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Deutschland / Welt Philipp Rösler rückt an die Spitze der FDP
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20:39 05.04.2011
Von Michael B. Berger
Nach vorne geschoben, nicht gedrängelt: Philipp Rösler, designierter Parteichef der FDP. Quelle: dpa

Die Handpuppe „Willi“, mit der er als Bauchredner früher nicht nur Kinder zum Lachen brachte, hat er irgendwann im Schrank gelassen. Eine erfahrene Pressefrau hat ihm dazu geraten. Aber Scherze mit Puppen hat Philipp Rösler, der Bierzelte in Bayern und Narrensitzungen in Hannover zum Kochen bringen kann, immer gerne gemacht. „Angela Merkel gibt es jetzt auch als Barbie-Puppe. Die kostet 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro. Aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge“, hat er vor einem halben Jahr auf dem Gillamoos-Volksfest in Bayern zum Besten gegeben. Damals brachte er noch den feinen Satz, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung in den ersten zehn Monaten ihres Bestehens eigentlich noch gar nichts getan habe: „Das waren genau die zehn Monate, die die Wirtschaft gebraucht hat, um sich zu erholen.“ Da war er noch nicht designierter Vizekanzler und FDP-Bundesvorsitzender.

Philipp Rösler, der für die FDP jetzt einen Liberalismus mit menschlichem Antlitz unters Volk bringen soll, ist ein erfrischend anderer Typ. Er kann ätzend sein – doch nur im Bierzelt oder im Karneval. Gegenüber Parteifreunden, die ihn gefordert und gefördert haben, bleibt der liberale Senkrechtstarter stets loyal. Auch politischen Gegnern fällt es schwer, ihn richtig mies zu finden. „Er ist im privaten Gespräch zuvorkommend, witzig“, sagt Wolfgang Jüttner, der frühere SPD-Oppositionsführer und Landesumweltminister in Hannover: „Aber er kann auch äußerst brutale Reden halten.“

Der Spott, den Rösler bei seiner ersten Rede als blutjunger FDP-Fraktionschef im Landtag über die Generation der Achtundsechziger ausgoss, klingt noch immer in den Ohren. Da hatte er über die „Alt-68Kuschelpädagogik“ und die Mengenlehre gespottet: „Wenn fünf Leute in einem Raum sind und sieben herausgehen, müssen zwei wieder reinkommen, damit der Raum leer ist.“ Sätze wie für „Neues aus der Anstalt“.

Dabei hatte kein Altachtundsechziger den in Vietnam geborenen Adoptivsohn eines Bundeswehroffiziers in die Politik gezogen, sondern der Widerstand gegen einen rechten Lehrer an der hannoverschen Lutherschule. Wruck hieß der, war in der Schule eigentlich beliebt, ging jedoch zu den Republikanern und Rösler daraufhin zu den Jungliberalen. Rasch baute der kommunikationsfreudige junge Mann ein Netzwerk auf, zu dem auch seine spätere Frau Wiebke zählte – Medizinerin wie er, glühende Liberale ohnehin. Er war Chef der Jungliberalen, sie seine Pressesprecherin, wie er gern erzählte. Übrigens auch Taufpatin, denn Rösler ließ sich als Erwachsener taufen und trat der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft bei, die nicht gerade als Peergroup der ziemlich kirchenkritischen FDP gelten kann.

Aber immerhin: Der Wertkonservative mit der frechen Schnauze und dem sympathischen Lächeln fiel auf – nicht nur dem damaligen Landesvorsitzenden Walter Hirche, der den jungen Mann kräftig förderte und ihn zum ehrenamtlichen FDP-Generalsekretär machte, später zum Fraktionschef. Und schließlich auch zum Nachfolger im Amt des Landeswirtschaftsministers. Hier blieb Rösler nur kurz auf Posten, weil er in Guido Westerwelle einen neuen Förderer fand.
Es gehört zu Röslers Karriere, dass er niemanden zur Seite drängen musste – sondern andere ihn immer nach vorne geschoben haben. Weil sie ihn irgendwie lieben. Aber wofür steht er? Ein Bürgerrechtsliberaler wie Gerhart Baum ist er nicht, ein Nationalliberaler schon gar nicht, wohl eher ein Pragmatiker, schnittig-mittig in der FDP. „Er ist durch und durch ein Gesellschaftsliberaler“, sagt Wirtschaftsminister Jörg Bode, Röslers Nachfolger in Hannover: „Einfach menschlich.“ Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Landtag, ist jedenfalls sicher: „Ich glaube, die Art Politik zu machen und darzustellen, wird sich mit ihm ändern.“

Lange hat er gezögert - aber nun will Philipp Rösler die FDP als neuer Chef „mit aller Kraft“ erneuern. Auch als Vizekanzler will er Westerwelle ablösen. Das soll aber nur ein erster Schritt sein, um die FDP wieder glaubwürdig zu machen.

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