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Deutschland / Welt Ein Single reist zum Staatsdinner
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00:15 15.02.2014
Von Stefan Koch
„Unsere Verbindung hat sich verändert“: François Hollande (links) mit Barack Obama. Quelle: dpa
Washington

Die Protokollabteilung des Weißen Hauses ist Ärger gewohnt. Als Frankreichs damaliger Präsident Nicolas Sarkozy vor sechs Jahren zu einem Abendessen im kleinen Kreis eingeladen wurde, geriet die Gästeliste durcheinander, da er kurz zuvor die Trennung von seiner Ehefrau Cécilia Ciganer-Albéniz bekannt gegeben hatte. Geradezu peinlich war es im vergangenen Herbst, als Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff den Besuch in Washington gleich ganz absagte, weil sie über die NSA-Spionageaffäre verärgert war. Angesichts dieser Erfahrungen dürfte es eine Kleinigkeit sein, sämtliche Dinnerkarten neu zu drucken, da François Hollande in dieser Woche plötzlich ohne „Première Dame“ in den Vereinigten Staaten auftritt.

Das politische Washington runzelt über den „French Lover“ die Stirn, der mit seinen privaten Amouren auch in den USA für Schlagzeilen sorgt. Letztlich ist Hollandes unerwartete Trennung von seiner  langjährigen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler aber nur eine Fußnote im Vergleich zu der Botschaft, die von dem pompös inszenierten Besuch ausgeht: Frankreich, das in Amerika lange als höchst eigenwillig galt, entwickelt sich für die USA zum engsten europäischen Partner. Zehn Jahre nach dem umstrittenen Nein zum Irak-Krieg und fast zwei Jahrzehnte nach dem letzten offiziellen Staatsdinner für ein französisches Staatsoberhaupt arbeiten die Regierungen in Washington und Paris wieder engstens zusammen. Während in Berlin angesichts der schweren Spionagevorwürfe grundsätzliche Zweifel an der transatlantischen Partnerschaft wachsen, scheint sich Hollande mehr und mehr als Juniorpartner Amerikas zu empfehlen. 

Das neue Zeitalter in den amerikanisch-französischen Beziehungen kündigte sich 2011 an, als eine transatlantische Allianz – ohne Deutschland – den libyschen Diktator Gaddafi aus dem Amt bombte. Rückblickend erscheint das Vorpreschen des damaligen Präsidenten Sarkozy weniger als Alleingang – es mutet eher wie eine grundlegende Kurskorrektur an. Den Anspruch, Frankreich wieder mehr Geltung in Afrika und im Nahen Osten zu verschaffen, verfolgt auch Sarkozys Nachfolger: Im Syrienkonflikt steht Hollande eng an Obamas Seite – nicht zuletzt, als um die Herausgabe der Chemiewaffen gerungen wurde. In den aufgewühlten Tagen war die Washingtoner Führung erleichtert, zumindest in Paris einen Verbündeten gefunden zu haben.

Enge Absprachen gibt es auch im Streit um das iranische Atomforschungsprogramm. Die Machthaber in Teheran müssen zuweilen die Erfahrung machen, dass die Unterhändler aus Paris mit weitaus schärferen Forderungen auftreten als die amerikanischen Gesandten. Bei so viel Eintracht wollen auch die Historiker nicht abseits stehen. Einige Geschichtswissenschaftler erinnern die Amerikaner in dieser Woche daran, dass die Franzosen bereits im Unabhängigkeitskrieg vor 200 Jahren ein entscheidender militärischer Partner gewesen seien. Auf historische Bezüge legen offenbar auch die beiden heutigen Präsidenten Wert: Sie besuchten am Montag den Landsitz Monticello von Thomas Jefferson, der als ehemaliger Botschafter in Paris – und dritter Präsident der USA – ein großer Anhänger der französischen Kultur war.

Ganz abgesehen von solchen Parallelen  erweist sich die neue Kooperation auch bei der Bewältigung anhaltender Krisen als belastbar: Vor allem in Afrika verfolgen sie gemeinsam die Strategie, Terroristen – etwa in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik – hart zu bekämpfen und zugleich die einheimische Bevölkerung in der Landwirtschaft zu unterstützen. In einem gemeinsamen Gastbeitrag für die Zeitungen „Washington Post“ und „Le Monde“ schreiben Hollande und Obama denn auch: „Noch vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass unsere beiden Länder so eng und so vielfältig zusammenarbeiten. In den vergangenen Jahren hat sich unsere Verbindung verändert.“

Tatsächlich scheinen die Differenzen über den umstrittenen Irak-Krieg eine Ewigkeit zurückzuliegen. Aktuell bleiben allerdings die Probleme in der Wirtschaftskooperation. So können das Bekenntnis zur geplanten transatlantischen Freihandelszone und der Wunsch nach gemeinsamen Start-up-Unternehmen in Paris und im Silicon Valley kaum über die geschäftlichen Probleme hinwegtäuschen. Die Investitionshöhe amerikanischer Firmen fiel in Frankreich 2013 auf einen neuen Negativrekord. Der Begriff „Entrepreneur“ stammt zwar aus der französischen Sprache, doch von der sozialistischen Regierung in Paris fühlen sich die Geldgeber aus der Neuen Welt keineswegs gut behandelt. Von seinen ursprünglichen Steuererhöhungsplänen rückt Hollande mittlerweile zwar ab, auch setzt er stärker auf Sozialreformen. So recht ist seine neue Tonlage in den USA aber noch nicht angekommen.

Um ein neues Kapitel aufzuschlagen, führt der hochkarätige Gast aus Paris am heutigen Mittwoch eine große Wirtschaftsdelegation in das vermeintliche Gründerparadies Kalifornien. Ganz so einfach dürfte der Besuch allerdings nicht werden. Im Silicon Valley hat man nicht vergessen, dass Hollandes Industrieminister Arnaud Montebourg im vergangenen Jahr ein geplantes Joint Ven­ture verhinderte: Der Internetriese Yahoo wollte für 300 Millionen Euro die Videoplattform Dailymotion mehrheitlich übernehmen. Dagegen war Montebourg der Ansicht, dass der Yahoo-Konzern dieser Aufgabe nicht gewachsen sei. Ein Veto, über das viele Unternehmer in Kalifornien nur den Kopf schütteln.

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