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Deutschland / Welt Peers Tränen rühren die Partei
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22:37 16.06.2013
 Peer Steinbrück (SPD) und seine Ehefrau Gertrud. Quelle: dpa
Berliner

Sieht so der Auftakt einer an die Macht strebenden Partei für die entscheidende Wahlkampfphase aus? Der Parteikonvent soll der Startschuss für die große Dingdong-Kampagne der SPD sein, den Haustür-Wahlkampf mit Millionen Klingelbesuchen. Das Treffen, 98 Tage vor der Bundestagswahl, ist als Energiespender und Muntermacher für die Basis gedacht. Soweit die Theorie, die Realität sieht anders aus. Als die Veranstaltung am Mittag im Berliner Tempodrom beginnt, ist der einem Zirkuszelt nachempfundene Saal halbleer. Nur wenige Hände rühren sich, als die von Steinbrück und Gabriel angeführten Parteioberen einmarschieren. Die Delegierten sind entsetzt. Für sie gibt es nur ein Thema. Es sind wenige Sätze von Steinbrück, die der „Spiegel“ am Vorabend aus einem Interview vorab veröffentlicht hatte. Darin mahnt er die Bündelung aller Kräfte an, um dann zu formulieren: „Ich erwarte deshalb, dass sich alle – auch der Parteivorsitzende – in den nächsten 100 Tagen konstruktiv und loyal hinter den Spitzenkandidaten und die Kampagne stellen.“

Starker Tobak. Gabriel hatte am vergangenen Dienstag vor der Fraktion den Wahlkampf als zu müde kritisiert. Auch zu einem Sachthema, der von Steinbrück unterstützten europäischen Bankenunion, machte der Parteichef ein kritische Anmerkung. Die Partei reagierte überwiegend fassungslos auf Steinbrücks dünnhäutigen Interview-Konter. Im Berliner Tempodrom sollte eine milliardenschwere Entlastung für Familien beschlossen werden. Die SPD will damit punkten, im Falle eines Wahlsieges schrittweise Kinderkrippen und Kindergärten gebührenfrei zu stellen. Durchschnittlich 160 Euro im Monat oder 1900 Euro Jahr soll das den Familien bringen. Außerdem soll noch das Kindergeld für geringe erhöht werden.

Doch nach Steinbrücks Interview ist das alles Nebensache. Das Thema ist der offenkundig gewordene Riss an der Spitze. „Der Parteivorsitzende führt die Partei gut, er ist nicht illoyal“, schüttelt etwa Präsidiumsmitglied Ralf Stegner den Kopf. Zur Geschlossenheit im Wahlkampf müsse nur noch die notwendige Entschlossenheit kommen, meint der Schleswig-Holsteiner. Gabriel versucht gleich zu Beginn, die Spannungen kleinzureden und die Situation zu entschärfen. Unter Anspielung darauf, dass im Anschluss eine Talkshow mit dem Ehepaar Steinbrück auf dem Programm steht, Highlight des Konvents, spricht er seine „Ehe mit Peer“ an. In der gehe es „ziemlich lebendig, meistens fröhlich“ zu, beteuert Gabriel. „Es gibt zwischen uns keine Streitereien“, versichert er, nur zu gelegentliche, Wärme erzeugenden Reibungen komme es.

Wie stark Steinbrück unter Druck steht, wie sehr ihm die tristen Umfragezahlen, die Schlagzeilen über Pannen und der aufkommende Frust in der Partei zu schaffen machen, zeigt sich wenig später. Zum ersten Mal seit seiner Kanzlerkandidatur tritt der 66-Jährige mit seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau Gertrud auf. Die menschlichen Seiten des Kandidaten sollen in der Runde ausgeleuchtet werden. Der Auftritt der Gymnasiallehrerin erweist sich als Glücksgriff der Regie. Redegewandt, schlagfertig, selbstbewusst, mit viel Witz und Ironie, die auch ihren Ehemann nicht verschont, schafft es Gertrud Steinbrück, die verkorkste Stimmung aufzuhellen. Es ein lockeres, spritziges Gespräch.

Nach 15 Minuten passiert es. Gertrud Steinbrück skizziert die Belastungen des Wahlkampfes, beklagt die zum Teil unfairen Attacken auf ihren Mann und streicht sein Engagement heraus. „Aber es wird immer nur nach der kleinen Gemeinheit gesucht, die man ihm ans Hemd kleben kann“, ärgert sich die Frau. „Es muss doch mal rüberkommen, dass da sich wirklich jemand reinhängen will.“ Peer Steinbrück versagt für einen Moment die Stimme, er ist beinahe zu Tränen gerührt. Die Delegierten schießen aus ihren Stühlen und überschütten ihn mit Beifall.

Ist der kantige Mister Klartext womöglich gar nicht so hart, wie er scheint. Ist er schon gut drei Monaten vor dem Wahltermin aufgerieben? Steinbrück wischt diesen Eindruck schnell beiseite. „Ich bin preußisch erzogen. Jetzt wird das Ding auch durchgezogen“, sagt seine Frau, als es um ihre Rolle in diesen Monaten geht. Sie dürfte auch für ihren Mann und seine Kandidatur gesprochen haben. „Vielen Dank, Peer, dass wir auch diesen Einblick in Dich und Deine Seele hier haben durften“, beendet Parteichef Gabriel den Konvent.

Von Arnold Petersen

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