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Deutschland / Welt Helmpflicht auf Umwegen
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00:15 20.06.2013
Von Jörg Kallmeyer
Der einzige Weg für 100 Prozent Versicherungsschutz? Kopfsschutz für Fahrradfahrer. Quelle: WIlde
Hannover

So wie bei der jungen Frau aus Schleswig, die mit voller Geschwindigkeit gegen eine Autotür prallte, die sich kurz vor ihr öffnete. Die Folge: Schwere Schädel-Hirnverletzungen, ein zweimonatiger Krankenhausaufenthalt und  lange ambulante Therapien.

Der Fall kam jetzt vor Gericht – und allein das überrascht. Schließlich handelte die Autofahrerin, die ohne Rücksicht auf den Verkehr ihre Tür öffnete, ohne Zweifel grob fahrlässig. Und dennoch: Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht (OLG) sprach der Fahrradfahrerin jetzt eine Mitschuld an ihren Verletzungen aus. Der Grund: Die Radfahrerin trug keinen Helm; das Tragen eines Helms aber hätte die Kopfverletzungen verhindern oder zumindest mindern können. Die Radfahrerin, so die Begründung des Gerichts, sei mitverantwortlich für ihr Schicksal, weil „sie Schutzmaßnahmen zu ihrer eigenen Sicherheit unterlassen hat“.  Die Folge: Die Frau muss nun 20 Prozent der Kosten für ihre Behandlung selbst übernehmen.

Bedeutet das Urteil, dass man in Deutschland zu etwas verpflichtet werden kann, was keine Pflicht ist?

Selbst Verkehrsjuristen sind von der Entscheidung überrascht. Über die Vorschrift, beim Radfahren einen Helm zu tragen, wird in Deutschland seit Jahren kontrovers diskutiert. Das Ergebnis aber ist eindeutig: Es gibt keine Helmpflicht für Radfahrer – nicht einmal bei e-bikes, die nicht schneller als 25 Kilometer in der Stunden fahren.

Die Verkehrspolitiker bleiben bei einem eigenen Weg: Sie lehnen die Helmpflicht ab, raten aber dringend dazu, einen Helm zu tragen. „Es geht nicht darum, mehr Verbote zu schaffen, sondern es geht darum, an die Vernunft zu appellieren“, sagt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Mit der Vernunft ist es allerdings auch beim Radfahrern so eine Sache – die Experten streiten derzeit darüber, ob eine Helmpflicht wirklich einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat. Bei einer Studie in Kanada kam kürzlich heraus, dass die Einführung eines Helmzwangs die Zahl und Schwere der Kopfverletzungen praktisch nicht beeinflusst hat.

Zumindest bei den Versicherungen wird die Angelegenheit seit dem Urteil des OLG Schleswig jetzt anders gesehen werden. Die Radfahrerlobby allerdings bleibt dabei: Man sollte einen Helm tragen – aber nicht dazu gezwungen werden. „Wenn eine generelle Helmpflicht bestünde, würden weniger Menschen Fahrrad fahren“, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende des Allgemeinenen  Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Dieter Schulz. Und das könne doch niemand wollen.

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