Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt Merkel besucht Argentinien
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt Merkel besucht Argentinien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:40 08.06.2017
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ankunft in Buenos Aires. Quelle: dpa
Buenos Aires

Hinter wem versammelt sich die Welt der Wichtigen? Die Frage begleitet Angela Merkel bis nach Argentinien und Mexiko, wo sie bei einem Kurztrip den G-20-Gipfel vorbereitet. Manche erwarten von der Kanzlerin, sie möge bei diesem Treffen der 20 führenden Industriestaaten in einem Monat in Hamburg ein Anti-Trump-Bündnis schließen. Das verkennt die Stärke Deutschlands – und es überschätzt die Neigung Merkels, sich gegen die USA bis zum Äußersten zu exponieren. Kurz vor der Landung in Buenos Aires nennt sie Spekulationen, sie und nicht Trump führe womöglich derzeit die freie Welt, schlicht „Kokolores“. „Ich bin die Gastgeberin von G20“, sagt sie. Mehr nicht.

Zum Ende ihrer dritten Amtszeit als Regierungschefin geht es für Merkel immer auch darum, die Gesetze der Harmonie und der für sie so typischen Beschwichtigung nicht ganz außer Kraft zu setzen. Es sei nicht ihr Ziel, eine Anti-Trump-Koalition aufzubauen, beteuern deshalb ein ums andere Mal deutsche Politikplaner. Immer wieder lässt das auch die Kanzlerin durchblicken. „Ich muss gucken, wie weit man mit Trump kommt“, sagt sie. Bei G20 gelten die Gesetze der Staaten-Harmonie. Wenn Merkel die 19 übrigen Staaten gegen Trump in Stellung brächte, machte ihn das höchstwahrscheinlich noch sperriger.

Merkel will beim argentinischen Präsidenten Mauricio Macri vor allem für Kontinuität bei den G-20-Verhandlungen werben – denn Argentinien übernimmt 2018 von Deutschland den Vorsitz der Runde.

In Argentinien geht es nach Reformen aufwärts

Ihre Kurztour in die Heimat des Tango ist eine der üblichen Business-Mischungen globalisierter Politik: Ein Tag Anflug, ein Tag Aufenthalt, Gespräche mit Macri zum Klima, zum Handel sowie zu den Schwerpunktthemen des G-20-Treffens – Stärkung von Frauen und Gesundheitspolitik. Aber auch der Besuch einer Synagoge und das Gedenken an die Opfer der blutigen Militärdiktatur aus den dunklen 80er Jahren stehen auf dem Programm.

Angela Merkel spricht in Buenos Aires in der Synagoge „Templo Libertad“. Quelle: dpa

Argentinien kämpft mit diversen Nöten. Die Inflationsrate liegt noch immer bei 20 Prozent, aber es war schon viel schlimmer. Das Land war bankrott. Jetzt geht es, nicht zuletzt durch drakonische Reformen, wieder aufwärts. Auch dank der Fleischexporte nach Deutschland: 26 Prozent der argentinischen Ranch-Steaks landen auf deutschen Tellern. Auch Merkel schätzt dieses Weidefleisch. Aber „ein uckermärkisches Steak“ sei ihr genauso recht, versichert Merkel. Sie kann eben nie ganz aus ihrer Haut.

Merkel reist weiter nach Mexiko

Heute hat sie auch in Mexiko mit Präsident Enrique Pena Nieto einiges zu besprechen. In Washington wird man genau registrieren, ob und wie sich die Kanzlerin zu zentralen Fragen äußert: Etwa zu dem von Trump angedrohten Mauerbau, möglichen Zwangszöllen für die deutsche Autoindustrie oder dem von Trump attackierten Freihandel. Das Klima zwischen Washington und Mexiko-Stadt hat sich nach den bisweilen rassistischen Ausfällen Trumps im Wahlkampf („Mexikaner sind Vergewaltiger“) inzwischen zumindest etwas entspannt. Das liegt vor allem daran, dass Trump seinen martialischen Ankündigungen von Massenabschiebungen und einem spektakulären Mauerbau keine Taten folgen lässt. Entgegen aller Erwartungen ist die Zahl der Abschiebungen sogar massiv eingebrochen. Wie die Zeitung „Milenio“ jüngst unter Berufung auf die Nationale Migrationsbehörde Mexikos berichtete, wurden seit Januar 50 000 Mexikaner in ihr Heimatland abgeschoben. 2010, unter Präsident Barack Obama, waren es im Schnitt pro Monat 50 000.

Noch immer steht aber die Drohung Trumps im Raum, Strafzölle gegen die deutsche Autoindustrie zu erlassen, die in Mexiko mehrere große Werke besitzt. Auch diese Ankündigung verlief bislang im Sand, doch warten die Mexikaner gespannt auf ein Wort der mächtigsten Frau der Welt zum Wirtschaftsstandort Mexiko, das die eigenen Ängste ein wenig beruhigt.

Von Dieter Wonka/RND

Erst die Krise um Katar, dann der Anschlag in Teheran: Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie angespannt die Situation in der Golfregion derzeit ist. Die USA würden dringender denn je als Vermittler gebraucht, doch unter US-Präsident Trump scheint dies nicht möglich, sagt Politikwissenschaftler Volker Perthes.

08.06.2017

Die heutige Wahl soll Klarheit schaffen: Premierministerin Theresa May hofft auf ein strahlendes Ja zum Brexit. Doch die jungen Leute machen auf ungeahnte Weise für Jeremy Corbyn mobil.

08.06.2017

Der Islamische Staat hat nicht nur erstmals einen Anschlag im Iran verübt. Die Attentäter waren auch noch Iraner, und das trifft die Staatsführung besonders hart. Was wir noch über die sechs Attentäter wissen.

08.06.2017