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Deutschland / Welt Leidenschaft und Larmoyanz im Kieler Rat
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08:10 24.09.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Susanne Gaschke musste im Oktober 2013 das Amt der Kieler Oberbürgermeisterin wegen Untreueermittlungen gegen sie aufgeben. Quelle: dpa
Hannover

Verletzend und auf persönliche Vernichtung des Gegners“ zielend sei der Politikstil. Ratsversammlungen erforderten eine „mittelalterliche Präsenzkultur“. Und giftig sei der „Cocktail“, der zu politischen Entscheidungen führe. An der Politik scheint nichts Gutes zu bleiben - wenn man den Worten von Susanne Gaschke folgt. Die spricht freilich vor allem von der Politik in Kiel. Doch immerhin: Kiel ist kein Kaff. Was in einer Landeshauptstadt passiert, ist auch andernorts nicht auszuschließen. Und passiert ist dort binnen Kurzem so viel, dass es fast ein Jahr dauert, bis sich Susanne Gaschke, die im Oktober 2013 nach elf Monaten das Kieler Oberbürgermeisteramt wieder aufgegeben hatte, dazu ausführlich zu Wort meldet. „Das Jahr 2013 ist das glücklichste und das schrecklichste Jahr meines Lebens gewesen“, bilanziert die 47-Jährige in ihrem Buch „Volles Risiko“ (DVA, 256 Seiten, 19,99 Euro).

Susanne Gaschke

Susanne Gaschke hat als Journalistin der „Zeit“ und als Buchautorin bundesweite Bekanntheit erlangt, bevor sie 2012 Oberbürgermeisterin ihrer Geburtsstadt Kiel wurde. Dort hat sie Anglistik, Pädagogik und Jura studiert und eine Doktorarbeit über Kinderliteratur verfasst. Die Untreueermittlungen, deretwegen sie im Oktober 2013 ihr Bürgermeisteramt aufgegeben hat, sind inzwischen eingestellt worden. Die 47-Jährige ist mit dem Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels verheiratet und selbst seit 1988 Mitglied der SPD.

Die ehemalige „Zeit“-Journalistin hat ihre Erfahrungen jetzt auch im Literarischen Salon Hannover geschildert. Im Gespräch mit Moderator Joachim Otte greifen beide über die Kieler Ereignisse hinaus ins Grundsätzliche: Ist Politik als Beruf noch attraktiv? Sind die politischen Prozeduren sachgerecht? Und welche Rolle spielen dabei die Medien?

Gaschke ist aus ihrer Sicht daran gescheitert, dass sie getan hat, was ihr OB-Vorgänger, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, jahrelang zwar befürwortet, aber selbst nicht zuwege gebracht hatte: Sie wollte einem von Insolvenz bedrohten Unternehmer Zinsen auf seine Steuerschuld erlassen, damit die Stadt von ihm überhaupt Geld sieht. Doch dieses Vorhaben wurde bald als „Gaschke-Deal“ verunglimpft. Eine Skandalisierung aus heiterem Himmel? Gewiss, sie habe Fehler gemacht, räumt sie ein: Sie habe kein Einvernehmen mit der Ratsversammlung hergestellt, habe auf deren Aufmerksamkeitsbedürfnis nicht genug mit Präsenz reagiert. Ihr größter „Fehler“ aber, so präsentiert sie die Sache im Literarischen Salon, habe wohl darin gelegen, für Albig und Ralf Stegner, den SPD-Partei- und -Fraktionschef im Norden, nicht OB-Favoritin gewesen zu sein. Tatsächlich hatte sie sich gegen eine vom Kieler SPD-Establishment favorisierte Kandidatin durchgesetzt. Tatsache ist auch, dass Albig und Stegner sie nicht verteidigten. Doch erst dass sie bei einer Selbstverteidigung öffentlich in Tränen ausbrach, nennt sie „den Ruinpunkt“.

Klare Mitschuld für ihr Scheitern weist die Frau des Kieler SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels einer Skandalisierung durch die Medien zu. Schon bei ihrer Kandidatur sei sie vorwiegend als „die Frau des Abgeordneten“ erwähnt worden. Später habe es Schlagzeilen wie „Untreue: Justiz ermittelt gegen Gaschke“ gegeben. Und der NDR habe in Zeitlupenbildern wiederholt Szenen ihres Tränenausbruchs mit Geldscheinen im Hintergrund kombiniert. „Journalismus und Politik sind eng umschlungen und brauchen sich gegenseitig.“

Keine Chance also für die politische Leidenschaft einer Quereinsteigerin, die solche Allianzen ablehnt? Und die es als „glücklichste“ Entscheidung ihres Lebens einstuft, den Wechsel von der Politikbeobachterin zur Politikerin gewagt zu haben? Moderator Otte geht im Literarischen Salon mit solchen Worten durchaus kritisch ins Gericht: „Nur wer sicher ist, dass er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, hat den ,Beruf‘ zur Politik“, zitiert er aus dem berühmten Aufsatz von Max Weber.

Susanne Gaschke verfügt wohl nicht über dieses hohe Maß an Sicherheit. Und die Welt hält weiterhin Gemeinheiten für sie bereit: Kiels SPD-Fraktionschef Stegner hat jetzt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ daran erinnert, dass Albig die Steuerschuld­entscheidung stets an eine Übereinkunft mit der Ratsversammlung geknüpft habe. Gaschkes Buch attestiert er „Selbstgerechtigkeit und Larmoyanz“. Damit verschafft er jedenfalls ihrer Klage über einen „verletzenden“ Politikstil neue Nahrung.

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