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22:17 22.03.2017
Der 12. Bundespräsident: Frank-Walter Steinmeier. Quelle: dpa
Berlin

Wer sich um eine Führungsposition bewirbt, kann mit Auslandserfahrung punkten. Bei der Kandidatur Frank-Walter Steinmeiers für das Amt des Bundespräsidenten gab es jedoch einige, die dem Bewerber ein Zuviel an Auslandserfahrung vorwarfen. Und auch jetzt, da der zweimalige Außenminister sein Amt angetreten hat, ist die Frage berechtigt, ob der Mann, der in den vergangenen Jahren vor allem syrische und ukrainische, nicht aber deutsche Landkarten studiert hat, der richtige ist, um den Zusammenhalt der politisch, ökonomisch und kulturell auseinanderdriftenden deutschen Gesellschaft zu fördern. Steinmeier soll ja kein Außenbundespräsident sein, er soll vor allem nach innen wirken. Spitzendiplomatie in den Krisenherden der Welt schult nicht zwangsläufig für den Umgang mit beschaulicheren Problemen daheim.

Steinmeier findet zum Start erstaunlich klare Worte

Aber in einer Zeit, in der Grenzen verschwimmen, in der nicht nur Geld und Waren, Menschen und Ideen ortsungebunden sind, schadet Weltläufigkeit an der Spitze des Staates gewiss nicht. Zumal dann nicht, wenn diesem Staat immer mehr internationale Verantwortung zukommt. Mit dem Blick von außen erscheint das Eigene ja oft klarer. Darauf hat Steinmeier in seiner Antrittsrede hingewiesen, als er deutsche Ängste ins Verhältnis setzte. „Ich kenne Weltregionen, in denen die Zukunft weit weniger gewiss ist als bei uns“, rief der selbst ernannte Mutmacher den Abgeordneten zu. Recht hat er. Und doch wird Steinmeier Achtgeben müssen, dass ihn sein Denken in internationalen Bezügen nicht von den Menschen im Land entfremdet.

Es war richtig und wichtig, dass er in seiner Rede auf die Türkei zu sprechen kam und in verblüffend deutlichen Worten Präsident Erdogan zur Freilassung des Journalisten Deniz Yücel aufforderte. Eine so klare Sprache muss Steinmeier, dessen Rhetorik ins Abstrakte neigt, fortan auch bei Bürgerempfängen in Greifswald, Meppen und Segeberg sprechen, will er fortsetzen, was er bei seiner Amtseinführung begonnen hat: vom Wert der Demokratie zu überzeugen.

Dabei könnte es Steinmeier weit bringen, denn er weiß, wie er mit den Deutschen nicht kommunizieren sollte: im Ton des Oberlehrers. Der neue Bundespräsident sucht die Auseinandersetzung, er will eine „Kultur des demokratischen Streits“. Er will, wie er sagt, mit jenen sprechen, die Facebook nicht als Kontakt vorschlägt, er will raus aus „mancher Selbstgewissheit der intellektuellen Ohrensessel“. Lange genug haben führende Politiker, darunter auch Steinmeier, unter Verweis auf vermeintliche Sachzwänge und Alternativlosigkeiten zur Verengung der öffentlichen Debatte beigetragen und so wider Willen die Populisten gestärkt. Schön, wenn es damit ein Ende haben sollte. Ein Bundespräsident, der die Kontroverse sucht, könnte ein Gewinn sein.

Von RND/Marina Kormbaki

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