Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt G-20-Gipfel: Polizei-Führungsstab hat Arbeit aufgenommen
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt G-20-Gipfel: Polizei-Führungsstab hat Arbeit aufgenommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:05 22.06.2017
Quelle: dpa (Archiv)
Hamburg

Gut zwei Wochen vor dem G-20-Gipfel hat die Hamburger Polizei ihren Großeinsatz begonnen. Der Führungsstab für mehr als 15 000 Beamte nahm am Donnerstag seine Arbeit auf. „Es wird der größte Einsatz in der Geschichte der Hamburger Polizei“, hatte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Zahlreiche Kolonnen von Polizeifahrzeugen aus anderen Bundesländern fuhren durch die Stadt. Allein Nordrhein-Westfalen wollte 2200 Polizisten entsenden. Vom Wasserwerfer über den normalen Streifenwagen bis hin zum Polizeihubschrauber hätten die Beamten alles dabei, hatte ein Polizeisprecher in Duisburg am Mittwoch erklärt.

Hintergrund des frühen Einsatzbeginns sind die verstärkten Aktivitäten von Gipfelgegnern. Diese planen für Samstag eine Demonstration gegen die Gefangenensammelstelle (Gesa) der Polizei in Hamburg-Harburg. Die Kundgebung unter der Parole „Gesa to Hell“, zu der die Veranstalter 500 Teilnehmer erwarten, wird von der Polizei als problematisch eingestuft. „Wir wollen auch im Vorfeld gerne, dass alles heil bleibt in dieser Stadt“, hatte G-20-Einsatzleiter Hartmut Dudde vor wenigen Tagen erklärt.

„Masse der Kräfte“ reist am Vortag des Gipfels an

In der Nacht zum Montag hatten Unbekannte in Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig sowie im niedersächsischen Bad Bevensen insgesamt 13 Brandanschläge an Strecken der Deutschen Bahn verübt. In Hamburg brannten Kabelschächte an zwei Bahnstrecken in den Stadtteilen Eidelstedt und Rahlstedt. Es kam bis Dienstagnachmittag zu Zugausfällen. Zu den Anschlägen tauchte im Internet ein Bekennerschreiben aus der linksextremen Szene auf, das die Polizei für authentisch hält.

Die Bundespolizei, die hauptsächlich für die Sicherheit an Bahnanlagen und am Flughafen verantwortlich ist, will ihren Großeinsatz am 30. Juni starten. 3800 Beamte sind beteiligt, bis zu 3400 allein im Raum Hamburg. Die „Masse der Kräfte“ werde am Vortag anreisen, sagte eine Sprecherin. Nach den Brandanschlägen begann die Bundespolizei damit, Bahnanlagen aus der Luft zu kontrollieren. Bereits in der Nacht zum Dienstag wurden einige Strecken, etwa in Nordrhein-Westfalen und Berlin, mit Hubschraubern überwacht.

Polizei hat auch eine Auge auf gewöhnliche Kriminalität

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag Kritiker des G-20-Gipfels aufgerufen, ihren Protest friedlich zu äußern. Es verstehe sich von selbst, dass Kritik an dem Treffen in Hamburg möglich sein müsse. Aber „es sollte auch friedliche Kritik sein“, sagte Merkel bei einer Veranstaltung mit Organisationen der Zivilgesellschaft in der Hansestadt. Die Behörden rechnen damit, dass zum G-20-Gipfel am 7. und 8. Juli neben vielen tausend friedlichen Demonstranten auch bis zu 8000 gewaltbereite aus dem In- und Ausland anreisen werden.

Trotz des riesigen Personaleinsatzes zu G-20 müssen die Hamburger nicht befürchten, dass die Polizei kein Auge mehr für die gewöhnliche Kriminalität hat. Polizeisprecher Timo Zill versicherte, dass alle Kommissariate besetzt und alle Streifen planmäßig unterwegs seien. Allerdings müssten die Kollegen während des Gipfels in Zwölfstundenschichten arbeiten. Das OSZE-Ministertreffen im vergangenen Dezember habe zudem gezeigt, dass die massive Polizeipräsenz auch gewöhnliche Kriminelle abschreckte.

Von RND/dpa