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Deutschland / Welt Moreno gewinnt in Ecuador knapp
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06:51 03.04.2017
Mit einem minimalen Vorsprung hat der Kandidat der linken Regierungspartei die Präsidentschaftswahl in Ecuador gewonnen. Quelle: dpa
Quito

Der Kandidat der linken Regierungspartei in Ecuador, Lenín Moreno, hat die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Sein Vorsprung gegenüber dem konservativen Ex-Banker Guillermo Lasso lag nach Angaben der Wahlbehörden bei rund zwei Prozentpunkten. Demnach erhielt Moreno am Sonntag 51 Prozent der Stimmen, Lasso 49 Prozent. Lasso kündigte an, wegen Wahlbetrugs gegen das Ergebnis vorgehen zu wollen. Mehrere Hochrechnungen hatten ihn zuvor als den Gewinner der Wahl angegeben. Auch seine Anhänger wollten sich mit dem Ergebnis nicht zufrieden geben und randalierten.

Lasso sagte, er werde das Wahlergebnis in allen 24 Provinzen Ecuadors anfechten. Prognosen nach der Schließung der Wahllokale hatten Lasso mit einem Vorsrpung von bis zu sechs Prozentpunkten gesehen. Es sei unbegreiflich, dass diese Hochrechnungen so daneben lagen, sagte Lasso. Zudem fragte er, wie es möglich sein könne, dass die Auszählung der ersten Wahlrunde im Februar drei Tage dauerte und nun die Ergebnisse so schnell verkündet worden seien.

Lassos Team legt Beweise für Wahlbetrug vor

„Sie haben eine rote Linie überschritten“, sagte Lasso und forderte seine Anhänger auf, friedlich aber standhaft gegen das Ergebnis zu protestieren. Der einzige Beweis für einen Wahlbetrug, den Lassos Team vorlegte, war zunächst das Ergebnis eines kleinen Provinz-Wahllokals, das nicht korrekt an den Wahlrat in der Hauptstadt Quito weitergegeben sein worden soll. „Wir sind keine Idioten und das ecuadorianische Volk auch nicht“, schrieb Lasso auf Twitter.

Tausend aufgebrachte Anhänger Lassos riefen in den Straßen Quitos „Betrug“. Die Demonstranten brachen durch Barrikaden und erreichten fast das Gebäude des Wahlrats, bevor Polizisten sie zurückhielten. Auch im Heimatort Lassos, Guayaquil, kam es zu ähnlichen Aufständen.

Unterstützer Morenos feierten und warfen den Anhängern Lassos vor, das Wahlergebnis nicht wahrhaben zu wollen. Ecuador verdiene es, dass seine politischen Akteure Respekt für die ethische Verantwortlichkeit für den demokratischen Willen des Volkes zeigten, sagte der Leiter des Nationalen Wahlrates, Juan Pablo Pozo. Nicht eine Stimme sei bei irgendjemanden dazugenommen oder abgezogen worden.

Ecuador steckt in tiefer Rezession

Der Sieg Morenos bedeutet nun eine Fortsetzung der Politik des scheidenden Präsidenten Rafael Correas, der seine Regierung als „Revolution der Bürger“ bezeichnet. Correa äußerte sich bereits kurz nach der Wahl zuversichtlich für einen Sieg seines Regierungskandidaten. „Der moralische Betrug des rechten Flügels wird nicht ohne Strafe bleiben“, sagte Correa mit Blick auf die Hochrechnung des Institut Cedatos.

Cedatos, das das Ergebnis der ersten Wahlrunde im Februar korrekt vorhergesagt hatte, sah Lasso mit 53 Prozent zu 47 Prozent der Stimmen für Moreno als Wahlsieger. Die Prognose sei von der Bank bezahlt worden, die zu Teilen Lasso gehört, sagte Moreno. Das Institut habe gelogen.

Während Moreno für eine Kontinuität der Politik Correas steht, hat Oppositionskandidat Lasso versprochen, den Kurs des Amtsinhabers zu korrigieren, um die gebeutelte Wirtschaft des Landes auf Vordermann zu bringen. Ecuador steckt in einer tiefen Rezession fest, viele Bewohner sind außerdem verärgert über die Korruptionsskandale der Regierung.

Von RND/AP