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Deutschland / Welt Der Verlierer? Die Demokratie!
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22:20 10.06.2013
Von Alexander Dahl
Deutschlands Demokratie ist zwar unumstritten – doch die Unterschicht hält sich raus. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Berlin

Wenn 30 bis 50 Prozent der Bundesbürger ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen, gerät dann die Demokratie in Gefahr? Nein – lautet zumindest das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Danach finden die meisten Deutschen Demokratie im Prinzip gut, vielen ist sie nur ziemlich egal. Immerhin 82 Prozent der Wahlberechtigten sind im Bundestagswahljahr zufrieden mit dem politischen System – ein Rekordwert. Lediglich elf Prozent äußern Ablehnung. Vor zehn Jahren waren noch 29 Prozent mit der Demokratie unzufrieden. Im Osten Deutschlands stieg die Zahl der Demokratie-Befürworter gar von 47 Prozent (2003) auf aktuell 74 Prozent.

Die Gleichgültigkeit gegenüber einer Stimmabgabe im Wahllokal indes findet sich vor allem in den Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen und mangelnder Bildung. „Deutschland ist eine sozial gespaltene Demokratie. Während 68 Prozent aus der Mittel- und Oberschicht an der Bundestagswahl am 22. September teilnehmen wollen, planen dies nur 31 Prozent aus der Unterschicht“, sagt Robert Vehrkamp, Mitautor der Studie und Leiter des Programms „Zukunft der Demokratie“ der Bertelsmann-Stiftung, im Gespräch mit der HAZ. „Die sozial schwachen Schichten verabschieden sich aus der demokratischen Teilhabe, weil die Demokratie ihr Gleichheitsversprechen nicht einlöst“, heißt es in der Untersuchung.

Laut Studie motiviert nichts so stark, sich an einer Wahl zu beteiligen wie ein politisch interessiertes Umfeld. Wer dies nicht hat, der wird sich nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 19 Prozent an der Wahl beteiligen. Hinzu kommt, dass Wahlabstinenz sozial akzeptiert wird. „Frühere Generationen waren auch nicht politisierter; sie sind dem Wahlaufruf aber aus staatsbürgerlichem Pflichtgefühl heraus gefolgt“,  erklärt Vehrkamp.

Die meisten Wahlverweigerer (61 Prozent) geben an, Politik sei für sie oft schwer nachvollziehbar und undurchsichtig. Gleichzeitig machen 65 Prozent aller Befragten bei den im Bundestag vertretenen Parteien große Unterschiede aus. „Zwei überraschende Ergebnisse, die nahelegen: Die Parteien sollten nicht mehr polarisieren, sondern sie sollten ihre Politik besser erklären“, sagt Vehrkamp.

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