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Deutschland / Welt „Wenn es schwierig wird, haken wir uns unter“
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14:06 09.02.2014
Die Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Rebecca Harms. Quelle: dpa
Dresden

Die Erleichterung war deutlich spürbar - auch bei vielen Altvorderen der Partei. Denn der große Knall blieb aus auf dem Nominierungsparteitag der Grünen für die Europawahl. Als Rebecca Harms nach spannender Kampfabstimmung und fulminanter Rede in Dresden als Spitzenfrau der Öko-Partei für die EU-Abstimmung ausgerufen wurde, tobte der Saal. Für die verdiente Gorleben-Aktivistin gab es reichlich Beifall.

Der gut vernetzten 57-jährigen Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament blieb ein Karriereknick erspart - im Gegensatz zu anderen Mitstreitern der viele Jahre dominierenden Generation Trittin/Roth. Im Ringen um Platz eins konnte sich Harms von der jungen Herausforderin Franziska „Ska“ Keller sogar klar absetzen.

Dabei hatte die Parteilinke aus Brandenburg erst vor wenigen Wochen bei der EU-weiten Online-Abstimmung über der Realo-Frau Harms triumphiert. Und nach dem Sieg bei dem umstrittenen E-Voting den Anspruch erhoben, Gesicht und Vorzeigefrau auch der deutschen Grünen zu werden - gestützt vor allem von der Grünen Jugend.

Seit dem Wahldebakel im September ist bei den Grünen viel von personeller Erneuerung die Rede - selbst nach dem Abgang von Jürgen Trittin, Claudia Roth und Renate Künast. Harms gehört zu dieser Generation. Mit ihr an der Spitze der jetzt gewählten Euro-Truppe, das dritte Mal in Folge, wird der Generationswechsel nicht weiter forciert - vorerst. Womöglich reichte vielen alteingesessenen Delegierten in Dresden der „Jugendwahn“ dann doch ein wenig.

„Ska“ Keller jedenfalls konnte die Mehrheit nicht mitreißen. Die talentierte und redegewandte Kosmopolitin mit hoher Online-Präsenz spielte auch auf das Alter an. Die Spitzenkandidaten der anderen Parteien würden „auf jeden Fall alt aussehen gegen mich“, meinte sie etwa und setzte Emotionen Bilder entgegen: „Wer Europas Sterne funkeln sehen will, der muss sich auch trauen, im Dunkeln rauszugehen.“ Am Ende landete Keller auf Platz drei der Liste.

Auch Harms, für die selbst Bauern aus Gorleben als Unterstützer angereist waren („Wenn es schwierig wird, haken wir uns unter“) spielte auf das Alter an: Sie sei zwar schon weit über 30. „Aber ich will immer noch die Welt verändern“, rief sie am Ende ihrer kämpferischen Rede. Und sicherte sich zwei Drittel der Stimmen wohl auch mit dem Satz: „Ich bin immer noch die Gorleben-Aktivistin.“

Am Ende stand mit Harms, dem Europa-Abgeordneten Sven Giegold, Keller und Ex-Parteichef Reinhard Bütikofer ein fein austariertes Quartett als Zugpferd für eine EU-Wahl, die viele Bürger eigentlich immer noch unter ferner liefen abtun: zwei Frauen und zwei Männer, je zwei altgediente Kräfte und junge Hoffnungsträger, jeweils zwei Anhänger des Realo-Flügels und der Parteilinken. Alle heimsten ein sattes Votum ein, den Querelen zuvor zum Trotz.

Das Duell der beiden Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, war das beherrschende Thema auf dem Europa-Parteitag. Es überlagerte inhaltliche Debatten. Was manchem Parteistrategen nicht passte - auch wenn sich die Grünen für den demokratischen Konkurrenzkampf der Top-Kandidaten auf die Schulter klopften.

Eigentlich wollte die neue Partei- und Fraktionsspitze in Dresden für Aufbruchstimmung und ein Signal sorgen - nach der vermasselten Bundestagswahl, bei der es nur zu 8,4 Prozent der Stimmen reichte. Im Bundestag sind die Grünen seither kleinste Oppositionskraft. Sie geben sich nun optimistisch und peilen bei der EU-Abstimmung im Mai wieder ein zweistelliges Ergebnis an. Dabei setzen die Grünen auch auf die parallel stattfindenden Kommunalwahlen. Europa und Kommunen - das mobilisiert in der Regel Stammwähler der Öko-Partei.

Das Programm für die Bundestagswahl hatte mehr als 300 Seiten. Diesmal beschränkten sich die Grünen auf gut 60. Die vielen Detailvorschläge galten als eine von mehreren Ursachen für das schlechte Abschneiden der Partei im September. Die Rechnung der neuen Grünen-Spitze ging auf. Sie konnte ihr Programm durchsetzen in der sonst so streitlustigen Partei.

Das betrifft auch die Verhandlungen der EU und der USA über das Freihandelsabkommen. Die Grüne Jugend wollte durchsetzen, dass die Partei für ein komplettes Ende der Verhandlungen eintritt. Sie scheiterte - die Parteispitze setzte sich mit ihrer Position für einen Neustart durch. Sonst wären die Grünen wohl gleich wieder in die Ecke gedrängt worden - als wirtschaftsfeindliche, antiamerikanische Blockierer und notorische Nein-Sager.

dpa

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