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Deutschland / Welt NSA-Chef verteidigt Internet-Spionage
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14:04 13.06.2013
NSA-Chef Alexander sagte am Mittwoch vor einem Senatsausschuss in Washington zum Thema „Prism“ aus. Quelle: dpa
Washington

Die US-Regierung hat ihr weltweit kritisiertes Internet-Spionageprogramm vehement verteidigt. Es habe geholfen, Dutzende Terrorattacken zu verhindern, sagte der Chef des Geheimdienst NSA, Keith Alexander. Der auf elektronische Spionage spezialisierten NSA wird vorgeworfen, das Internet nahezu flächendeckend zu überwachen. Der Informant Edward Snowden, der geheime NSA-Papiere an die Medien gab, erzählte jetzt an seinem Fluchtort Hongkong, die US-Dienste hackten sich schon seit Jahren in chinesische Computer. China, das über eine Auslieferung an die USA entscheiden müsste, äußerte sich bisher nicht zu seinem Schicksal.
Snowden zufolge hat die NSA weltweit mehr als 61.000 Hacking-Aktionen durchgeführt, darunter Hunderte gegen China. In einem Interview mit der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ sagte Snowden, dass der US-Abhördienst NSA seit 2009 versucht habe, sich Zugang zu hunderten von Zielen in China und Hongkong zu verschaffen. „Wir hacken uns in die Datenübertragungsleitungen der Netzwerke, so etwas wie große Internetrouter im wesentlichen, die uns Zugang zu der Kommunikation von hunderttausenden Computern geben, ohne jeden einzelnen hacken zu müssen“, sagte Snowden.
„Vergangene Woche arbeitete die amerikanische Regierung noch zufrieden im Schatten ohne Rücksicht auf eine Zustimmung der Regierten - aber das ist jetzt vorbei“, sagte Snowden. Jede Ebene der Gesellschaft verlangt Rechenschaft und Aufsicht.“ Er habe diese Informationen veröffentlicht, um die „Scheinheiligkeit“ der US-Regierung aufzuzeigen, wenn sie behaupte, dass sie - anders als ihre Feinde - nicht auf die zivile Infrastruktur abziele.
„Sie tut es nicht nur, sondern ist derart besorgt, dass dies bekannt wird, dass sie bereit ist, alle Mittel wie etwa diplomatische Einschüchterung einzusetzen, um ein Bekanntwerden dieser Informationen zu verhindern“, sagte der 29-Jährige, der sich nicht als Verräter, sondern als amerikanischer Patriot sieht. „Ich glaube an die Meinungsfreiheit“, sagte Snowden. „Ich habe aus gutem Willen gehandelt.“ Die Öffentlichkeit solle sich ihre eigene Meinung bilden.
NSA-Chef Alexander sagte am Mittwoch vor einem Senatsausschuss in Washington aus. Es war das erste Mal, dass er sich öffentlich zu den Programmen zur massiven Daten-Sammlung äußerte, seit der ehemalige Geheimdienstler Snowden sie vergangene Woche enthüllt hatte. „Dies hat geholfen, Dutzende terroristische Ereignisse zu verhindern“, sagte der General. Er versprach, eine exakte Zahl zu veröffentlichen.
Im einzelnen erwähnte der NSA-Chef jetzt bereits zwei Fälle. Einer davon sei der geplante Anschlag von drei Islamisten auf die New Yorker U-Bahn im September 2009. Das Trio war aber einen Tag vor der Aktion aufgeflogen. Alexander erwähnte außerdem David Headley, der wegen seiner Beteiligung an der Terrorattacke in Mumbai 2008 in einem US-Gefängnis sitzt. „Ich glaube, wir tun hier das Richtige, um die amerikanischen Bürger zu beschützen“, sagte Alexander.

Chinas Regierung übte grundsätzlich Kritik an Computerspionage, äußerte sich am Donnerstag aber nicht zum Fall Snowden. „Wir sind gegen alle Formen von Cyber-Attacken“, sagte die Außenamtssprecherin dazu nur allgemein. China sei selbst „eines der großen Opfer“ von Computerangriffen und befürworte Dialog mit anderen Ländern, um gemeinsam die Sicherheit im Internet zu gewährleisten.

Die USA hatten China zuletzt in immer schärferem Ton vorgeworfen, hinter massiven Cyber-Attacken im Westen zu stecken. Die chinesische Regierung hatte dies stets bestritten.

dpa

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