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Deutschland / Welt Kampf der Kleinen beim Sat.1-Duell
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08:28 31.08.2017
Moderator Claus Strunz (v.l.), Linke-Chefin Katja Kipping, Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und FDP-Chef Christian Lindner. Quelle: SAT.1
Berlin

Ein „kleines Duell“ sollte es sein. Am Mittwochabend trafen vier Spitzenpolitiker der kleineren Parteien bei Sat.1 aufeinander. Der Termin hatte Potenzial: In dem sonst als langweilig deklarierten Wahlkampf ist das Ringen um den dritten Platz noch nicht entschieden. Die AfD, die FDP, die Linke und die Grünen, alle wollen drittstärkste Kraft werden. Doch das Duell hielt wenig Platz für Inhaltliches.

Zu Beginn wurden die Unterschiede zwischen den Parteien holzschnittartig vom Moderator Claus Strunz herausgestellt: „Was will sie uns als nächstes verbieten?“ fragte er bei der grünen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Die FDP habe kein Herz und Spitzenkandidat Christian Lindner sei eitel. Die Linke und deren Vorsitzende Katja Kipping wollten alle Flüchtlinge ins Land lassen. Spitzenkandidatin Alice Weidel von der AfD sei humorlos und die Menschen wollten sie nicht zur Nachbarin haben.

Politiker sollen Fragen im „Klartext“ beantworten

„Die zehn wichtigsten Fragen der Deutschen“, hatten die Macher ihr Format getauft. Die Politiker sollten Fragen im „Klartext“ beantworten, die Deutschen wollten keine „platten Wahlkampfparolen“. Die Themen wurden vom Meinungsforschungsinstitut GfK ermittelt, am drängendsten war laut Institut die Frage nach Zuwanderung. Dazu gab es gleich mehrere Blöcke, von „Wie löst man die Flüchtlingskrise?“ bis „Warum hat Deutschland kein Einwanderungsgesetz?“ Mit dem Debat-O-Meter konnten die Zuschauer live über das Abschneiden der Politiker abstimmen. Wer das Duell gewonnen hat, lesen Sie hier.

So stimmen Sie mit dem Debat-O-Meter ab

Das Debat-O-Meter ist eine Anwendung für Smartphones, Tablets oder PCs und wurde an der Universität Freiburg entwickelt. Es ermöglicht nicht nur eine Echtzeitbewertung, sondern gibt den Zuschauern am Ende auch Information darüber, wie weit sie mit den Kandidaten übereinstimmen. Auch beim TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz können Sie wieder live abstimmen. Alle Informationen rund um das Live-Abstimmungs-Tool finden Sie hier.

Die Forderungen der Kandidaten waren im Kern wenig überraschend, aber immer wieder prägnant auf den Punkt gebracht. Lindner plädierte für ein Einwanderungsgesetz, und ein legales Bleiberecht für integrierte Flüchtlinge. „Die Desperados aus dem Maghreb“ wolle er abschieben. Am Donnerstag wird sich der FDP-Spitzenkandidat bei der Bundesleserkonferenz des RedaktionsNetzwerks Deutschlands (RND) den Fragen der Leserinnen und Leser stellen.

Kipping von den Linken forderte einen Abschiebestopp nach Afghanistan, und die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Heimatländern. Weidel wollte die Grenzen dichtmachen, Göring-Eckardt hielt dagegen: Sie sei in der DDR aufgewachsen und wisse, wie es sei, eingesperrt zu sein.

Sat.1 hatte mehrere Studiogäste eingeladen, als lebende Beispiele für verschiedene Themenbereiche. Die Kandidaten bekamen jeweils dreißig Sekunden Zeit, um sie von ihrer Partei zu überzeugen. Der erste Gast war ein Polizist, der am Münchner Flughafen arbeitete, aber nicht genug verdiente, um in München zu leben. Er sollte das Thema „Innere Sicherheit“ repräsentieren. Ihn konnte Christian Lindner überzeugen, der 15.000 neue Einsatzkräfte einstellen wollte.

Göring-Eckardt verspricht „Garantierenete“

Der zweite Gast war ein Familienvater aus Brandenburg, von Beruf Paketfahrer. Er konnte ausrechnen, dass er im Alter arm sein würde, und repräsentierte die Frage nach der Lösung der Altersarmut. Göring-Eckardt sprach ihn direkt an, versprach eine „Garantierente“. Sie bekam den Punkt. Alice Weidel versuchte es mit dem Schüren der Angst gegen Flüchtlinge. Wegen ihnen würden die Sozialsysteme belastet. „Naja, die sind noch nicht so lange da, oder?“ fragte der Paketbote zurück.

Sat.1 hatte eine junge Frau gefunden, die den Terroranschlag im Bataclan in Paris überlebt hatte. Sie sollte die Sicht der Opfer des Punktes „Islamistischer Terror“ aufzeigen. Hier konnte Kipping überzeugen. Als einzige hatte sie die psychologische Versorgung von Opfern angesprochen.

Auch beim Thema des überlasteten Pflegepersonals punktete die Linke: Die Partei sei solidarisch im Kampf mit ihnen, erklärte eine Intensivkrankenschwester aus Berlin.

Strunz stellt Lindner als „Posterboy“ vor

Die Kandidaten versuchten so gut als möglich ihre Inhalte unterzubringen, wurden vom Moderator aber immer wieder unterbrochen.

Lindner stellte Strunz als „Posterboy“ vor, die Plakate der FDP schienen für ihn der größte Aufreger des Abends zu sein. Ob Kipping Lindner scharf fände? Kipping windete sich um eine Antwort herum. In einer skurrilen Szene fühlte AfD-Frau Weidel sich schließlich verpflichtet, Lindner zu verteidigen: Es sei gemein, ihm Eitelkeit zu unterstellen, wenn er doch über Inhalte reden wolle.

Doch auch die Kandidaten untereinander waren nicht um Höflichkeit bemüht. Göring-Eckardt und Lindner versuchten, sich klar voneinander abzugrenzen. Sie griffen sich direkt an, am deutlichsten wurde das bei den Themen Mindestlohn und Rente. Vor allem Göring-Eckardt , so schien es, wollte zeigen: Wir wollen nicht miteinander, wir können nicht miteinander. Entweder Schwarz-Grün, oder Schwarz-Gelb. Schwarz-gelb-grün sollte nicht als Option in den Wählerköpfen hängenbleiben.

Wenn die Frage nicht genehm ist, lieber nicht antworten

Am Ende gaben sich die Kandidaten gegenseitig ihre Stimme. Lindner favorisierte Göring-Eckardt, wenig verwunderlich angesichts der Alternativen. Göring-Eckardt und Kipping wählten die Gäste aus dem Studio und bestätigten so ein altes Politiker-Klischee: Wenn die Frage nicht genehm ist, lieber nicht antworten. Weidel fand, Lindner spreche am besten.

Es bleibt der Eindruck, das Polittainment nur funktioniert, wenn es gut vorbereitet ist. Die Kandidaten waren es, die Show selbst wirkte immer wieder chaotisch, und statt auf Inhalte, fokussierte sie sich auf dramatische Naheinstellungen von Politiker-Gesichtern.

Von Valerie Höhne/RND

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