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Deutschland / Welt Landesbischof Dröge: „Berlin leidet“
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14:38 20.12.2016
Landesbischof Markus Dröge spricht im Interview über den Angriff auf den Weihnachtsmarkt. Quelle: dpa
Berlin

Mindestens zwölf Tote, Dutzende Verletze und eine Hauptstadt im Schockzustand: Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt hat gezeigt, wie verwundbar Deutschland ist. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Berliner Landesbischof Markus Dröge über das Geschehene.

Bischof Dröge, was bedeutet dieser Anschlag für Berlin?

Der Anschlag ist für uns alle ganz schrecklich. Er traf Menschen in den Weihnachtsvorbereitungen; Menschen, die eine schöne Zeit erleben wollten. Berlin leidet. Es ist eine Stadt in Trauer.

Welche Rolle spielt dabei die besondere Symbolik des Tatorts: ein Weihnachtsmarkt mit der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Hintergrund?

Der Ort birgt eine besondere Symbolkraft. Der Anschlag traf die Stadt an einem wunden Punkt. Die zerstörte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zeigt, wie verletzlich das Leben ist. Seitdem sie im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurde, ist von ihr nur ein Torso übrig. Sie ist ein Mahnmal gegen die Zerstörung – zugleich aber ist sie ein Zeichen der Versöhnung. In ihr weist das Nagelkreuz der 1940 von der deutschen Luftwaffe zerstörten Kathedrale von Conventry auf die Kraft der Versöhnung hin. Das soll uns lehren: Wir lassen uns von Hass nicht bezwingen, wir lassen uns nicht bange machen.

Und doch sind jetzt viele Menschen verunsichert oder haben sogar Angst. Was raten Sie ihnen?

Sie sollten sich auf keinen Fall so verhalten, dass die Gewalttäter und Terroristen das erreichen, was sie erreichen wollen. Sie sollten sich auf keinen Fall den Mut zu einem Leben in der freien Gesellschaft rauben lassen. Daher sind jetzt auch die Sicherheitskräfte gefragt. Sie müssen mehr tun zur Verhinderung solcher Anschläge. Auf keinen Fall dürfen wir in die Knie gehen und der Angst ihren Lauf lassen. Dafür steht auch der Gedenkgottesdienst am Dienstagabend: Juden, Christen und Muslime stehen alle zusammen und lassen nicht zu, dass Gewalt siegt.

Und was raten Sie jenen, die jetzt im Internet und auf der Straße ihrer Wut freien Lauf lassen?

Wut, Zorn und Hass zu empfinden steht jedem zu – nicht aber, diese Empfindungen an Mitmenschen auszuleben. Wir dürfen nicht in Unbesonnenheit abgleiten. Wenn wir aufhören, zu differenzieren, geht die Saat der Terroristen auf. Nicht Wut darf das letzte Wort sein, sondern Überwindung.

Von RND/Marina Kormbaki

Deutschland / Welt Anschlag auf Weihnachtsmarkt - Berlin – ein Tag danach

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herrscht Trauer und Entsetzen. Blumen liegen am Tatort. Marina Kormbaki vom RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), hat sich vor Ort umgeschaut. Eine Reportage.

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