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Deutschland / Welt Einblicke in die bittere Realität des Krieges
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07:55 27.07.2010
Brisantes Material: Eine der Wikileaks-Seiten mit geheimen Militärdokumenten. Quelle: dpa

Der Tod von acht amerikanischen Soldaten in einem abgelegenen Außenposten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet im Oktober 2009 hatte in den USA ein paar Schlagzeilen gemacht – was für das tägliche Sterben am Hindukusch nicht selbstverständlich ist. Doch dank eines von 92 000 durch die Internetplattform Wikileaks veröffentlichten Dokumenten kann nun jeder die Verzweiflung der Soldaten nachlesen. Selbst die Großbuchstaben und die Tippfehler entsprechen dem Original. „ENEMUY IN THE WIRE ENEMY IN THE WIRE“, meldete ein Soldat. Am Ende wurde der Stützpunkt gegen die Übermacht der Taliban nur in allerletzter Minute verteidigt – einen Tag, bevor er wegen eines Wechsels der Strategie sowieso geräumt werden sollte. Das Dokument dürfte zu denjenigen gehören, welche die Amerikaner am meisten aufrütteln. Doch andere Papiere, die Wikileaks schon vor Wochen der „New York Times“, dem britischen „Guardian“ und dem „Spiegel“ zugespielt hat, sind politisch noch brisanter. So beweisen die Dokumente aus den Jahren 2004 bis 2009, die auf unredigierte Rapporte von unteren Dienststellen und Soldaten aus Afghanistan zurückgehen, wie eng der pakistanische Geheimdienst mit den Taliban zusammenarbeitet. Das reichte bis zur Planung von Anschlägen.

Die Pakistaner spielten ein doppeltes Spiel, schreibt die „New York Times“: „Sie gingen auf gewisse Forderungen der Amerikaner zur Kooperation ein, während sie durch Aufständischengruppen, welche die USA bekämpfen, ihren Einfluss in Afghanistan ausbauen wollten.“

Den Verdacht gibt es schon lange – die Geheimdokumente liefern den Beweis. Die amerikanischen Wähler werden sich fragen, ob ein solcher angeblicher Verbündeter wirklich die Milliardenhilfe verdient, die ihm jedes Jahr überwiesen wird. Die Aussagen der afghanischen Polizei und der Armee sind aber oft so formuliert, dass die pakistanische Einmischung drastisch erscheint. Dies ist auch die Agenda der Regierung in Kabul. Angesichts der Tatsache, dass die Dokumente die Unzuverlässigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte drastisch darstellen, sind diese keine absolut zuverlässige Quelle. Pakistan wies die Vorwürfe zurück.

Auch die Deutschen kommen nicht gut weg. Der umstrittene, von der Bundeswehr beorderte Luftangriff vom September des vergangenen Jahres taucht auf, bei dem zahllose afghanische Zivilisten ums Leben kamen. Neue Details werden nicht enthüllt. Es wird allerdings noch einmal deutlich, wie falsch zunächst die Lage eingeschätzt worden war: Zivilisten, die sich an einem zerstörten Tankzug mit Benzin versorgen wollten, wurden kurzerhand zu Taliban erklärt, auf die ein Angriff gerechtfertigt schien.

Für die US-Regierung ist die zweite Veröffentlichung von Geheimdokumenten in diesem Jahr ein Desaster. Schon im April hatte ein Wikileaks zugespieltes Video über die Erschießung eines Journalisten durch einen Hubschrauber im Irak weltweit Empörung ausgelöst. Der mutmaßliche Urheber, der 22-jährige Soldat Bradley Manning, muss sich inzwischen vor Gericht verantworten. Bisher ist unklar, wer diesmal die Quelle war und ob Manning ebenfalls verwickelt ist.

Obamas Sicherheitsberater James ­Jones reagierte auf die neue Veröffentlichung harsch: „Die Vereinigten Staaten verurteilen auf das Schärfste die Veröffentlichung von geheimen Informationen durch Individuen und Organisationen. Dies könnte das Leben von Amerikanern und Verbündeten sowie die nationale Sicherheit bedrohen.“ Allerdings betont Wikileaks, dass man Daten, von denen man glaubt, dass sie Soldaten und andere Beteiligte gefährden könnten, nicht publiziert habe. So bleiben beispielsweise afghanische Informanten anonym. Wikileaks-Gründer Julian Assange sieht in den brisanten Dokumenten Hinweise auf Kriegsverbrechen. In den Akten „scheinen Beweise von Kriegsverbrechen zu sein“, sagte Assange am Montag vor Reportern in London. Konkrete Beispiele nannte er aber nicht. Es sei Sache eines Gerichts, wirklich zu entscheiden, ob am Ende etwas ein Verbrechen ist.

Insgesamt enthält das veröffentlichte Material keine Erkenntnisse der höchsten Geheimhaltungsstufe. Seine Brisanz erhält es vielmehr durch das detaillierte Mosaik an Fakten, die bisher nur in Umrissen bekannt waren. Dazu gehört neben den Verstrickungen des pakistanischen Geheimdienstes auch die Tatsache, dass die unbemannten Flugzeuge, die sogenannten Drohnen, nicht immer die Wunderwaffen sind, als die sie präsentiert werden.

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