Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt Flasbarth: „Wir brauchen mehr Windräder“
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt Flasbarth: „Wir brauchen mehr Windräder“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:51 28.07.2010
Quelle: dpa

Deutschland gilt als Musterschüler bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Sie sind damit nicht zufrieden, sondern weisen in einer neuen Studie nach: Die Stromversorung kann zu 100 Prozent aus Erneuerbaren gedeckt werden. Warum ist das überhaupt nötig?

Wir müssen bis 2050 bis zu 95 Prozent der Treibhausgase einsparen, um den Klimawandel zu bremsen. Das ist ohne kohlendioxidarme Energieversorgung nicht möglich. Neben den fossilen Energieträgern gibt es auch andere große Quellen für die Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas: die Landwirtschaft, den Verkehr und die Industrieproduktion. Da wird es zugegeben sehr schwierig werden, ein Nullergebnis zu erreichen. Umso mehr müssen wir den Energiesektor so weit wie irgend möglich treibhausgasneutral umbauen. Das ist mit der heute bereits verfügbaren Technik möglich. Es muss nur beherzt angegangen werden.

Dafür müssten alle Potenziale ausgeschöpft werden. Ist es nicht blauäugig anzunehmen, dass bis 2050 das Netz optimal ausgebaut ist und alle Speichermöglichkeiten genutzt werden?

Denken wir 40 Jahre zurück: Damals hatten wir noch keine Computer, keine Handys, unsere Energie- und Verkehrsemissionen haben regelmäßig Smogalarm hervorgerufen. Heute scheint das Arbeiten ohne diese Geräte undenkbar, Smog kennen wir nur noch vom Hörensagen. Bei den erneuerbaren Energien haben wir noch ausreichend Anpassungszeit. Je früher und entschlossener wir das anpacken, desto mehr Zeit haben wir für die technischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Wir sind nicht blauäugig an die Frage herangegangen, sondern haben sehr konservativ gerechnet. Wir haben nur die bereits vorhandenen Technologien vorausgesetzt und erwarten nicht, dass der Lebensstil sich wesentlich ändert. Wir sind vom heutigen Konsumverhalten ausgegangen und vom derzeitigen Stromverbrauch.

Wird der Stromverbrauch nicht sogar noch steigen?

Wir gehen davon aus, dass es neue Verbraucher geben wird; auch durch die Elektromobilität wird der Verbrauch etwa ansteigen. Andererseits werden die Elektrogeräte immer sparsamer. Nach unseren Berechnungen wird der Strombedarf im Jahr 2050 506 Terawattstunden betragen. 2009 waren es 582 Terawattstunden. Die technischen Potenziale für Solar-, Windenergie, Wasserkraft, Geothermie und Abfallbiomasse in Deutschland liegen nach unserer Einschätzung bei 687 Terawattstunden pro Jahr.

Schon heute stoßen Windparks und fußballfeldgroße Solarfelder auf Ablehnung.

Der Ausbau der Erneuerbaren wird nicht ohne Konflikte sein. Keine Frage, die Energiegewinnung wird näher an den Menschen heranrücken. Aber wir haben auch riesige Braunkohle-Tagebaue oder Endlager für Atommüll, die viele hinnehmen müssen. Wenn wir ein Prozent der Fläche Deutschlands für die Windenergie beanspruchen, wird folglich ein sehr großer Teil frei bleiben. Aber wir können nicht alles freihalten. Und ja: es werden künftig mehr Windräder sein als heute.

Die heikle Frage nach den Kosten haben Sie in der Studie ausgeklammert.

Bei der Kostenberechnung gibt es noch so viele Unwägbarkeiten – etwa die Kostensenkung bei Photovoltaik oder, umgekehrt, die Entwicklung des Ölpreises nach oben – dass Vorhersagen schnell falsch werden. Richtig ist: Der Umbau der Energiestruktur ist nicht zum Nulltarif zu haben. Der Klimawandel aber auch nicht. Die Kosten fürs Nichtstun sind mit Sicherheit höher. Das zeigen viele internationale Studien.

Eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke, wie sie die Bundesregierung will, ist nach Ihrem Modell nicht nötig. Würde sie den Umbau sogar erschweren?

Wir haben nicht vorgeschrieben, wie der Übergang ins Zeitalter der Erneuerbaren gestaltet werden soll. An Kohle und Atom festzuhalten ist nicht unmöglich, macht den Übergang aber nicht einfacher. Wir als Umweltbundesamt empfehlen seit Langem, auf Laufzeitverlängerungen zu verzichten. Aber das ist eine Entscheidung, die letztlich die Politik treffen muss. Wir sind die wissenschaftlichen Berater.

Es sind verschiedene neue Stromstudien auf dem Markt. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) kommt zu dem Schluss, dass längere Laufzeiten unerlässlich sind, zumindest, bis Klarheit über die Nutzbarkeit der Kohlendioxid-Speichertechnologie herrscht. Lässt sich jede Interessengruppe ihre Gefälligkeitsgutachten schreiben?

Jede Studie trägt zum Meinungsbildungsprozess bei. Wir halten die Einschätzung der DPG nicht für den richtigen Weg in ein zukunftsfähiges – und das heißt in diesem Fall: für ein CO2-neutrales – Deutschland. Die unterirdischen Speicherkapazitäten für CO2 sind in Deutschland begrenzt. In einem CO2-neutralen Deutschland werden sie sicherlich dringender gebraucht für Industrien mit energie- und CO2-intensiven Prozessen wie die Stahl- oder Zementproduktion als für die Emissionen von Kohlekraftwerken.

Interview: Margit Kautenburger

Ohne Wasser können Menschen nicht leben, durch unsauberes Wasser sterben jedes Jahr Millionen. Jetzt haben die Vereinten Nationen ein Menschenrecht auf Wasser festgeschrieben. Einklagbar ist es jedoch nicht.

28.07.2010

Mit Hilfe der Republikaner hat US-Präsident Barack Obama die Erhöhung des Budgets für den Krieg in Afghanistan durch den Kongress gebracht. Das Budget soll um 33 Milliarden Dollar erhöht werden.

28.07.2010

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht weiter. Experten rechnen für die kommenden Monate mit einem kräftigen Jobzuwachs. Nach der Krise boomt vor allem die Zeitarbeit - aber auch in anderen Branchen werden wieder Kräfte gesucht.

28.07.2010