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Deutschland / Welt Republikaner in Nöten
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21:05 12.10.2016
Donald Trump bei seinem jüngsten Wahlkampfauftritt am Mittwoch vor Viehzüchtern in Ocala, Florida. Quelle: AFP
Washington

Begeistert begleiten die Polizisten von San Antonio den republikanischen Spitzenkandidaten. „Thank you, sir!“, rufen sie ihm zu. Lächelnd tragen sämtliche Uniformierten die rote Kappe mit dem Schriftzug „Make America Great Again“ und freuen sich, dass Donald Trump mit ihnen gemeinsam für Fotos posiert.

Vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl legen offenbar alle Seiten ihre Zurückhaltung ab. Die texanischen Cops nehmen es in Kauf, dass sie am nächsten Arbeitstag von ihrem Chef gerügt werden, da sie sich im Wahlkampf parteiisch verhalten und gegen Dienstvorschriften verstoßen, indem sie ungeniert für einen Kandidaten werben. Aber wer schert sich darum?

Trump entledigt sich sämtlicher Fesseln

Der Frontmann der einst so renommierten „Grand Old Party“ legte es von Beginn an auf Grenzüberschreitungen und Tabubrüche an. Seit dieser Woche will sich Trump allem Anschein nach auch der letzten Fesseln entledigen. Seine eigene Parteiführung lässt er per Kurznachrichtendienst Twitter wissen: Der ranghöchste Republikaner im Repräsentantenhaus sei „schwach und ineffektiv“. Paul Ryan soll sich besser um die hohe Arbeitslosigkeit und die explodierenden Staatsschulden kümmern, als ihn zu bekämpfen.

„Es ist gut, dass mir die Fesseln abgenommen wurden und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will.“ Die etablierte Führung sei treulos: „Sie wissen nicht, wie man siegt – ich werde es ihnen beibringen.“ Die Spaltung in der Führung der Republikaner wird immer offener zur Schau getragen. Nachdem am Wochenende ein Video aus dem Jahr 2005 bekannt wurde, in dem Trump mit sexuellen Zudringlichkeiten gegenüber Frauen prahlte, hatte Ryan den Spitzenkandidaten von einer Veranstaltung ausgeladen. Für den Sprecher des Repräsentantenhauses steht fest: „Unseren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl kann ich nicht länger verteidigen. Ich konzentriere mich in den kommenden vier Wochen auf die Kongresswahl.“

Allerdings gibt es auch ganz andere Stimmen. In einer Telefonkonferenz der Parteiführung mit den konservativen Abgeordneten wurde Ryan am Montagabend vorgeworfen, die Präsidentschaftswahlen vorzeitig abzuschreiben. Und Mike Pence, Trumps Kandidat für das Amt des Vizepräsenten, ruft seine Landsleute mit Inbrunst auf, den Siegeszug dieser Bewegung fortzusetzen.

Die Geister, die sie riefen ...

Wieder einmal zeigt sich, dass die Republikaner die Geister, die sie riefen, nicht bändigen können: In den Umfragen sackt Trump seit Tagen zwar ab, aber die Basis steht mit breiter Mehrheit weiterhin hinter ihrem Kandidaten. Aus Sicht unabhängiger Wahlbeobachter liegt Trumps Problem eher auf einem anderen Feld: Durch den jüngsten Skandal dürften sich viele bisher unentschiedene Wähler von dem New Yorker Geschäftsmann abgestoßen fühlen. Die Erfahrungen aus den zurückliegenden Kampagnen zeigen, dass sich die US-Wahl allein mit der Stammklientel nicht gewinnen lässt. Eine Regel, die nach Einschätzung der Umfrageinstitute für beide großen Parteien gilt.

Trump setzt darauf, dass Hillary noch unbeliebter sei als er

Trump hat erwartungsgemäß auch auf diese Herausforderung eine Antwort: Der Quereinsteiger setzt darauf, dass seine Mitbewerberin Hillary Clinton noch unbeliebter ist als er selbst. In dieser Woche kommt ihm bei diesem Vorhaben Wikileaks zu Hilfe: Die Enthüllungsplattform veröffentlicht zurzeit Tausende E-Mails des demokratischen Wahlkampfmanagers John Podesta, die die Strategien des Spitzenpolitikers offenlegen.

Dass die US-Regierung und US-Geheimdienste russische Hacker hinter diesem Coup vermuten, ficht den Wahlkämpfer nicht an. Die E-Mails zeigten, wie viel auf dem Spiel steht, sagt Trump. Und er fügt mit Blick auf den Wahltag hinzu: „Der 8. November entscheidet darüber, ob wir eine korrupte Bananenrepublik werden, die von Großspendern und ausländischen Regierungen kontrolliert wird.“

Von RND/Stefan Koch

„Pussy fights back“ – unter diesem expressiven Slogan protestierten Frauen in New York vor dem Trump Tower gegen die frauenverachtenden Äußerungen und die Politik des Kandidaten.

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