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Deutschland / Welt Chef des Malteserordens muss gehen
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15:07 25.01.2017
Nun hat es ihm gereicht: Nach wochenlangen Querelen hat Papst Franziskus den Chef des Malteserordens, Matthew Festing, geschasst. Quelle: dpa
Rom

Im Streit zwischen der Spitze des Malteserordens und dem Vatikan hat der Papst ein Machtwort gesprochen und den Chef der traditionsreichen Organisation entmachtet. Der Großmeister des katholischen Ordens habe seinen Rückzug angekündigt, nachdem Franziskus ihn dazu aufgefordert hatte, erklärte eine Sprecherin am Mittwoch. Matthew Festing werde am Samstag dem Orden seinen Rücktritt erklären. Zwischen dem Vatikan und der Spitze der jahrhundertealten katholischen Organisation schwelt seit Wochen ein Streit – unter anderem geht es um die Verteilung von Kondomen.

Der Vatikan hat unterdessen angekündigt, den Malteserorden von einem Beauftragten des Papstes leiten zu lassen. Nach dem Rücktritt des Ordensgroßmeisters Festing solle zunächst dessen Stellvertreter die Geschäfte des Ordens übernehmen, teilte der Vatikan mit. Papst Franziskus werde dann einen Beauftragten ernennen.

Seine Tage als Malteserordens-Chef sind gezählt: Matthew Festing wird am 28. Januar seinen Rücktritt erklären. Quelle: dpa

Auslöser des Streits war die Entlassung des deutschen Großkanzlers Albrecht von Boeselager. Dieser war im Dezember seines Amtes enthoben worden. Einer der Gründe soll auch die Verteilung von Kondomen in Myanmar vor Jahren gewesen sein – Boeselager soll davon gewusst haben. Die katholische Kirche ist gegen Verhütungsmittel. Der geschasste Großkanzler wehrt sich gegen seine Entlassung und hat Einspruch beim Ordenstribunal eingelegt. Der Orden mit seinen weltweiten Hilfsorganisationen hat rund 13.500 Mitglieder.

Machtkampf zwischen Papst und konservativen Kritikern

Der Vatikan setzte eine Untersuchungskommission in dem Fall ein. Das Fass zum Überlaufen brachte allerdings die Tatsache, dass Festing die Zusammenarbeit mit dem Gremium verweigerte und es als „irrelevant“ bezeichnete. Darauf wies der Vatikan die Ordensführung scharf zurecht und forderte sie zur Kooperation auf.

Der Streit wird auch als Symbol für den Machtkampf zwischen Franziskus und seinen konservativen Kritikern gesehen. Denn der Top-Diplomat für den Malteserorden im Vatikan ist der US-Kardinal Raymond Burke, einer der größten Gegner von Franziskus moderaterer Linie. Mitglieder des Malteserordens hatten kritisiert, dass der Streit ein negatives Licht auf die wohltätige Arbeit des Ordens werfe und es sich bei den Gegnern des Papstes um ultrakonservative „Hardliner“ handle.

Der Deutsche Boeselager wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn nun aufgehoben wird.

Von RND/dpa