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Deutschland / Welt König Salman erklärt Sohn zum neuen Kronprinzen
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19:53 21.06.2017
Kronprinz Mohammed bin Salman. Quelle: dpa
Riad

In mehreren Dekreten gab das Königshaus am Mittwoch bekannt, dass der bisherige Kronprinz und Innenminister Mohammed bin Najef von beiden Posten abgezogen werde, wie die staatliche saudische Nachrichtenagentur berichtete. Kenner des Königshauses überraschte die Ernennung nach dem rasanten Aufstieg von Prinz Mohammed nicht.

Der Schritt überträgt große Macht an den 31-jährigen Prinz. Neben seiner neuen Position als Thronfolger soll Mohammed bin Salman zudem stellvertretender Ministerpräsident werden. Seine Funktion als Verteidigungsminister behalte er.

Mitverantwortung für mehrere Konflikte

Als Verteidigungsminister des Landes ist Mohammed bin Salman auch für den verheerenden Krieg im Nachbarland Jemen verantwortlich, in dem Saudi-Arabien seit mehr als zwei Jahren Luftangriffe auf Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen fliegt. Die Bombardements durch ein saudi-arabisch geführtes Militärbündnis zerstörten weite Teile der Infrastruktur des Landes und töteten Tausende.

Der neue Kronprinz wird auch als wichtiger Akteur bei einer Reihe weiterer Konflikte gesehen, in die das Königreich verwickelt ist. So sehen ihn Beobachter als Mit-Initiator der Blockade des Nachbarstaates Katar, die vor einigen Wochen begann. Auch im Konflikt mit dem Erzrivalen Iran schlug der Sohn des Königs zuletzt scharfe Töne an.

Rasanter politischer Aufstieg

Bin Salman hat auch eine bedeutende Rolle in der Wirtschaftspolitik gespielt und Reformen vorangetrieben, um unabhängiger von den Ölvorkommen zu werden. An den Plänen für eine Börsennotierung des staatlichen Ölgiganten Aramco arbeitete er mit. In Teilen der mehrheitlich jungen Bevölkerung Saudi-Arabiens ist er beliebt, weil er das sehr konservative Land für Unterhaltung und mehr ausländische Investitionen geöffnet hat.

Der abgesetzte Innenminister Bin Najef, die frühere Nummer eins der Thronfolge, traf kurz nach der Bekanntgabe der Änderung Prinz Mohammed in Mekka und schwor ihm dort seine Gefolgschaft, wie die staatliche Nachrichtenagentur meldete.

Breite Unterstützung im königlichen Rat

Bin Salman war vor der Amtsübernahme seines Vaters im Jahr 2015 weitgehend unbekannt. Als König Salman noch Prinz war, war Prinz Mohammed für die Führung des Hofes verantwortlich. König Salman erweiterte die Machtbefugnisse Mohammeds in kurzer Zeit – vor allem zur Überraschung älterer und erfahrener Familienmitglieder.

Der Rat aus ranghohen Mitgliedern des Königshauses, der über die Thronfolge bestimmt, habe mit einer Mehrheit der Änderung zugestimmt, hieß es in einem königlichen Dekret. 31 der 34 Mitglieder des Rates stimmten nach Angaben des saudischen Staatsfernsehens für die Umschreibung der Thronfolge.

Iran spricht von einem „sanften Staatsstreich“

Die Ernennung des neuen Kronprinzen könnte Experten zufolge große Auswirkungen auf das Königreich haben. Angesichts seines jungen Alters könnte er für Jahrzehnte die Ausrichtung des Landes beeinflussen, sagte der Nahost-Experte von der Rice University in Seattle, Kristian Coates Ulrichsen. Die Berufung Mohammed bin Salmans vermeide zudem, dass das Königreich vor allem von älteren Mitgliedern der Familie regiert wird. Das Tempo, mit dem der Prinz seine Ziele durchgesetzt habe, habe jedoch manche Mitglieder der Königsfamilie beunruhigt, sagte Ulrichsen.

Zum neuen Innenminister wurde Abdulasis bin Saud ernannt. Der 33-Jährige ist nun für den Kampf gegen Terrorismus und die innere Sicherheit zuständig. Sein Vater ist Gouverneur der Ostprovinz des Landes.

Die mächtigsten Politiker der Vereinigten Arabischen Emirate begrüßten den neuen Kronprinzen. Präsident Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan und andere hätten ihm gratuliert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur WAM. Auch der König von Bahrain zeigte sich erfreut. Im iranischen Staatsfernsehen wurde die Ernennung des Widersachers dagegen als „sanfter Staatsstreich“ bezeichnet.

Von RND/dpa