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Deutschland / Welt „Ich habe um mein Leben gefürchtet“
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08:17 29.11.2017
Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), gibt in Altena (Nordrhein-Westfalen) eine Pressekonferenz im Rathaus. Quelle: dpa
Altena

Ein Pflaster am Hals des Bürgermeisters zeigt nur wenige Stunden nach der Tat die Spuren des Angriffs. Am Dienstagmittag sitzt Andreas Hollstein im Presseraum des Rathauses der 17 000-Einwohner-Stadt und spricht über die Geschehnisse des vergangenen Abends: „Ja, ich hab um mein Leben gefürchtet.“

Gegen 19.50 Uhr hatte der Bürgermeister am Montagabend einen Döner-Imbiss betreten, um seiner kranken Frau etwas zu Essen zu holen. Ein weiterer Gast spricht Hollstein unvermittelt an: „Sind Sie der Bürgermeister“, soll der offenbar alkoholisierte 56-Jährige gefragt haben. „Sie lassen mich verdursten und lassen 250 Flüchtlinge nach Altena“, wirft der Mann dem Politiker vor. Dann hält er ihm eine 30 Zentimeter langen Klinge an den Hals. Dabei verletzt sich Hollstein.

In diesem Imbiss wurde der Bürgermeister mit einem Messer attackiert. Quelle: dpa

Der Imbissbesitzer und sein Sohn eilen dem verletzten Bürgermeister zu Hilfe. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mein Leben noch hätte, wenn man mir nicht geholfen hätte“, sagt Hollstein und bedankt sich bei den Helfern. Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus kann der 54-Jährige das Krankenhaus mit leichten Blessuren wieder verlassen.

Auf der Pressekonferenz zeigte sich Hollstein bestürzt über die Attacken auf Ehrenamtliche und Politiker. „Jeder, der sich für geflüchtete Menschen einsetzt, erlebt Hass- und Bedrohungsszenarien. Das ist ein Werteverfall in unserer Gesellschaft“, sagte der Bürgermeister, der seit zwölf Jahren im Amt ist.

Auszeichnung für Hollsteins Flüchtlingspolitik

Hollstein machte in der Vergangenheit auf sich und seine Stadt aufmerksam, weil er in Altena mehr geflüchtete Menschen aufgenommen hatte, als der Verteilungsschlüssel erfordert. Von 1995 bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 1999 arbeitete der 54-Jährige für die Union als Referent für Sozialhilfe und Asylbewerberleistungsgesetz. In seiner Heimatstadt ist der Politiker in zahlreichen Vereinen und der Feuerwehr aktiv. Im Mai 2017 wurde er für seine Flüchtlingspolitik mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet. Aus Flüchtlingen sollen Mitbürger werden, lautete das Ziel der Kleinstadt im Sauerland. „Ich glaube, wir kriegen Deutschland in eine gute Zukunft geführt – und die ist bunt“, sagte der Bürgermeister bei der Verleihung.

Wegen seiner Flüchtlingspolitik wurde Hollstein beleidigt und bedroht. So habe er auch nach dem Angriff am Montag Emails von Menschen erhalten, die die Tat für richtig hielten. Der Altenaer will weiter für eine offene Gesellschaft und erfolgreiche Integration in seiner Heimat kämpfen: „Ich werde weiter machen und mich für Menschen einsetzten. Sowohl für geflüchtete Menschen, als auch für die, die schon immer da waren.“

Von mkr/RND

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