Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt Im Gazakrieg flammen Kämpfe wieder auf
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt Im Gazakrieg flammen Kämpfe wieder auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:13 08.08.2014
Eine 72-stündige Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern ist am Freitagmorgen ausgelaufen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Tel Aviv

Nach Ende einer dreitägigen Waffenruhe zwischen Israel und militanten Palästinensern sind die Kämpfe im Gaza-Krieg neu aufgeflammt. Palästinensische Kommandos feuerten am Freitagmorgen mindestens 18 Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Das israelische Militär nahm daraufhin die Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen wieder auf. Die indirekten Verhandlungen in Kairo, die während der Waffenruhe mit dem Ziel einer dauerhaften Beilegung des Gaza-Konflikts begonnen hatten, sollten nach palästinensischen Angaben am Freitag weitergehen.

Bei der Bevölkerung in Gaza wächst nun die Angst vor einem Neustart des seit einem Monat andauernden, durch die dreitägige Feuerpause eingefrorenen Kriegs. Augenzeugen zufolge flohen Hunderte Palästinenser aus ihren Häusern im Osten der Mittelmeer-Enklave. Die meisten Familien waren während der Feuerpause, die am Freitag um 07.00 Uhr (MESZ) endete, in ihre Wohnviertel zurückgekehrt.

In Kairo verhandeln Israel und militante Palästinenser derzeit indirekt über eine längerfristige Lösung für den Gaza-Konflikt. Die israelische Delegation verließ die ägyptische Hauptstadt am Freitagmorgen, wie ein Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Dem Vernehmen nach wollen sich die Unterhändler mit der Regierung in Israel über die weitere Verhandlungsstrategie abstimmen.

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett forderte im israelischen Rundfunk, die Gespräche zu beenden. Israel dürfe sich nicht erpressen lassen, sagte der Politiker von der Siedlerpartei. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas will die Verhandlungen indes fortsetzen. Ihr Sprecher Samu Abu Suhri sagte, die Gespräche in Kairo würden weitergehen.

Bereits vor Ablauf der Waffenruhe waren nach Angaben des israelischen Militärs zwei Raketen im Süden Israels eingeschlagen. Die Hamas widersprach dieser Darstellung. Israel wolle nur „Verwirrung stiften“, sagte Sprecher Samu Abu Suhri.
Der militärische Flügel der Organisation, die Al-Kassam-Brigaden, hatte bereits am Donnerstagabend mit Angriffen auf Israel gedroht, sollten die Forderungen der Palästinenser nicht erfüllt werden. Dann gehe die Schlacht weiter, sagte Sprecher Abu Obaida im Hamas-eigenen Fernsehsender Al-Aksa.

Die Palästinenser fordern eine Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens. Dabei nennen sie den Bau eines See- und Flughafens in Gaza, eine Aufhebung von Einschränkungen bei der Geldüberweisung und eine Ausweitung der Fangzone für Fischer. Sie wollen auch die Freilassung von Häftlingen. Israel fordert als Bedingung für einen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens eine Entmilitarisierung des schmalen Küstengebiets und eine Entwaffnung der militanten Organisationen. Dies lehnt die Hamas bislang kategorisch ab.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza veröffentlichte am Morgen auf Twitter neue Opferzahlen der vierwöchigen israelischen Militäroffensive. Demnach starben bisland 1893 Menschen, 9805 wurden verletzt. Auf der israelischen Seite kamen nach Angaben der Regierung 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben, mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Gaza-Krieg seit mehr als einem Monat

Der Gaza-Krieg begann nach der Ermordung von Jugendlichen. Am 30. Juni wurden die Leichen von drei entführten jüdischen Religionsschülern gefunden. Die mutmaßlichen Mörder gehören laut Medienberichten einem Hamas-nahen Clan an. Wenige Tage später starb ein 16-jähriger Araber. Gegen drei jüdische Mordverdächtige wurde Anklage erhoben. Die Verbrechen setzten eine Gewaltspirale in Gang:

8./9. Juli: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.
10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.
15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.
17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe startet Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen.
21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.
23. Juli: Viele Airlines stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.
26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.
30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.
31. Juli: UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor. Die Verstöße könnten auf Kriegsverbrechen hinauslaufen, die strafrechtlich zu ahnden seien.
1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.
3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer UN-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.
4. August: Eine von Israel erklärte siebenstündige humanitäre Feuerpause wird überschattet von einem Anschlag in Jerusalem: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt mit seinem Fahrzeug einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.
5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Die Armee hat nach eigenen Angaben 32 Tunnel der Hamas zerstört und 4800 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Die Hamas habe seit dem 8. Juli mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert. Vertreter Israels und der Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.
8. August: Nach Ablauf der Feuerpause feuern militante Palästinenser nach Angaben der israelischen Armee wieder Raketen Richtung Israel. Das Militär reagiert mit Luftschlägen.
Im bisher verlustreichsten Gaza-Krieg wurden nach palästinensischen Angaben rund 1900 Menschen getötet, darunter zwei Drittel Zivilisten, sowie fast 10 000 Menschen verletzt. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

dpa

Deutschland / Welt Putins Sanktionen - Recht und billig

Die deutsche Wirtschaft nimmt Putins Gegensanktionen erstaunlich gelassen – und sieht den größeren Schaden auf russischer Seite.

Helmuth Klausing 08.08.2014

Obama hat lange gezögert. Doch das brutale Vorrücken der IS-Milizen im Irak wird immer bedrohlicher. Jetzt hat der US-Präsident Angriffe der Luftwaffe autorisiert und Hilfsflüge angeordnet.

08.08.2014

Hohe Anforderungen im Job können gut und befriedigend sein - aber der Stress macht immer mehr Menschen krank. Die Gewerkschaften fordern die Regierung zum Handeln auf, die Arbeitgeber verlangen mehr Therapieplätze.

08.08.2014