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16:13 30.06.2013
Von Stefan Winter
Tempo und Gefühl: Der bisherige Madsack-Chef Herbert Flecken wechselt in den Aufsichtsrat der Mediengruppe. Quelle: Handout
Hannover

Er sprach schon beim Reinkommen, ließ sich auf einen Stuhl fallen, berichtete immer weiter, schien gar nicht Luft zu holen. Herbert Flecken musste viel loswerden an diesem Abend im Februar 2009, der den Abschluss des bei Weitem kompliziertesten Geschäfts in der Firmengeschichte gebracht hatte. Fünf Monate Verhandlungen, ungezählte Nachtsitzungen, Nachrichten von kollabierenden Finanzmärkten und Tausende Seiten Vertragstext hatte das kleine Team bewältigt, und nun war es geschafft: Madsack kaufte die Regionalzeitungsbeteiligungen des Axel-Springer-Konzerns in Kiel, Lübeck, Rostock und Leipzig – und wurde damit selbst endgültig zum Konzern.

Die Episode steht in zweifacher Hinsicht für den Medienmanager Flecken. Er hat eine nüchterne wirtschaftliche Strategie: Größenvorteile sollen Kosten senken und Innovation ermöglichen. Und er stürmt mit einem Elan zum Ziel, dem sich die Umgebung schwer entziehen kann. Mit dieser Mischung hat Herbert Flecken das Unternehmen seit den neunziger Jahren geprägt.

Er war 29 Jahre alt, als er bei Madsack in der Personalabteilung anfing – Sachbearbeiter, eigentlich kein Sprungbrett zum Konzernchef. Aber er arbeitete sich hoch, wie er es zuvor schon getan hatte: von der mittleren Reife zur höheren Handelsschule, über kaufmännische Lehre und Bundeswehr zum Bankangestellten, dann das Wirtschaftsstudium.

Diesen Takt behielt er bei Madsack bei, scheuchte die Kollegen mit immer neuen Ideen auf und erwärmte sie für die ersten elektronischen Informationssysteme. Der damalige Madsack-Chef Wilhelm Sandmann fragte irgendwann: „Haben die da eine eigene Denkfabrik?“

Der Weg führte 1996 in die Geschäftsführung, das Tempo blieb. Wer Personalarbeit mit technischer Begeisterung vereint, bekommt die schweren Aufgaben: Umstrukturierungen, Modernisierungsprogramme, Richtungsentscheidungen, die lange nachwirken. Viele Betriebe hat Flecken umorganisiert, auch verbunden mit Personalabbau. Meist schaffte er es sozialverträglich und immer in einem Stil, der keine Scherben hinterließ. Das half auch bei Zukäufen: Wegen des persönlichen Vertrauens verkaufte mancher Verleger lieber an Madsack als an andere Bieter. Der Kraftakt der Akquisitionen ist der eine Teil der Flecken-Strategie. Der andere ist der konsequente Ausbau des Digitalgeschäfts. Längst haben alle großen Madsack-Titel eigene Onlineauftritte und Apps.

Flecken ging aber noch einen Schritt weiter: Mit dem Media Store entwickelte er ein eigenes Vertriebs- und Marketingkonzept. Dort bekommen die Kunden nicht nur Komplettpakete aus Apps, Tablet-Computern, Onlinevertrag und auf Wunsch eingehende Beratung – die Läden sind auch Treffpunkte für Veranstaltungen. Das Konzept machte Furore, so weit war bis dahin kein deutscher Verlag gegangen. Inzwischen hat es mancher von Madsack übernommen.

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