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Deutschland / Welt Osnabrücker Bischof bekennt Schuld der katholischen Kirche
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19:18 28.11.2010

Es ist eine Szene der tiefsten Demut des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode am Sonntagabend im Dom: Gut eine Minute liegt er auf dem Boden vor dem Altar, das Gesicht verborgen. Der katholische Oberhirte bittet Gott und die Opfer um Vergebung für das Leid, das aus den Fällen sexuellen Missbrauchs entstanden ist. „Um des Ansehens der Kirche willen wurden Täter geschützt und Opfer ein zweites Mal geopfert“, sagt ein ergriffener Bischof Bode in seinem Schuldbekenntnis. Immer wieder zittert seine Stimme, er kämpft mit den Tränen.

Etwa 600 Gläubige folgen dem Bußgottesdienst. Sie sind gekommen trotz der ungünstigen Uhrzeit am Sonntagabend und trotz der Kälte. Sie lassen auch den Weihnachtsmarkt links liegen, auf dem wenige Meter von der Dompforte entfernt das Leben tobt. Dies zeigt, dass den Menschen das Schuldeingeständnis ihres Bischofs wichtig ist.

Der Osnabrücker Oberhirte spricht von einer „tiefen Krise der Kirche“. „Wir können uns nicht auf den Weg zum Weihnachtsfest machen, ohne all das mitzunehmen, was in den vergangenen Monaten bewusst geworden ist.“ Er spricht von den Schattenseiten seiner Kirche und einer Atmosphäre, die die Verschleierung solcher Taten oft ermöglichte. Immer wieder betont Bode, dass die Kirche sich erneuern müsse.

Allein in seinem Bistum sind 28 Missbrauchs-Fälle bekannt geworden. Die meisten liegen schon Jahrzehnte zurück. Aber dennoch: Für die Opfer sind die Taten nach wie vor präsent und lasten auf ihrem Leben.

Bode ist der erste deutsche Bischof, der in diesem Skandal in einem Bußgottesdienst ein Schuldbekenntnis ablegt. Bode sei damit eine „bemerkens- und lobenswerte“ Ausnahme, sagt Christian Weisner von der kritischen Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“. Die katholische Amtskirche in Deutschland tue sich nach wie vor eher schwer damit, auf den Skandal angemessen zu reagieren. „Es ist etwas passiert, aber man hat den Eindruck, dass bei bestimmten Sachen nur unter äußerstem Druck gehandelt wurde“, sagt er. Da sei der Papst weiter als einige der Bischöfe hierzulande: Benedikt XVI. hatte im Sommer die Missbrauchsopfer öffentlich um Vergebung gebeten.

Weisner räumt ein, dass sich die 27 deutschen Bischöfe im Sommer auf neue Leitlinien zum Umgang mit sexueller Gewalt in der Kirche geeinigt hatten. Aber es habe zuvor auch Bischöfe gegeben, die von einer „Medienkampagne“ gegen die Kirche gesprochen haben. „Man hat etwas gemacht, aber nicht schnell genug gehandelt und es nicht gut genug gemacht“, betont Weisner. Und längst nicht alle Bischöfe sähen eine Mitschuld bei der Institution Kirche.

Ein Zeichen für die Uneinigkeit sieht er in der Verschiebung eines Briefes an die Gemeinden, die die Bischöfe eigentlich Ende November verlesen lassen wollten. Darin wollen sie darlegen, wie sie sich den künftigen Dialogprozess mit den Gläubigen vorstellen. Sie konnten sich aber noch nicht auf eine endgültige Fassung einigen, heißt es aus eingeweihten Kreisen. Der Brief sei auf das kommende Jahr verschoben worden, bestätigt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp.

Für Weisner ist das Signal, das von der Verschiebung dieses „sehnsüchtig erwarteten“ Briefes ausgeht, eindeutig: „Man versucht, das Thema auszusitzen.“ Einige Bischöfe hätten die Vertrauenskrise, in der die Kirche stecke, noch nicht verstanden.

dpa

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