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Deutschland / Welt Die Ehe für alle nimmt keinem etwas weg
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11:36 28.06.2017
Im Zeichen des Regenbogens: In vielen Staaten wurde die Ehe für schwule und lesbische Paare bereits geöffnet. In Deutschland könnte es demnächst soweit sein.  Quelle: dpa
Berlin

 Diese Tage bieten die letzte Gelegenheit für große Entscheidungen in der endenden Legislaturperiode. Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Doch Berlin kennt plötzlich nur noch ein Thema: die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Gibt es wirklich nichts Wichtigeres, um das die Politik sich kümmern müsste? Kann es sich Deutschland leisten, in Zeiten von Putin, Trump und Erdogan darüber zu streiten, ob zwei Männer sich bloß verpartnern oder einander doch auch ehelichen dürfen? Diese Zweifel drängen sich womöglich auf, doch sie führen in die Irre.

Wer die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen etwa unter Verweis auf ihren zahlenmäßigen Anteil an der Bevölkerung zur Nebensache erklärt, der verkennt, dass der Umgang mit Minderheiten den Wesenskern einer liberalen, demokratischen Gesellschaft berührt. Artikel 3 im Grundgesetz lautet nicht: „Die Mehrheit ist vor dem Gesetz gleich.“ Er lautet: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Es ist daher ein Gebot der Selbstachtung, dass der Bundestag jetzt den langen Streit um die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben mit der Öffnung der Ehe beilegt.

Doch auch wenn der Bundestag am Freitag die Ehe für alle verabschiedet, wird die schwul-lesbische Community wohl kaum die Standesämter stürmen. Es streben ja nicht alle homosexuellen Paare die Ehe an, ebenso wenig wie alle heterosexuellen Paare. Wichtiger als die Eheschließung selbst ist vielen das Recht auf Ehe. Nicht alle Schwule und Lesben wollen heiraten. Aber alle wollen heiraten dürfen.

Die Ehe für alle bedeutet nicht deren Entwertung. Kein heterosexueller Mann büßt Rechte ein, weil ein homosexueller auch welche erhält. Keine heterosexuelle Frau wird schlechtergestellt, weil ihr eine homosexuelle Frau gleichgestellt wird. Es ist seltsam, dass die vorgeblichen Verteidiger der Institution Ehe im Wunsch nach deren Öffnung einen Angriff auf die Ehe sehen. Hohe Scheidungsraten bereiten ihnen kaum Sorgen. Menschen gleichen Geschlechts hingegen, die füreinander Verantwortung übernehmen möchten und dazu den Schutz des Staates ersuchen, schon. Dabei kann es kein schmeichelhafteres Lob für die Ehe geben, als dass sie von Menschen ersehnt wird, denen sie verwehrt ist. Oft geht es ihnen um das Kindeswohl. Tausende Kinder wachsen mit zwei Müttern oder zwei Vätern auf. Ihnen geht es, wie Studien zeigen, gut. Es würden gern mehr gleichgeschlechtliche Paare Kinder in Liebe und Geborgenheit aufziehen, doch der Staat verbietet Adoptionen unter Verweis auf die sexuelle Orientierung. Dabei bereitet Kindern meist nicht die Homosexualität ihrer Eltern Probleme, sondern die Homophobie in der Gesellschaft. Die Öffnung der Ehe wäre ein starkes Zeichen dagegen. Erst recht in Zeiten von Putin, Trump und Erdogan, da Intoleranz und Hass um sich greifen.

Von Marina Kormbaki/RND

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