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Deutschland / Welt Russen bleiben im Beutekunst-Streit stur
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20:29 22.06.2013
Die Russen sehen sich im Streit um Beutekunst als Sieger. Die Rückgabe-Forderung von Angela Merkel stößt auf deutliche Kritik. Quelle: dpa
St. Petersburg

Mit keiner Silbe erwähnen die russischen Medien, dass Kanzlerin Angela Merkel in St. Petersburg eine Rückgabe der von Sowjetsoldaten gebrachten Beutekunst fordert. Zwar zeigt das Staatsfernsehen, wie die Politikerin durch die neue Bronzezeit-Schau in der weltberühmten Eremitage läuft - vorbei an 600 Kostbarkeiten, auf die Deutschland Anspruch erhebt. Aber die kremltreuen Reporter des Senders „Westi“ erwähnen die Ausstellung lediglich als Beispiel für die gute kulturelle Zusammenarbeit zwischen Berlin und Moskau.

Dass es einen Konflikt in dieser Frage zwischen Putin und Merkel gibt, erwähnen sie nicht. Die Kanzlerin hat gegen die vom Kreml gesteuerte Medienmaschinerie keine Chance; ihr Grußwort mit den Rückgabeforderungen bekommen russische Zuschauer oder Leser ebenso wenig mit wie die Pressekonferenz. Anders als sonst werden die Kommentare des Kremlchefs und der Kanzlerin nicht live übertragen.

So spielt auch der Lärm darum, dass Merkel den Besuch in der Eremitage erst absagte und dann doch wieder zusagte, nur am Rande eine Rolle. Offiziell räumt die russische Seite nur Terminprobleme ein. Dass es Streit um ein Grußwort der Kanzlerin gegeben haben soll, weisen Museumsleute und der Kreml kategorisch zurück. Von einer „Verschwörungstheorie“ spricht der mächtige Kulturfunktionär Michail Schwydkoj.

„Hier wollte uns die deutsche Seite wohl einen Gefallen tun und durch ungeprüfte Behauptungen und reichlich Lärm um die Schau noch zusätzlich Werbung machen für die "Bronzezeit"“, sagte eine Eremitage-Sprecherin. Tatsächlich hielt sich das öffentliche Interesse an der einmaligen Schau, die 3000 Jahre alte Gefäße, Waffen und Schmuck zeigt, zunächst in Grenzen. Auch der berühmte Eberswalder Goldschatz und die Troja-Funde von Heinrich Schliemann sind zu sehen.

Nicht leicht zu finden liegen sie gegenüber dem als Winterpalais bekannten Hauptgebäude der Eremitage im ehemaligen und nun extra renovierten Generalstabsgebäude des Zaren. Kein Plakat weist hier auf das Ereignis hin. Fast gelangweilt verkauft eine ältere Frau das Ticket für 150 Rubel (3,50 Euro).

Jahrzehntelang lagerten die wertvollen Stücke in sowjetischen Depots, bevor Moskau überhaupt den Besitz einräumte und erstmals zeigte. Russland sieht die Schätze als Entschädigung für Kriegsverluste, bezahlt mit dem Blut sowjetischer Soldaten. Die Mitarbeiter der Eremitage berichten von einer gedrückten Stimmung während des Besuchs von Merkel. Die Kanzlerin traf auch die 91-jährige Irina Antonowa, die als Leiterin des Puschkin-Kunstmuseums als unerbittliche „Hüterin der Beutekunst“ gilt.

„Die Kanzlerin sollte sich schämen“, sagt die Besucherin Julia, als sie vom Verlauf der russisch-deutschen Gespräche erfährt. Ausgerechnet in St. Petersburg fordere Merkel die Rückgabe - hier im früheren Leningrad, das die Deutschen vor rund 70 Jahren mit einer Blockade auslöschen wollten. Der Sieg über Hitlerdeutschland gilt für die Russen bis heute als nationales Heiligtum. Deshalb sehen sie sich auch im Streit um Beutekunst als Sieger.

„Frau Merkel weiß scheinbar nicht, dass heute, am 22. Juni, der Angriff von Hitlerdeutschland auf die Sowjetunion 1941 begonnen hat“, sagt Julias Freundin Maria. „Juristisch hat sie vielleicht recht, aber es war unsensibel“, meint die 22-jährige Architekturstudentin.

Der Museumsaufseher Nikolai Zaiko hält es mit Putin in der Beutekunstfrage: Statt zu streiten sollten sich Russen und Deutsche lieber freuen, dass Experten beider Länder in gemeinsamer Arbeit „eine solch schöne Ausstellung“ geschaffen hätten, meint der 57-Jährige.

dpa

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