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Deutschland / Welt Ivanka Trump kollidiert mit eigenen Ansprüchen
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06:35 28.11.2017
Vor dem Auftritt von Ivanka Trump informiert ein indischer Polizist seine Kollegen. Quelle: AP
Hyderabad/Washington

Die internationale Unternehmerkonferenz GES (Global Entrepreneurship Summit) steht in dieser Woche ganz im Zeichen erfolgreicher Frauen: „Women First, Prosperity for All“ (Frauen zuerst, Wohlstand für alle) lautet das Motto der hochkarätigen Veranstaltung, die zurzeit im indischen Hyderabad stattfindet. Eine der zentralen Reden soll die offizielle Vertreterin der Vereinigten Staaten halten - Ivanka Trump. Die 36-Jährige sieht sich jedoch einem kräftigen Gegenwind ausgesetzt: Mehrere Gewerkschaften erinnern an die bedrückenden Arbeitsbedingungen in der indischen Textilindustrie, von der die amerikanische Präsidententochter in besonderem Maße profitiert.

Schweres Geschütz fährt auch Judy Gearhart auf. Die Geschäftsführerin der Arbeitsschutzorganisation „International Labor Rights Forum“ hält Trump vor, hinter den Standards anderer westlicher Textilhändler zurückzufallen: „Während sich Konzerne wie Adidas seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken einsetzen, ist von Ivanka Trumps Firma nichts zu hören.“ Gearhart erinnert insbesondere an ein mittlerweile übliches Verfahren, wonach größere Unternehmen unabhängige Beobachter beauftragen, die Arbeitsbedingungen bei den Vertragsnehmern in den Entwicklungsländern unter die Lupe zu nehmen. „Wo aber bleiben Trumps Initiativen“, fragt Gearhart.

Produktion in Billiglohnländern

Die Folgen seien besonders im Umland des Konferenzortes Hyderabad zu beobachten: So würde das Monatsgehalt der dortigen Schneiderinnen durchschnittlich bei etwa 80 Euro liegen. Laut „Washington Post“ sei es trotz hartnäckiger Recherchen bisher nicht gelungen, die konkreten Produktionsorte der Ivanka-Trump-Ware zu benennen. Fest steht lediglich, dass die „First Daughter“ ausschließlich in Billiglohnländern wie Bangladesch, China, Indien, Indonesien und Vietnam produzieren lasse. Sogar im äthiopischen Addis Abeba, wo die Löhne noch niedriger als in China liegen, seien Schneider im Auftrag der Trump-Firma im Einsatz.

Ganz unabhängig von den Forderungen ihres Vaters, der stets gegen die Produktion im Ausland wettert, stellen sich Arbeitsrechtler die Frage, ob Ivanka Trump den eigenen Ansprüchen genügt, die sie in ihren Reden formuliert. So will Trump Dienstag und Mittwoch für ein besseres Ausbildungssystem für Frauen und einen leichteren Zugang zu Krediten für Unternehmensgründerinnen werben. In den Fabriken aber, in denen ihre eigene Ware hergestellt wird, müssen Frauen für umgerechnet vier Euro pro Tag arbeiten.

Nachfragen bleiben unbeantwortet

Vor wenigen Monaten, als mehrere Medien sich in der Trump-Verwaltung nach den Arbeitsbedingungen der Schneiderinnen erkundigten, hatte die Geschäftsführerin Abigail Klem eine genaue Überprüfung angekündigt: „Wir als Trump-Unternehmen sind uns unserer besonderen Verantwortung bewusst“, ließ die Managerin mitteilen. Klem kündigte gegenüber der „Washington Post“ eine Besichtigungstour zu mehreren Produktionsstandorten in Südostasien an. Ob sich seitdem etwas geändert hat, ist fraglich: In der vergangenen Woche, als mehrere Journalisten Anfragen an die Firma stellten, wie der Arbeitsschutz bei den Vertragsnehmern in den Billiglohnländern kontrolliert wird, gab es keine Antwort.

Kritische Nachfragen gibt es nicht allein von Medienvertretern. Auch amerikanische Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften haken nach: In einem Brief vom 1. November an Ivanka Trump und deren Geschäftsführerin Klem fordern sie die Multimillionärin auf, als enge Mitarbeiterin des US-Präsidenten und als gleichzeitige Firmenchefin die Verantwortung gegenüber den Fabrikarbeitern wahrzunehmen. Die Nichtregierungsorganisationen erinnern insbesondere an drei chinesische Aktivisten, die kürzlich von der chinesischen Polizei verhaftet worden seien, weil sie sich nach den Arbeitsbedingungen in den Fabriken erkundigten, die für Trump tätig sind.

Für die „Assistentin des Präsidenten“, so Trumps offizieller Titel, kommen diese Vorwürfe zur Unzeit. Seit Wochen steht ihr Ehemann Kushner politisch unter Druck, da sich seine Angaben zu seinen Russland-Kontakten während des Wahlkampfes seines Schwiegervaters als unvollständig herausstellten.

Von Stefan Koch

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