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18:41 20.09.2017
Das Schiff „Iuventa“ der Nichtregierungsorganisation Iuventa Jugend im Mittelmeer. Quelle: dpa
Berlin

Sind die jungen Freiwilligen auf dem früheren Fischtrawler „Iuventa“ Schlepper oder Retter? Sind die Deutschen vom Verein „Jugend rettet“ naive Komplizen von skrupellosen Menschenhändlern – oder sind die Vorwürfe gegen sie von den italienischen Behörden vorgeschoben, um in der Bevölkerung Rückhalt für die Schließung der zentralen Mittelmeerroute zu bekommen? Seit Anfang August liegt die „Iuventa“ an der Kette. Der italienische Staatsanwalt Ambrogio Cartosio aus der sizilianischen Küstenstadt Trapani ließ das Schiff auf Lampedusa beschlagnahmen und nach Sizilien überführen.

Am Dienstag gab es eine erste Anhörung in Trapani. Danach versuchen die Aktivisten von „Jugend rettet“, öffentlich die Vorwürfe gegen sie zu widerlegen. Es geht um verschwommene Bilder, abgehörte Gespräche und immer wieder um die Frage: Hat sich die Crew der „Iuventa“ strafbar gemacht?

„Diese Fotos wurden komplett aus dem Zusammenhang gerissen“

Am 18. Juni war das Schiff knapp außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer stationiert. Die „Iuventa“ ist ein kleines und wendiges Boot, sie operiert meist vor den anderen Schiffen, birgt Flüchtlinge von ihren seeuntüchtigen Kähnen und verteilt diese dann weiter auf größere Schiffe der Kriegsmarinen oder anderer Hilfsorganisationen. Auf einem dieser Schiffe, der „Vos Hestia“, waren verdeckte Ermittler des italienischen Auslandsgeheimdienstes eingeschleust worden. Sie nahmen die „Iuventa“ unter die Lupe und versuchten zu beweisen, dass die Deutschen direkt mit den Schmugglern zusammenarbeiten.

Fotos sollen zeigen, dass das Beiboot der „Iuventa“ leere Flüchtlingsboote in Richtung libysche Hoheitsgewässer zurückschleppt. Eines davon sei später bei einer neuen Rettungsaktion wieder aufgetaucht. Die „Jugend rettet“-Aktivisten weisen die Vorwürfe zurück. Ihr kleines Beiboot sei gar nicht in der Lage gewesen, die Boote bis in libysche Hoheitsgewässer zu schleppen. Die Erklärung sei einfacher: Das Schlauchboot habe den Befehl erhalten, die leeren Boote zur Seite zu ziehen, damit sie den Transfer der Flüchtlinge von der „Iuventa“ auf das größere Schiff nicht behinderten. „Diese Fotos wurden komplett aus dem Zusammenhang gerissen“, heißt es in der Stellungnahme der Organisation. Die Seenotretter sind angewiesen, die Boote zu zerstören, damit sie nicht erneut von kriminellen Schmugglern verwendet werden.

Ermittlungen gegen die Deutschen

Doch die Rettung von Menschenleben habe Priorität. So sei es auch am 18. Juni gewesen. Weitere Flüchtlingsboote kamen an, das Beiboot musste bei der Bergung bereitstehen, falls jemand über Bord geht. Die leeren Holzboote trieben auf dem Meer und wurden von sogenannten „Maschinenfischern“ eingesammelt, die Boote aufsammeln und an die Schmuggler verkaufen. Das sei ohne Zutun der „Iuventa“-Crew geschehen.

Bereits im September 2016 meldeten die verdeckten Ermittler, die „Iuventa“ arbeite mit Schmugglern zusammen. Damals soll ein Boot nach dem Abliefern der Flüchtlinge direkt wieder Richtung Libyen zurückgefahren sein. Auf der „Iuventa“ erinnert sich niemand an solch einen Fall. In den Logbüchern taucht er nicht auf.

Dennoch entschieden die italienischen Behörden, gegen die Deutschen zu ermitteln. Im Mai 2017 wurde die „Iuventa“ nach Lampedusa beordert, um dort fünf Flüchtlinge abzuliefern. Die Order war ungewöhnlich: Normalerweise verlässt der Kutter nicht das Suchgebiet, sondern übergibt die Geretteten an größere Schiffe. Ein hitziger E-Mail-Verkehr zwischen der Brücke der „Iuventa“ und der Seenotzentrale folgte. Die Aktivisten hinterfragten den Sinn der Order, die Zentrale pochte auf ihre Befehlsgewalt.

Von Jan Sternberg

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