich zu diesem Zeitpunkt in Rage geredet. Hat Finanzmärkte, an denen auf Nahrungsmittelpreise spekuliert wird, als „perverses System“ gebrandmarkt. Hat US-Präsident Donald Trump als „irrlichternd“ bezeichnet. Hat die AfD eine „NPD light“ genannt.

Vor allem aber – und das ist neu – hat Schulz sich an Angela Merkel abgearbeitet. Die Kanzlerin ist beim Parteitag der SPD das Hauptziel der Attacken. „Unkonkret und wolkig“ sei Merkels Kritik an US-Präsident Trump, sagt Schulz. Die in einem Bierzelt inszenierte Versöhnung mit CSU-Chef Horst Seehofer nennt er „den Gipfel der Heuchelei“. Und den Versuch der CDU-Chefin, der inhaltlichen Auseinandersetzung im Wahlkampf so weit wie möglich zu entgehen, geißelt Schulz als „Anschlag auf die Demokratie“.

Seine Rede ist nicht elegant, aber kämpferisch

Es ist keine elegante Rede, die der SPD-Chef vor 600 Delegierten und mehr als 5000 Gästen in der Dortmunder Westfalenhalle hält. Sie ist zu lang, hat am Anfang zu wenig Tempo und am Ende zu wenig Emotion. Aber sie ist kämpferisch – und entspricht damit exakt jener Gefühlslage, die viele Genossen zurzeit verbindet.

Kampf statt Kür, das ist die Disziplin der SPD im Wahlsommer 2017. Nach einem abrupt gestoppten Höhenflug. Und drei Wahlniederlagen in Folge. Schon am Vorabend des Parteitages schwört Schulz die Sozialdemokraten bei Bratwurst und Bier auf den Kampf ein. „Lass die anderen glauben, das Ding ist gelaufen“, ruft Schulz. „Wir werden diese Wahl gewinnen.“

Nur nicht aufgeben, selbst wenn die Umfragen noch so schlecht aussehen mögen. Das ist jetzt die Parole der Stunde. Und wenn es einen Sozialdemokraten gibt, der dafür wie kein zweiter steht, ist es Gerhard Schröder. Insofern ist es ein kluger Schachzug der Parteitagsregie, den Altkanzler zu seiner ersten politischen Rede auf einem SPD-Parteitag seit seiner Abwahl zu bitten.

Schröder: „Venceremos – wir werden siegen“

Schröder erinnert an den Sommer 2005. An die Schlagzeilen, die ihm das schlechteste SPD-Ergebnis aller Zeiten vorhersagten. Und an Umfragen, die die Union bei 49 Prozentpunkten sahen und die SPD bei 26. Am Ende fehlte nur ein einziger Prozentpunkt, und Schröder wäre Kanzler geblieben. „Was damals ging, das geht heute auch.“ Auch er appelliert an die Partei, jetzt zusammenzustehen. „Ich konnte mich in jedem Wahlkampf auf meine SPD verlassen“, sagt Schröder. Martin Schulz habe ein Recht darauf, genau so leidenschaftlich unterstützt zu werden wie er. „Auf in den Kampf“, ruft der Altkanzler am Ende. Und dann schiebt er noch den Titel eines politischen Kampfliedes aus Chile hinterher: „Venceremos – wir werden siegen.“

Ob sie ihm glauben? Der Jubel jedenfalls kennt keine Grenzen. Und ein Zeichen der Geschlossenheit sendet die SPD dann auch noch aus. Trotz eines fast 1000-seitigen Antragsbuches mit Änderungswünschen beschließen die Delegierten das Wahlprogramm erstaunlich geräuschlos. Mit 100 Prozent Zustimmung. Aber das kennt Martin Schulz ja schon.

Von Andreas Niesmann

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